Ariane Hauck aus Vaterstetten

Brust amputiert wie Jolie: Mein Leben nach dem Krebs

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In ihrer Praxis therapiert die Heilpraktikerin heute selbst Krebspatienten.

München - Hollywood-Star Angelina Jolie sorgte mit der Nachricht über ihre Brustamputation für DIE Nachricht des Tages. Auch Ariane Hauck aus Vaterstetten ließ diesen Eingriff vornehmen - und spricht über ihr Schicksal.

Die Diagnose traf Ariane Hauck wie ein Schlag: BRCA1, das Brustkrebs-Gen! „Ich war total neben der Spur und wusste nicht mehr, was ich tun sollte“, erinnert sich die blonde Frau an die schlimme Zeit vor zwei Jahren. Die 35-Jährige aus Vaterstetten (Landkreis Ebersberg) hatte gerade eine monatelange Chemotherapie hinter sich und dachte, der Brustkrebs wäre besiegt. Statt wieder in ihren Beruf als Krankenschwester einzusteigen, kehrte Hauck als Patientin zurück in die Klinik – und ließ sich Brüste und Eierstöcke entfernen, genau wie Hollywood-Star Angelina Jolie (tz berichtete).

Schmerzhafter Weg bis zur neuen Brust

Mit der neuen Brust ist Ariane Hauck glücklich.

„Ich hatte ja bereits einmal Krebs und wollte nicht mit der ständigen Angst leben, dass die Krankheit zurückkommt“, erklärt Hauck ihre tiefgreifende Entscheidung. Die Vorstellung, keine Brüste mehr zu haben, fiel ihr jedoch sehr schwer. „Ich habe mir entstellte Frauen mit einer riesigen Narbe auf der Brust vorgestellt“, sagt sie. Aber Traudl Baumgartner, die Vorsitzende der Selbsthilfegruppe BRCA-Netzwerk, belehrte sie eines Besseren. „Sie hat mir bei einem Treffen ihre neu aufgebauten Brüste gezeigt. Ich war total überrascht, wie natürlich sie aussahen. Von da an war mir klar, dass ich mit einer Amputation leben kann“, so die 35-Jährige. Bis zur neuen Brust war es allerdings ein schmerzhafter Weg. Denn Ariane Hauck entschied sich gegen Silicon-Implantate und für Eigenfett aus dem Gesäß. „Die Narben tun anfangs beim Sitzen und Liegen natürlich weh“, erinnert sich die Patientin. In zwei Eingriffen wurde ihr jeweils eine Brust entfernt und sofort wieder aufgebaut: „Das Gute ist, dass beim Aufwachen schon eine neue Brust da ist, in der man auch Gefühl hat. So dachte ich nie, dass mir irgendetwas fehlt.“

Auch die Eierstöcke wurden Ariane Hauck entfernt, denn das Risiko, dass dort ein Tumor wächst, war noch höher als bei den Brüsten. Ihren Kinderwunsch hat die lebensfrohe Frau trotzdem nicht an den Nagel gehängt. Sie ließ ihre Eierstöcke einfrieren. „Ich habe noch eine gesunde Gebärmutter, kann also jederzeit ein Kind austragen“, so Hauck. Inzwischen will sie die Eizellen aber lieber im Gefrierfach lassen. „In diesen Zellen ist vielleicht auch das Brustkrebs-Gen. Das will ich nicht an meine Kinder weitergeben. Aber es gibt ja die Möglichkeit der Eizellenspende.“ Auch ihre eigene Mutter hat ihr die Mutation vererbt. „Da gab es natürlich Schuldgefühle“, erzählt sie.

Brustkrebs: Diese Stars sind betroffen

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In ihrem Bekanntenkreis stießen die Eingriffe nicht nur auf Verständnis. Viele Freunde hielten sie für überflüssig. „Ich habe immer wieder gehört, dass man sich erst unters Messer legen sollte, wenn der Krebs wieder da ist. Aber dann ist es vielleicht schon zu spät“, sagt Ariane Hauck. Ihre Cousine, die auch mit dem Gen belastet ist, wählte diese Variante. Sie geht alle drei Monate zur Untersuchung. „Diese Zitterpartie könnte ich nicht ertragen“, so Hauck. Ihrem Arbeitgeber wurden die Fehlzeiten wegen Krankheit und OP-Terminen zu viel: Mitten in der schwersten Zeit ihres Lebens verlor sie ihren Job – und sah das bald als Chance. Sie eröffnete in Vaterstetten eine Praxis für Naturheilkunde. Die Ausbildung zur Heilpraktikerin hatte sie schon vorher absolviert. Viele Krebspatienten schätzen ihre Erfahrung: „Ich weiß eben, wovon ich rede.“

Für die Heilpraktikerin ist die Welt heute wieder in Ordnung. Sie lebt bewusster als früher, isst vegan, geht jeden Tag 15 Kilometer spazieren und regelmäßig in die Sauna. Dass sie dort oft von Leuten angestarrt wird, hat ihr in den ersten Monaten schwer zugesetzt. Aber auch hier wusste sie sich zu helfen. „In einem Camouflage-Schminkkurs habe ich gelernt, wie ich die Narben mit wasserfestem Make-up perfekt abdecken kann. Heute sieht in der Sauna niemand mehr, dass meine Brüste nicht echt sind“, erklärt Hauck. Von ihrem Partner erwartet sie, dass er mit der Situation umgehen kann: „Einen Mann, der mich liebt, stören ein paar Narben normal nicht.“ Davon will sie auch andere Frauen überzeugen. Inzwischen ist die Heilpraktikerin auch selbst für das BRCA-Netzwerk unterwegs.

So hilft das BRCA-Netzwerk

Das BRCA-Netzwerk hilft deutschlandweit Frauen, die mit einem erblichen Risiko für Brust- und Eierstockkrebs belastet sind. Der Verein unterstützt die Erforschung dieser Krebsarten und will über Behandlungsmöglichkeiten aufklären. In der gesamten Republik gibt es mehrere Brustkrebszentren, in denen sich Betroffene zu Gesprächskreisen treffen. Eines davon ist in München. Am 29. Juni findet ab 13 Uhr im ICM auf dem Messegelände ein Symposium zu erblich bedingten Krebserkrankungen statt. Die Teilnahme ist kostenlos. Mehr Infos dazu unter www.brca-netzwerk.de.

Der Brustaufbau

In vielen Fällen wird die Brust direkt nach der Entfernung wieder aufgebaut. Dabei gibt es zwei unterschiedliche Methoden: Silikon-Implantate lassen sich unkompliziert einsetzen. Allerdings nimmt der Organismus sie oft als Fremdkörper wahr. Die Alternative ist eine Transplantation von körpereigenem Gewebe. Die Brust wirkt dadurch gerade im Alter oft natürlicher. Frauen, die sich für diese Variante entscheiden, müssen jedoch mit Narben am Bauch oder Po leben, wo das Gewebe entnommen wurde.

Beate Winterer

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