Abgefahrener Plan

Entsteht hier ein komplett neuer S-Bahnhof?

Der alte Bahnhof von Breitenau wird heute von einem Logistikunternehmen genutzt. Zirka 300 Meter weiter östlich könnte nach dem Willen des Landrats jedoch ein neuer Bahnhof entstehen, samt Busbahnhof und P+R-Anlage. Foto: hab

Ein Landrat hat den Plan für eine neue S-Bahn-Haltestelle. Ausgerechnet das von der CSU strikt abgelehnte Dieselfahrverbot für München könnte sich als hilfreich erweisen.

Dachau/Landkreis – Ein Tunnel unter Karlsfeld, eine Umfahrung um Dachau, eine Bustangentiale durchs Hinterland: Es gibt viele Ideen, wie der Landkreis vom Verkehr entlastet und der öffentliche Nahverkehr in der Region gestärkt werden könnte. Am lautesten wird derzeit jedoch ein Wunsch geäußert: der Bau einer S-Bahnhaltestelle samt P+R-Platz in Breitenau. Im Gespräch mit den Dachauer Nachrichten vor wenigen Wochen bezeichnete Landrat Stefan Löwl die Idee gar als „Pilotprojekt“. Das Problem: Dass diese Idee in absehbarer Zeit umgesetzt wird, ist gelinde gesagt fraglich. Oder, wie Landratsamtssprecher Wolfgang Reichelt es formuliert: „Es sitzen sehr viele Mitspieler am Tisch.“

Tatsächlich ist für den Bau einer S-Bahnstation die Zustimmung der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) erforderlich. Sollte die BEG einverstanden sein, würde sie der Bahn den Auftrag erteilen, den Bahnhof Breitenau wieder ans Netz zu nehmen. Auf Nachfrage erklärt BEG-Geschäftsführer Thomas Prechtl zwar, über die Anfrage des Landkreises „zur Reaktivierung der S-Bahnhaltestelle Breitenau in Kombination mit einem Busbahnhof und P+R-Anlage“ informiert zu sein. Allerdings sei „die vorhandene Siedlungsstruktur für die Rechtfertigung einer S-Bahnstation unzureichend“. Zu nah würden die Bahnhöfe Dachau-Stadt und Bachern liegen.

Nicht ohne Grund, so sagt auch Bahnsprecher Bernd Honerkamp, sei die Station Breitenau bereits im Jahr 1987 geschlossen worden: „Es waren einfach zu wenige Fahrgäste.“ Aktuell wisse man in seinem Unternehmen noch nichts von Wiederbelebungsversuchen von Breitenau. Sollte die Bahn jedoch tatsächlich den Auftrag erhalten, sei die Umsetzung relativ einfach: „Wir bräuchten im Prinzip nur einen Bahnsteig und daneben das Gleis. Dazu noch eine Unterführung beziehungsweise einen Übergang.“ Eingerechnet das Planfeststellungsverfahren, könne man von einer Bauzeit von drei bis fünf Jahren ausgehen.

Wesentlich schneller umzusetzen wäre da natürlich die Idee, eine P+R-Anlage mit Busanbindung zu bauen. Doch auch hier gibt es Fallstricke: Zuständig für Bau und Betrieb der Anlage ist im Regelfall stets die Gemeinde, in der die Anlage steht; im Fall von Breitenau wäre dies Bergkirchen. Bürgermeister Simon Landmann sagt ganz klar: „Ich baue sicher kein Parkhaus!“ Schließlich würden ja hauptsächlich Bürger anderer Gemeinden das Parkhaus nutzen. Allerdings, betont Landmann, würde er sich einer Lösung, an der sich auch die Nachbargemeinden finanziell beteiligen würden, nicht verschließen. Das Grundstück für das angedachte Parkhaus sei zwar noch in Privathand, jedoch hätten bereits „gute Gespräche“ mit dem Eigentümer stattgefunden.

Doch auch die Buslinien von Breitenau nach Karlsfeld und Dachau oder in Form von Werksbussen zu BMW kann der Landkreis nicht einfach bestellen. Werksbusse, gibt Wolfgang Reichelt vom Landratsamt zu, würden wohl nur zwischen Breitenau und den Werken direkt verkehren, ohne Nutzen für die Allgemeinheit. Für Busse zum Dachauer Bahnhof wären die Dachauer Verkehrsbetriebe zuständig, Karlsfeld wird vom Busverkehr Südbayern bedient.

Bleibt noch die verkehrliche Erschließung eines möglichen S-Bahnhofs Breitenau. Löwl denkt in diesem Punkt an eine Nord-Ost-Umfahrung von Dachau, die man dann einfach über Breitenau bauen könnte. Aktuell, so bestätigt Löwls Sprecher Reichelt, werde eine Machbarkeitsstudie erstellt – inklusive einer Berechnung künftiger Verkehrsströme. „Wir brauchen einfach belastbare Zahlen“, umschreibt Reichelt das Ziel der Studie.

Doch egal was diese Studie ergeben mag: In der Stadt Dachau hat der Plan einer Umfahrung viele Gegner. Und die Fraktion der Überparteilichen Bürgergemeinschaft (ÜB) fragte schon einmal prophylaktisch bei Oberbürgermeister Florian Hartmann an, welche Mitsprachemöglichkeiten denn die Stadt bei den geplanten Aktivitäten des Landratsamts habe? Denn: „Unseres Erachtens werden sie erhebliche Auswirkungen auf (...) die Sinnhaftigkeit des geplanten Parkhauses am Dachauer S-Bahnhof haben!“

Angesichts dieser nicht unbedingt ermunternden Tatsachen will Landrat Löwl seine „Vision Breitenau“ aber dennoch nicht aufgeben. Und dafür hat er gute Gründe. Denn: Mithilfe des sogenannten Verkehrspakts Bayern, der nach dem Willen der Staatsregierung auch unkonventionelle Ideen für die Entlastung des Großraums Münchens fördern will, und vor dem Hintergrund der Diskussion um ein Dieselfahrverbot für München hofft er auf eine „größere Flexibilität“ bei den Entscheidungsträgern. Die Chancen, dass sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen ändern, seien derzeit nämlich so gut wie nie. Deshalb wolle er schon jetzt laut für seinen Plan trommeln – in der Hoffnung, in München gehört zu werden.

Stefanie Zipfer

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