Paar schläft schon im Wohnwagen

Baldham: Was brummt in diesem Haus?

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Genervt von einem Brummen: Hilmar Franke und Kunigunde Müller sind vom Haus in einen Wohnwagen gezogen.

Vaterstetten - "Wir sind mit den Nerven am Ende“, sagt Hilmar Franke (75). Ein seltsames, nerviges Brummen und ein unerklärliches Vibrieren im Boden der gemeinsamen Wohnung in Baldham machen dem Rentner und seiner Lebensgefährtin Kunigunde Müller (67) das Leben zur Hölle.

Inzwischen flüchten sie aus ihrem Haus, so oft sie können, schlafen in einem Wohnwagen im Garten.

Franke sitzt auf dem Sofa im Wohnzimmer. Seine Hände hören nicht mehr auf zu zittern. Seine Lebensgefährtin im Sessel neben ihm ist blass, unruhig und sehr müde. Beide bemerken an sich zunehmende Konzentrationsschwächen. „Ich hatte in der einen Hand eine Bananenschale, in der anderen einen Schlüssel. Den Schlüssel habe ich weggeworfen, die Bananenschale habe ich behalten“, berichtet Franke. „Wenn das so weitergeht, dann weisen sie uns noch in die Psychiatrie ein“, befürchtet der Rentner.

Begonnen hat alles vor etwa vier Wochen. Damals hat Franke die rätselhaften Phänomene erstmals festgestellt. Es kam und verschwand, kam nach einer Pause wieder. „Wir dachten zunächst, das ist unsere Heizung. Also haben wir sie abgedreht.“ Aber das Brummen mit einem immer wieder anschwellenden und dann zurückgehenden Ton und das Vibrieren blieb. Das Phänomen trat vor allem Nachts auf und je kälter es draußen war, desto stärker wurde das unerklärliche Brummen. Dann hatte Franke die direkte Nachbarin in Verdacht. Die Eigentümerin der anderen Doppelhaushälfte hatte eine neue Gasheizung einbauen lassen. Mitten in der Nacht beobachtet Franke eine Abluftklappe, seine Lebensgefährtin informierte ihn aus dem Haus per Handy, wann das Brummen auftrat. „Man konnte sehen, dass die Heizung aus war, aber das Brummen war da. Wir haben ihr Unrecht getan.“

Dann fragten die verunsicherten Rentner bei anderen Nachbarn. Deren Haus wird mit einer Wärmepumpe geheizt. Die Nachbarn hatten Verständnis, stellten die Pumpe vorübergehend ab. Doch das Brummen blieb. Eines Nachts, als Kunigunde Müller in einem Schuppen im Garten auf einem Klappbett versuchte, Schlaf zu finden, geisterte Hilmar Franke durch sein Haus. „Ich habe alle Sicherungen rausgedreht. Vielleicht war ja irgendein Gerät oder der Kühlschrank die Ursache. Aber es änderte sich nichts.“ Klar war für ihn nur, dass auch innerhalb des Hauses das Brummen unterschiedlich stark auftrat. „Heftiger beispielsweise im Badezimmer.“ Franke stellte das Bett im Schlafzimmer auf Gummifüße, stopfte zur Dämmung eine dicke Wolldecke zwischen Bett und Wand. Aber auch das half nicht.

Hilmar Franke und Kunigunde Müller hielten es im Haus nicht mehr aus. Sie übernachteten bei Freunden, bei Bekannten, bei Nachbarn. Inzwischen haben sie von einem Bekannten den Wohnwagen ausgeliehen und in den Garten gestellt. „Das ist auf die Dauer aber auch keine Lösung“, so Franke.

Eine Nachbarin war im Haus der Senioren und hat das Vibrieren ebenso bemerkt, bestätigte sie gegenüber der Ebersberger Zeitung bestätigte. „Wir spinnen ja nicht, wir bilden uns das nicht ein“, sagt Franke. Einen Gutachter kann sich das Paar nicht leisten. Inzwischen haben die Rentner das Landratsamt eingeschaltet. Auch an die Gemeinde Vaterstetten haben sie sich gewandt. Dort fanden sie nach eigenen Angaben keine Hilfe. Die Verzweiflung der Senioren steigt. „Wir sind beide fix und fertig. Der ganze Körper ist durcheinander.“ Kunigunde Müller war beim Arzt. „Der hat nichts gefunden, hat mir ein starkes Schlafmittel verschrieben.“ Und Hilmar Franke erzählt: „Wir müssen hier raus. Wir müssten das Haus verkaufen. Aber wer nimmt das schon, nach dieser Geschichte.“

Robert Langer

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