Auflieger rumpelt führerlos durch den Ort

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Hoppala – wo ist das Zugfahrzeug geblieben? Der führerlose Anhänger, der zwischen der Linden- und der Buchenstraße zum Stehen kam.

Schwaberwegen - „Für uns war das ein Schock mitten in der Nacht“, sagt eine Anliegerin aus der Lindenstraße in Schwaberwegen. Im Dorf hatte sich der viele Tonnen schwere Auflieger von einem durchfahrenden Sattelschlepper gelöst und war führerlos durch den Ort gerumpelt.

„Der Anhänger ist abgerissen, der Fahrer ist mit dem Zugfahrzeug noch 100 Meter weitergefahren, bis er das gemerkt hat“, berichtet ein Poinger Polizeisprecher von der nächtlichen Havarie eines bulgarischen Lastwagenlenkers.

Die Beamten holten sich vor Ort Rat bei der Autobahnpolizei und stellten fest: „Er hatte die Bremsschläuche falsch angeschlossen“. Die Folge: „Dem hat’s den Federspeicher reingehauen, die Folge war eine Notbremsung des Anhängers.“ Der Federspeicher ist eine mechanische Bremse, die automatisch dann einsetzt, wenn der Druck in der Bremsleitung zu gering wird oder ganz wegfällt.

Die Anlieger zwischen Lindenstraße und Buchenstraße im Forstinninger Ortsteil Schwaberwegen laufen gegen 22 Uhr auf die Straße und sind geschockt: „Der Auflieger ist ungelenkt 45 Meter am Randstein entlanggeschrammt. Nicht auszudenken, wenn er auf den Gehweg gesprungen wäre und sich dort Fußgänger befunden hätten.“ Rechts und links der Straße stehen Häuser. Jetzt sei das eingetreten, was die Anlieger schon lange befürchten: Ein schwerer Unfall im Ort, denn die Staatsstraße 2080 hätte sich zum vielbefahrenen Autobahnzubringer entwickelt.

Der Auflieger hinterlässt eine lange Schleifspur auf der Straße. Den Anliegern erzählt der Fahrer, er müsse das Zugfahrzeug, einen MAN-Sattelschlepper und den Auflieger, der mit Schmitz-Anhängerteilen schwer beladen ist, nach Afghanistan überführen. Die Polizei teilt einen Tag später mit, dass sich an dem Zugfahrzeug und an dem Auflieger tatsächlich deutsche Überführungskennzeichen befunden hatten, der Fahrer den Sattelzug ihrer Ermittlungen nach nach Bulgarien bringen sollte. „Das war eine Überführungsfahrt.“

Der 50-jährige kommt günstig weg. Er muss eine Sicherheitsleistung von 90 Euro hinterlegen und kann seine Reise unbehelligt fortsetzen - was die Anlieger in Erstaunen versetzt. Ein Polizeisprecher erklärt jedoch die rechtliche Lage: Für eine konkrete Gefährdung hätte sich Fußgänger auf dem Gehweg befinden müssen. Da mache der Gesetzgeber genaue Vorgaben. Die Beamten sorgen dafür, dass der Lastwagenfahrer die Bremsschläuche diesmal richtig anschließt und dann darf der 50-jährige die Fahrt wieder antreten - ohne die drei Punkte in Flensburg, die ein deutscher Lastwagenlenker für eine solche Nachlässigkeit kassiert hätte.

Anlieger der Staatsstraße 2080 fordern eine Westumfahrung, um künftig solche Gefährdungen auszuschließen. „Da fahren so viele Lastwagen und auf der einen Seite ist fast kein Gehweg, da muss man sich schmal machen“, berichtet eine Anliegerin. Außerdem habe der Verkehr dramatisch zugenommen. „Um drei Uhr stehen wir im Bett, auch wegen der vielen Mautflüchtlinge“.

Nicht nur die Anlieger haben Glück gehabt. Hätte sich der Aufleger bei höherem Tempo nur ein paar Minuten eher oder später auf der Autobahn gelöst, das tonnenschwere und unberechenbare Teil hätte zu tödlichen Unfällen führen können. „Wir hatten ein Riesenglück, da zu der Zeit keine weiteren Autos unterwegs waren“, sagt auch ein Anlieger aus der Lindenstraße. „Der Riesenlärm ließ uns Schlimmes befürchten. Gott sei dank verlief es glimpflich.“

Von Michael Seeholzer

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