Briefmarken bringen Geretsrieder für fast vier Jahre hinter Gitter

Wolfratshausen/Geretsried - Weil er Briefmarken im Wert von fast einer halben Million Euro bestellte, aber nicht bezahlte, muss ein 37-jähriger Geretsrieder für drei Jahre und acht Monate ins Gefängnis.

Zehn Mal orderte der Angeklagte allein im März 2006 große Mengen Postwertzeichen bei der Deutschen Philatelie in Weiden. Dort wurde er als Großkunde geführt, er machte nach Auskunft eines Postbeamten „sehr gute Umsätze“ - zirka drei Millionen Euro innerhalb eines Jahres. Bei der für solche „Premiumkunden“ zuständigen Beamtin hatte sich der Angeklagte als Betreiber eines „Lettershops“ ausgegeben. Bei diesen, auf den Versand von Massenbriefsendungen spezialisierten Unternehmen, seien solche Größenordnungen nicht ungewöhnlich, versicherte die Beamtin. Nach einer Bonitätsprüfung durfte der Geretsrieder nahezu ohne Limit bestellen. Tatsächlich betrieb der 37-Jährige damals in Wolfratshausen aber keinen Lettershop, sondern einen „Versandhandel für Briefmarken und Telefonkarten“. Er habe die Postwertzeichen nicht selbst verwendet, sondern an Abnehmer in ganz Deutschland weiterverkauft, erklärte er. Das Geld habe er jeweils bar kassiert und bei einer Münchner Bank-Filiale eingezahlt. Bis zum März 2006 ging alles gut. Dann legte der Beschuldigte plötzlich gegen jede weitere Abbuchung seines Lieferanten Widerspruch ein und ließ das Geld jeweils zurückbuchen. „Ich weiß es nicht mehr“, antwortete er auf die Frage, warum er das getan habe. Auch zum Verbleib des Geldes wusste der Angeklagte nur mit Schulterzucken zu reagieren.

Er habe er seinen Kunden bis zu acht Prozent Preisnachlass eingeräumt, weil ihm von der Philatelie ebenfalls je nach Abnahmemenge zwei bis zehn Prozent Rabatt in Aussicht gestellt worden sei. „Es gibt bei uns definitiv keine Rabatte“, betonte jedoch die als Zeugin erschienene Postbeamtin. „Das einer bei uns Marken kauft und dann billiger weiterverkauft - das Geschäftsmodell würde ich nicht verstehen.“

„So blauäugig kann man nicht sein, Rabatte weiterzugeben, die man selbst nicht bekommt. Wir glauben, dass Sie uns hier nicht mit der Wahrheit bedienen. Was Sie erzählen, ist blanker Unsinn“, sagte der Vorsitzende Richter Helmut Berger in seiner Urteilsbegründung. „Das ist klassischer Stoßbetrug.“ Mit dem Strafmaß blieb das Gericht etwas unter der Forderung von Staatsanwältin Bianca Buttermilch. Sie hatte vier Jahre Haft gefordert - die höchste Strafe, die ein Amtsgericht verhängen darf. (rs)

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