3. Startbahn: Jetzt kommt's auf jede Stimme an!

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Darum geht’s am 17. Juni: die dritte Startbahn (gelb markiert) wäre vier Kilometer lang. Über ihren Nutzen streiten Gegner und Befürworter.

Flughafen - Der Bürgerentscheid um den Bau der dritten Startbahn am Flughafen Franz-Josef-Strauß elektrisiert die Münchner ähnlich stark wie die heiß diskutierte Abstimmung zum Nichtraucherschutz:

Eine Woche vor der Abstimmung am 17. Juni haben schon 99 326 Bürger (Stand Freitag 12 Uhr) Briefwahlunterlagen beantragt – und damit ähnlich viele wie beim bayernweiten Entscheid vor zwei Jahren!

Wahlleiter Peter Günther (63) geht angesichts dieser Zahl davon aus, dass das notwendige Beteiligungs-Quorum von zehn Prozent (das wären rund 104 000 Stimmen) locker erreicht wird. Günther, der seit 1984 alle Wahlen in München organisiert hat, rechnet sogar mit einer Wahlbeteiligung von bis zu 30 Prozent. Für Gegner und Befürworter heißt es nun: Jetzt zählt jede Stimme.

Dementsprechend mobilisieren beide Seiten noch einmal alle Kräfte. Nach der Erstürmung des Rathausturmes sorgten Startbahn-Gegner am Freitag erneut mit einer Kletteraktion für Aufmerksamkeit. Diesmal entrollten sie vom Siegestor Transparente. Geplant sind in den nächsten Tagen erneut Info-Stände in der ganzen Stadt.

Auch die Ausbau-Befürwörter, zu denen sich auch Alt-OB Hans-Jochen Vogel bekennt, sind unterwegs: Am Montag stellen sich beispielsweise Flughafen-Chef Dr. Michael Kerkloh, Münchens Lufthansa-Chef Thomas Klühr und IHK-Vizepräsidentin Kathrin Wickenhäuser im Kulturzentrum Trudering (ab 19 Uhr) der Diskussion.

Mit dem Wahlkampf muss sich auch die Kripo beschäftigen: Nachdem über 150 Plakatständer beschmiert oder zerstört worden waren, schaltete das Bündnis „Ja zur 3. Startbahn“ die Polizei ein. Weil nur die Stadt München (mit 26 Prozent) neben Bund und Freistaat zu den Anteilseignern des Flughafens zählt, dürfen – obwohl vom Fluglärm die Region stärker betroffen ist – nur die Münchner abstimmen. Startbahn-Anwohner sind deshalb auf die Idee gekommen, sich in der Stadt Paten zu suchen, die quasi für sie gegen den Ausbau stimmen. Und immerhin 1000 Münchner haben sich im Internet dazu schon öffentlich bereit erklärt.

Aktion gegen dritte Startbahn in München

Aktion gegen dritte Startbahn in München

Sollten die Münchner dem Ausbau des Flughafens mehrheitlich zustimmen, wäre das letzte Wort in der Sache noch nicht gesprochen. Beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof liegen noch 20 Klagen gegen das Projekt – unter anderem von der Stadt Freising. Sollte nur eine der Klagen Erfolg haben, könnte dies das komplette Bauvorhaben stoppen.

Rein rechtlich dürfte der Flughafen übrigens schon längst bauen. Die Regierung von Oberbayern gab dafür bereits im Sommer 2011 grünes Licht. Doch die Bayerische Staatsregierung folgte dem Rat der Richter und beschloss, mit dem Bau der vier Kilometer langen Piste erst zu beginnen, wenn über die Klagen entschieden ist.

WdP

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