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Mitarbeiter entlassen

Tierquälerei im Schlachthof Fürstenfeldbruck

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Ein Mitarbeiter malträtiert ein Rind mit einer Zange, um es weiter zu treiben.

Nach den schweren Vorwürfen des Vereins Soko Tierschutz stellt der Brucker Schlachthof bis auf weiteres alle Schlachtungen ein. Ein Mitarbeiter wurde entlassen.

Fürstenfeldbruck - „Nach eingehender Prüfung gehen wir davon aus, dass die Filmaufnahme der Soko-Tierschutz in unserem Betrieb angefertigt wurden“, heißt es in einer Erklärung vom Freitagnachmittag. „Wie die Aufnahmen angefertigt wurden, darüber liegen uns keine Erkenntnisse vor.“ Es sei aber davon auszugehen, dass die Aufnahmen illegal erstellt worden seien.

„Wir bedauern die Verfehlung einzelner Mitarbeiter außerordentlich“, heißt es in der Erklärung. „Diese sind in keinster Weise zu rechtfertigen.“ Weiter heißt es: „Derzeit ist es uns noch nicht möglich, belastbare Erklärungen für das inakzeptable Fehlverhalten abzugeben.“

Nach eingehender Prüfung der Vorwürfe habe man sich zu folgenden Sofortmaßnahmen entschlossen: 

1. Ab sofort werden im Schlachthof Fürstenfeldbruck keine Schlachtungen mehr durchgeführt. Die Zeit soll genutzt werden, eine eingehende Schwachstellenanalyse mit Hilfe externer Experten und dem Veterinäramt durchzuführen. Wann der Betrieb wieder aufgenommen werden kann, hänge von dem Ergebnis der Untersuchungen und den erforderlichen Maßnahmen ab. „im hinblick auf die uns beliefernden Landwirte und unsere Kunden sind wir aber bestrebt, den Betrieb nach vollständiger Umsetzung der Maßnahmen zeitnah wieder aufzunehmen.

2. Der verantwortliche Mitarbeiter wurde freigestellt.

3. In Zukunft werde auf alle Fälle ein zusätzlicher Tierarzt die Anlieferung, Aufstallung, die Betäubung und Entblutung kontinuierlich überwachen und dokumentieren. Die Mitarbeiter sollen im Hinblick darauf intensiv geschult werden. Es sollen verpflichtende Arbeitsanweisungen erstellt werden. 

Schlachthof-Geschäftsleiter Max Keil zeigte sich am Freitag immer noch sprachlos und entsetzt. Er sprach von einer „brutalen Geschichte“, aber auch davon, dass hier etwas inszeniert wurde, um dem Schlachthof zu schaden. Keil: „Die wollten uns treffen und haben uns getroffen.“ 

Er fragt sich, wes Geistes Kind der Mensch war, der das alles in Bewegung gesetzt hat. Keil: „Es ist bedrückend. Wir sind noch nicht auf Normaldenkweise.“  Am schlimmsten sei die Szene, in der eine Kuh mit einer Zange malträtiert wird. Wie es in der Erklärung des Schlachthofs auch heißt, lägen weiterhin keine Erkenntnisse darüber vor, wie die Aufnahmen angefertigt wurden. Es sei aber davon auszugehen, dass die Aufnahmen illegal erstellt worden seien. 

Das sagt die Soko

Ein Sprecher des Vereins „Soko Tierschutz“, der das Video verbreitet hatte, bezeichnete die Reaktion des Schlachthofs am Freitag als Schritt in die richtige Richtung. Nun biete sich die Möglichkeit, alles zu untersuchen. Allerdings wolle er verhindern, dass nun ein oder zwei Mitarbeiter geopfert würden, um das System als solches zu schützen. 

Liegt es am Betrieb oder an Mitarbeitern? 

Natürlich, so der Tierschützer, machten sich einzelne Personen mit Verstößen gegen den Tierschutz strafbar. Ausschlaggebend sei aber die Atmosphäre in einem Betrieb.  Die Malträtierung des Rinds sei, so schlimm sie war, ein einmaliges Ereignis gewesen. Schwerer wiege insgesamt aber, dass es so oft zu Fehlbetäubungen komme und dass der Einsatz von Elektro-Schockern Alltag gewesen sei. Landrat Thomas Karmasin begrüßte am Freitag die Reaktion des Schlachthofs, der ja einen besonderen Anspruch an sich erhebe. 

Er finde es gut, dass der Schlachthof selbst eingestehe, diesen Ansprüchen nicht gerecht geworden zu sein. Wenn Tiere unsachgemäß behandelt worden seien, dann liege das aber nicht am System, sondern am Einzelnen. „Das alles ist weniger skandalträchtig als es klingt.“ Das andere seien die schon aufgegriffenen baulichen Mängel (etwa die nicht überdachte Rampe), die ja beseitigt würden. Die Kreisbehörde werde den Fall jetzt nicht zu den Akten legen, aber auch nicht aufbauschen.

 Landratsamt will ungepixeltes Video 

Im Lauf des Freitags hatten Landratsamt und Soko Tierschutz Kontakt miteinander aufgenommen. Nach eingehender rechtlicher Prüfung hatte die Kreisbehörde sich entschlossen, auf das Angebot des Vereins einzugehen, und die unverpixelten Videos zu prüfen. Das werde nun geschehen, sagte Karmasin. Der Schlachthof selbst betont in diesem Zusammenhang erneut, dass es sein Ziel war und ist, regionale Kreisläufe zu erhalten und die Schlachtung der Tiere in Übereinstimmung mit den gesetzlichen Vorgaben so schonend wie möglich durchzuführen. Deshalb seien regelmäßig Schulungen durchgeführt worden. 

Der Betrieb sei außerdem von externen Experten und staatlichen Behörden überwacht worden. Man hoffe, ihn bald fortführen zu können. Die für nächste Woche bereits angesetzten Schlachtungen wird das Brucker Unternehmen für seine Kunden anderweitig organisieren. (st)

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