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Fällt Brennholz als wirtschaftliches Standbein weg? Waldbesitzer in Sorge wegen EU-Plänen

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Von: Josef Ametsbichler

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Ofenfertig: Die Erzeugung von Brennholz ist eines der wirtschaftlichen Standbeine der Waldbauern.
Ofenfertig: Die Erzeugung von Brennholz ist eines der wirtschaftlichen Standbeine der Waldbauern. © Christin Klose/dpa

Bei den Waldbauern geht die Sorge vor einem verkappten Brennholz-Verbot um. Anlass dafür bieten die laufenden Verhandlungen in EU-Kreisen.

Landkreis – Der Preis für Scheitholz schraubte sich vergangenen Herbst in ungekannte Höhen. Ofensetzer landauf, landab wurden dem Kundenansturm nicht mehr Herr. Doch bei den Waldbauern geht die Sorge vor einem verkappten Brennholz-Verbot um – durch die EU. Anlass dafür bieten die laufenden Verhandlungen zu RED III, der überarbeiteten Erneuerbare-Energien-Richtlinie.

Waldbauern fürchten, dass ihnen ein wirtschaftliches Standbein weggezogen wird

Zwischenzeitlich hatte es danach ausgesehen, als würde die EU dem Holz als Brennstoff das Prädikat „erneuerbar“ ganz entziehen – Waldschwund und Feinstaub lauteten argumentative Stichwörter. Im Fokus dabei eher die Förderfähigkeit größerer Heizanlagen als der heimische Kachelofen. Davon rückte das EU-Parlament in Straßburg im September 2022 wieder ab. „Waldbauern können aufatmen“, twitterte sogleich die Europaabgeordnete Angelika Niebler (CSU) aus Vaterstetten.

Werner Fauth, Chef der Waldbesitzervereinigung im Landkreis Ebersberg.
Werner Fauth, Chef der Waldbesitzervereinigung im Landkreis Ebersberg. © Artist SRO

Doch für Werner Fauth, den Vorsitzenden der Waldbesitzervereinigung (WBV) im Kreis Ebersberg, ist es für Entwarnung zu früh. Heuer wird weiterverhandelt – und derzeit auf dem Tisch ist eine Regulierung und Mengenbeschränkung beim Verheizen von sogenanntem Primärholz. Also jenem, das nicht ohnehin bei der Holzverarbeitung abfällt, sondern direkt aus der Waldarbeit stammt, deshalb auch Durchforstungsholz genannt. Klingt kompliziert, heißt für Fauth aber schlicht, dass mit der Brennholz-Erzeugung eins der wirtschaftlichen Standbeine der Waldbauern in Gefahr ist. Und wo man ein Bein wegzieht, wackelt gern der ganze Tisch.

Zukunftsbäume brauchen Platz zum Wachsen

„Der Waldbesitzer hat das Ganze im Auge“, sagt der Waldbesitzer-Vorstand. Damit meint Fauth, dass zur Aufzucht von hochwertigem Bauholz aus dicken Stämmen auch gehört, die Stangerl dazwischen herauszuschneiden, um den sogenannten Zukunftsbäumen Platz zum Wachsen zu geben. „Sonst haben wir viele dünne Bäume und nie eine langlebige Holzproduktion.“ Und bevor Holz im Wald verfaule, sei es sinnvoll, es thermisch zu verwerten, statt auf Gas und Atomkraft zu setzen.

Der WBV-Chef bricht eine – mutmaßlich hölzerne – Lanze für den Wirtschaftswald. „Der ist ein Musterbeispiel für naturnahe Kulturlandschaft“, sagt Fauth der EZ. Statt den Waldbauern regulatorische Knüppel zwischen die Beine zu werfen, gehöre der klimagerechte Waldumbau gefördert. „Wir brauchen eine Pflegeoffensive!“, fordert der WBV-Mann. „Da brauchen wir Brüssel!“

Forstwirte im Landkreis pflegen 14.000 Hektar Wald

Die Forstwirte im Landkreis Ebersberg pflegen seiner Rechnung nach rund 14.000 Hektar Wald. Und zum Stichwort Schwund betont er mit Blick auf Deutschland: „Die Wälder bei uns schrumpfen nicht!“ Sie bildeten vielmehr ein nachhaltiges System ohne illegalen Raubbau, dessen Erträge im Land blieben. Fauth geht im Mittel von einem Selbstversorgungsgrad von über 80 Prozent beim Nadelholz aus, heißt: Heimische Zimmerer könnten vorwiegend auf heimisches Holz zurückgreifen. „Das Geld bleibt bei uns und fließt nicht in ein korruptes System.“

Scharfe Kritik am Holz als nachhaltigem Energieträger übt das internationale Bündnis „Forest Defenders“, dem sich mehr als 100 Nicht-Regierungsorganisationen angeschlossen haben, darunter nach eigenen Angaben die deutschen Arme von Greenpeace und Transparency International. Sie fordern, dem Öko-Status der Holzverbrennung und den damit verbundenen Subventionen den Garaus zu machen – Anlass ist auch der zuletzt stark wachsende Holzhunger auf dem Energiesektor.

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Die Sorge gilt vor allem schrumpfenden Wäldern in Osteuropa und Skandinavien, wie eine im November 2022 veröffentlichte Studie des Bündnisses ausführt – Holz, das dort und anderswo oft in großen Kraftwerken verheizt werde. Demnach ist auch die Biomasse-Bilanz Deutschlands unter Druck, wobei sich Produktion und Verbrauch derzeit einigermaßen die Waage halten. Mit Blick auf die Regulierungspläne der EU wünscht sich WBV-Chef Fauth: „Werft uns nicht alle in einen Topf!“

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