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Reaktion auf die Gaskrise: Bürger stürmen Brennholz-Markt – „Nachfrage steigt brutal“

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Von: Theresa Kuchler

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Begehrter Rohstoff: Seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine ist die Nachfrage nach Brennholz als Gas-Alternative enorm – auch in der Region.
Begehrter Rohstoff: Seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine ist die Nachfrage nach Brennholz als Gas-Alternative enorm – auch in der Region. © Daniel Karmann/DPA

Immer mehr Menschen schauen sich nach einer Alternative zur Gasheizung um – und stürmen den Brennholzmarkt. Weder Waldbesitzer noch Kaminöfen-Händler können die Nachfrage decken.

Landkreis – Obwohl die Anzeige auf dem Thermometer an der 30-Grad-Marke kratzt, denken gerade viele Bürger im Landkreis ans Einheizen. Immerhin hat Russland seit Montag den Gashahn der Pipeline Nordstream 1 vorübergehend zugedreht und schon vor Wochen hat Robert Habeck die zweite Stufe im Notfallplan Gas ausgerufen. Das lässt die Angst vor horrenden Energiepreisen im Winter wachsen – und drängt viele Wohnungseigentümer dazu, sich nach Alternativen zur Gasheizung umzuschauen.

„Die Nachfrage nach Brennholz steigt gerade brutal“, sagt Klaus Deibel von der Waldbesitzervereinigung in Weilheim. Fünf bis zehn Mal am Tag klingelt bei ihm das Telefon, immer wegen der einen Frage: Wo bekomme ich Brennholz für den Winter her?

Brennholz-Markt ist „ausgeräumt“: Waldbesitzer in Weilheim-Schongau können Nachfrage nicht decken

Deibel kann den Anrufern in der Regel wenig weiterhelfen. „Der Markt ist ausgeräumt“, sagt er. Das Brennholz der 111 Weilheimer Waldbesitzer, die zur Vereinigung gehören, reiche schlichtweg nicht aus, um die Nachfrage zu decken. Immerhin kann der Brennstoff nicht von jetzt auf gleich nachproduziert werden: Holz muss nach dem Schlagen ein bis zwei Jahre trocknen, bis es als Brennstoff verkauft werden kann. Und vor zwei Jahren konnte freilich niemand damit rechnen, dass der Rohstoff jetzt so gefragt sein würde.

Hinzu kommt, dass die Wälder in der Region Weilheim-Schongau kaum unter Käferbefall oder Sturmschäden leiden. „Daher haben wir allgemein weniger Brennholz als anderswo“, sagt Jürgen von der Goltz. Er ist für die Waldbesitzervereinigung Schongau zuständig und bestätigt, wie sein Weilheimer Kollege, dass die Nachfrage nach Brennholz die Verfügbarkeit in der Region weit übersteige.

Enorme Preissteigerung bei Buchen- und Fichtenholz – Experte hat Tipp für Brennholz-Suchende

Freilich wirkt sich das auf den Preis aus. Für einen Raummeter ofenfertiges Buchenholz hätten die Waldbesitzer bisher zwischen 95 und 115 Euro verlangt, sagt von der Goltz. Mittlerweile liege der Preis bei 120 bis 150 Euro pro Ster. Das günstigere Fichtenholz koste inzwischen 80 bis 95 Euro – im Vergleich zu 60 bis 65 Euro vor der Energiekrise.

Wie Deibel sagt, müsse man andernorts sogar noch heftigere Preissteigerung beim Brennholz verkraften: „In München haben wir schon Preise jenseits der 200 Euro.“ Er rät denjenigen, die sich mit Brennholz für den Winter eindecken wollen, bei Forst- und Landwirten im Ort nachzufragen oder die Augen nach Inseraten in der Zeitung offen zu halten. „Das ist der Tipp, den ich allen geben kann.“

Auch Kaminöfen-Händler überrannt: „Dieses Jahr bekommen wir nichts mehr“

Dass viele Menschen von der Gas- zur Holzheizung wechseln wollen, bekommen nicht nur die Waldbesitzer zu spüren. Auch die Kaminöfen-Hersteller müssen auf den plötzlichen Boom reagieren. „Das ist schon nicht mehr lustig“, findet eine Mitarbeiterin des Peitinger Kaminöfen-Händlers Eisenschmid, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Sie sagt, die Hersteller seien alle derart ausgelastet, dass sie frühestens wieder im kommenden Frühjahr liefern können. „Dieses Jahr bekommen wir eigentlich nichts mehr.“

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Das frustriere nicht nur die Kunden, auch für den Laden sei es nicht einfach. „Wir hoffen einfach, dass wir die Preise der Auftragsbestätigungen halten können, bis die Öfen geliefert sind“, so die Mitarbeiterin. Garantieren könne sie das nicht. Allein im vergangenen Jahr habe Eisenschmid vier Preissteigerungen mitgemacht.

Auch der Kachelofen- und Kaminbauer Tobias Schulze aus Wessobrunn muss täglich Interessenten vertrösten. „Auf dem Markt gibt’s keinen Ofen mehr“, sagt er. Die Lieferzeiten betragen im Moment etwa ein halbes Jahr. Und auch die Preise seien extrem angestiegen: Zwischen 40 und 50 Prozent. Schulze geht davon aus, dass die Lage auf dem Markt erst einmal so angespannt bleibt. „Bessern wird es sich nicht.“

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