Klage durch alle Instanzen

Internet tot: Brucker erstreitet Sensationsurteil

Leonhard Bals

Fürstenfeldbruck - Sein Internet war tot, doch der Anbieter schaltete auf stur: Das ließ sich der Fürstenfeldbrucker Leonhard Bals (76) nicht gefallen. Er klagte sich durch alle Instanzen und gewann.

Internet gehört zur Lebensgrundlage, ist so wichtig wie Wohnen, und wenn es nicht funktioniert, gibt's nicht nur Ersatz der Mehrauslagen sondern auch Schadenersatz für die entfallene Nutzungsmöglichkeit, entschied der Bundesgerichtshof. Bis es soweit war, hat Leonhard Bals telefoniert und telefoniert, wurde hingehalten, an andere verwiesen, zurückgestellt und nicht zurückgerufen. „Die haben das Ganze so elend lang herausgezögert, weil sie sich dachten, vielleicht stirbt der zwischenzeitlich."

Aber Bals gab nicht auf. Damit, dass der Provider 1 & 1 die Sache nicht gütlich außergerichtlich geregelt hat, hat er sich und seiner ganzen Zunft ein dickes Ei gelegt. Denn jetzt ist eine Klagewelle zu erwarten von vielen anderen Betroffenen, deren Internet- und Telefon trotz vertraglicher Zusage nicht funktioniert.

2008 hatte Bals von der Telekom zum Provider Freenet wechseln wollen, der später von 1 & 1 übernommen wurde. Aber nichts funktionierte, weil Freenet eine Vertragsänderung falsch programmierte. „Zwei Monate ohne Anschluss, da wächst die Wut, vor allem, wenn man mich dann auch noch sitzenlässt." Er telefonierte mit Callcentern in ganz Deutschland und lernte, „jeder der Mitarbeiter verspricht einem alles, aber in der Realität passiert nichts". So eine Hinhaltetaktik lässt sich Bals nicht gefallen.

Wecker, Festnetz, CD: 10 Dinge, die vom Aussterben bedroht sind

Wecker, Festnetz, CD: 10 Dinge, die vom Aussterben bedroht sind

Freenet habe einen Fehler gemacht, den aber abgestritten. "Und ich hätte noch dazu für einen nicht vorhandenen Telefon- und Internetanschluss bezahlen sollen."

Bals freut sich, dass der Olchinger Rechtsanwalt Matthias Zachmann (36) für ihn seinen Internet-Ärger bis vor das oberste Zivilgericht Deutschlands gebracht hat. „Ich hatte zuvor zwei andere Kanzleien damit beschäftigt, aber denen war die Sache wohl zu aufwändig und zu wenig lukrativ", sagt Bals. 457 Euro hat der Brucker als Ersatz seiner konkret entstandenen Schäden - er musste sich ein Handy besorgen - bereits zugesprochen bekommen.

Vor dem Landgericht Coburg geht es jetzt noch um die konkrete Höhe des Schadenersatzes für den Nutzungsausfall von Telefon und Internet. Bals will 50 Euro pro Tag, der Bundesgerichtshof hat den Streitwert auf 3600 Euro festgesetzt.

Susanne Sasse

Die lustigsten Facebook-Pannen der Welt

Die lustigsten Facebook-Pannen der Welt

Auch interessant

Meistgelesen

Einbrecher fräsen sich in Elektromarkt
Einbrecher fräsen sich in Elektromarkt
Flugzeugteil auf Weide gestürzt - das sagt der Landwirt
Flugzeugteil auf Weide gestürzt - das sagt der Landwirt
Freund beim Sexspiel mit Kreissäge getötet - Urteil
Freund beim Sexspiel mit Kreissäge getötet - Urteil
Flugzeugteil kracht auf Feld - wie konnte das passieren?
Flugzeugteil kracht auf Feld - wie konnte das passieren?

Kommentare