Brüderpaar war auf Weltreise

Gröbenzeller von Terroristen entführt

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Auf der kolumbianischen Website semana.com werden die entführten Rentner gezeigt.

München - Uwe B. aus Gröbenzell und sein Bruder sind eigentlich auf Weltreise. Doch in Kolumbien geraten sie in die Hände einer linken Terrorgruppe. Die Angehörigen bangen um die beiden Geiseln.

Die Welt erkunden, so viele Länder wie möglich sehen: Das war immer der Traum von Uwe B. (69) aus Gröbenzell und seinem Bruder Günther (72). Vor gut 18 Monaten erfüllten sie sich ihren Wunsch: Sie kauften einen Geländewagen und fuhren los. Nun bangen Freunde und Angehörige um das Brüderpaar. Denn: In Kolumbien wurden die zwei von der „Nationalen Befreiungsarmee“ (einer linken Terrorgruppe) entführt. Das Auswärtige Amt arbeitet auf Hochtouren, um die Männer frei zu bekommen.

Wie erst jetzt bekannt wurde, sind die zwei Rentner schon seit zwei Wochen in der Hand der Geiselnehmer. Der Migrationsdienst des kolumbianischen Außenministeriums teilte mit, dass die beiden mit Touristenvisa ins Land gereist seien, die am 28. Januar ausliefen. Nach einer Tour über Australien und Neuseeland  waren der Gröbenzeller und sein Bruder nun in Südamerika unterwegs. Warum sich die Terroristen ausgerechnet die harmlosen Rentner in ihrem Landcruiser geschnappt haben? Weil sie glauben, dass es sich um „Spione“ handelt. Kolumbiens Staatschef Juan Manuel Santos forderte gestern die unverzügliche Freilassung. „Wem könnte es einfallen, dass zwei Deutsche hier in Kolumbien spionieren? Das ist nur eine Ausrede, die niemand mit klarem Verstand akzeptiert“, erklärte Santos. Die Sicherheitskräfte wüssten genau, wo die zwei Entführten gefangen gehalten werden. „Wir bieten ihnen an, das Rote Kreuz hinzuschicken, da wir nicht das Leben der Entführten mit einer Militäraktion aufs Spiel setzen wollen.“

Auf ein gutes Ende hoffen natürlich auch die Familien der Gefangenen: „Das Auswärtige Amt tut alles. Nun wünschen wir uns, dass die zwei bald wieder gesund zu Hause sind“, sagte ein Angehöriger von Günther B. der tz. B. wohnt in Höchst in Hessen und plante von dort aus die Mega-Reise (siehe unten) mit seinem Bruder. Auch in Gröbenzell sind Freunde von Uwe B. geschockt über die Entführung: „Jetzt geht es nur darum, dass die zwei wieder frei kommen.“ In Kolumbien selbst sind die zwei Deutschen derzeit das Thema in allen Zeitungen: Gestern wurde bekannt, dass nun auch Kirchenvertreter zwischen den Linken und der Staatsbehörde vermitteln wollen. Können Sie vielleicht die Terroristen überreden, die harmlosen Weltenbummler freizulassen? Fakt ist: Die „Befreiungsarmee“ hat noch nicht einmal irgendwelche Forderungen gestellt. „Ihnen geht es nur um die Aufmerksamkeit, die sie durch diese widerliche Tat erzielen“, schimpften Kolumbiens Politiker. Dieses Ziel haben sie erreicht...

Einmal rund um die Welt

Zwei Männer, es sind Brüder, sitzen auf Campingstühlen hinter ihrem Landcruiser Diesel und essen zu Mittag. Die beiden unterhalten sich mit Einheimischen, lachen. „De donde eres?“ Woher kommst du?, wird Uwe B. gefragt. „Munchen - grande cerveza.“ Der Mann aus Gröbenzell deutet mit den Händen einen Masskrug an. Alle lachen. Diese Szene ist keinen Monat alt. Aufgenommen von einem Lokalsender in Kolumbien, dort also, wo die Brüder sich jetzt in den Händen der linksgerichteten ELN-Rebellen befinden.

Weit waren sie bis hierhin gekommen, seit ihrer Abfahrt aus Deutschland. 25 Länder, ohne GPS, nur mit Landkarte.  Über die Türkei gelangten sie in gefährliche Länder wie Irak und den Iran. Ihre weitere Reise führte sie unter anderem nach China, Thailand, Indonesien, Australien, und Neuseeland. Von dort ging’s weiter nach Südamerika. Zunächst durchquerten sie Chile und Argentinien, weiter ging’s dann nach Peru und Ecuador. In Kolumbien reisen sie seit Oktober umher; ein Land, so sagten sie den Einheimischen, „das uns fasziniert“. Uwe und Günther -  sie haben halt richtig Lust auf Land und Leute. Nächster Stopp wäre Venezuela. Dafür müssen sie aber frei kommen ….

Stichwort ELN

Die Ejército de Liberación Nacional (ELN), also übersetzt Nationale Befreiungsarmee, ist eine marxistische, kolumbianische Guerillatruppe mit 2000 Kämpfern. Sie orientierte sich bei der Gründung in den 1960-er Jahren an den Theorien Che Guevaras. Insbesondere an der Auswirkung des lokal begrenzten Aufstandes. 1973 erlitt die Guerilla eine brutale militärische Niederlage und wurde fast völlig zerschlagen. An die 200 Guerilleros kamen ums Leben. Die Truppe organisierte sich neu, brachte Landstriche zwischen Karibikküste, venezolanischer Grenze und nördlichen Kordilleren unter ihre Kontrolle. 2006 begannen Friedensgespräche mit der Regierung. Diese dauern bislang an.

Armin Geier

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