Das Drama von Fürstenfeldbruck

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Die Unglücksstelle: An diesem Ahornbaum zerschellte der BMW. Fahrer Bünyamin K. (Foto unten) und Hüseyin Y. (18) starben

Fürstenfeldbruck - Büny und Hüseyin, beide gerade 18 Jahre alt, kamen bei dem schrecklichen Unfall am Freitagabend in Fürstenfeldbruck ums Leben. Jugendlicher Übermut war der Auslöser des tragischen Unglücks, das den Ort in Schockzustand versetzte.

Ein eigenes Auto, am allerliebsten ein BMW – das war der große Traum des Fürstenfeldbrucker Bäckerlehrlings Bünyamin „Büny“ K. (18). Als er vor drei Wochen am 15. August volljährig wurde, erfüllte ihm seine Mutter diesen Traum. Ein roter BMW 316i. Nicht mehr das neueste Modell. Aber Führerscheinneuling Büny war selig.

Büny (18) kam bei dem Unfall ums Leben.

Wie hätte die Familie auch ahnen können, dass Bünys Traum nur wenige Wochen später drei Familien und zahllose Freunde in unendliches Leid stürzen würde. Im Überschwang der Gefühle gab Büny am Freitagabend mitten in Fürstenfeldbruck Vollgas, um zwei vorausfahrende Freunde zu überholen. Es kam zu einem grauenhaften Unfall, den Büny und sein Freund Hüseyin Y. (18) nicht überlebten. Der Dritte im Auto – der 16-jährige Firat K. – überlebte schwer verletzt.

Im Vereinsheim des TSV West traf sich der aus jungen Türken und Deutschen bestehende Freundeskreis am Freitag, um gemeinsam das Fußballspiel Deutschland gegen die Türkei zu sehen. Die Niederlage der türkischen Mannschaft tat der guten Stimmung keinen Abbruch. In drei Autos brachen die Freunde gegen 22.30 Uhr in die Stadt auf.

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Die Schöngeisinger Straße um 22.34 Uhr: Büny fährt hinter seinen Freunden Dawid und Alex, die 19 beziehungsweise 18 Jahre alt sind und auch schon Autos haben. Einen BMW 316i und einen Renault Megane. Plötzlich packt Büny der Übermut. Er gibt Vollgas, mit annähernd 120 Sachen schießt der BMW in die leichte Rechtskurve – mitten in der Stadt, kurz vor einem Zebrastreifen! Mit Entsetzen sehen die Freunde das Unglück kommen – darunter auch Namensvetter Bünyamin Y. (19), dessen jüngerer Bruder Hüseyin (18) in dem Unglücks-BMW sitzt.

Da wussten sie noch nicht, dass Hüseyin (18) tot ist: Bruder Bünyamin Y. (19, li.) und Freund Marcin P.

Bünyamin: „Wir fuhren vielleicht Tempo 60 oder 70, als Bünys BMW plötzlich von hinten heranschoss. Er wollte uns überholen. Aber dann kam ihm im Gegenverkehr ein dunkler Wagen entgegen.“ Fahranfänger Büny gerät offenbar in Panik. Er bremst scharf. Der BMW gerät an den Randstein, schlingert über die Straße und schießt über den Radweg auf der rechten Seite. Die Freunde sehen, wie das Auto sich an einem Ahornbaum aufbäumt und um den Stamm wickelt. Bünyamin: „Wir sind sofort alle losgerannt.“

Auch Beifahrer Hüseyin (18) starb. 

Auf derart grauenhafte Bilder jedoch sind die Freunde nicht vorbereitet. Das zerrissene Wrack raucht, es stinkt nach verschmortem Plastik. Überall ist Blut. „Wir hatten Angst, dass das Auto brennen wird.“ Den schwer verletzten Firat können die jungen Leute durchs Heck hinausziehen. An Hüseyin kommen sie erst heran, als sie die Beifahrertür mit dem Abschleppseil aus der Verankerung reißen. Bünyamins jüngerer Bruder hat schwerste Kopferverletzungen, aber er lebt. Nur dem Unglücksfahrer ist nicht mehr zu helfen: „Büny blutete aus Mund und Nase. Ich sah ihm in die Augen. Da war kein Leben mehr“, sagte Bünyamin am Sonntag und senkt schwer betroffen von der Erinnerung den Kopf.

Binnen Minuten treffen rund 50 Freunde und Familienmitglieder an der Unglücksstelle ein, die überwältigt von Trauer zu Boden sinken und gegen die Krankenwagen trommeln. Die Staatsanwaltschaft lässt für weitere Ermittlungen auch die beiden Autos der Freunde abschleppen. Im Klinikum Großhadern kämpfen die Ärzte um das Leben der jungen Männer. Firat hat Wirbelverletzungen erlitten, deren Auswirkungen noch nicht absehbar sind. Bünyamin hat seinen jüngeren Bruder Hüseyin in der Klinik besucht, ihm lange die Hand gehalten. „Er schafft das. Er ist sehr stark“, sagte der Bruder noch am Sonntagmittag.

Kurz darauf jedoch vermeldet die Polizei, dass auch Wirtschaftsschüler Hüseyin seinen schweren Verletzungen erlegen ist. Die Unfallstelle glich am Sonntag einem Wallfahrtsort. Weinende junge Leute legten den ganzen Tag Blumen und Kerzen nieder. Trauer um zwei liebe Freunde, die nie vergessen sein werden.

Eberhard Unfried und Dorita Plange

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