Bürgerin in Angst

Wahlwerbung lädt Einbrecher ein

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Nicht nur Wahlprospekte, sondern auch ganz normale Werbung oder Anzeigenblätter, die aus dem Briefkasten herausragen, können ein deutliches Signal dafür sein, dass niemand zu Hause ist.

Vaterstetten – Margot Schaefer ist besorgt: Seit bei ihr eingebrochen wurde, beherzigt sie den Rat der Polizei, alles zu vermeiden, was den Anschein erwecken könnte, dass niemand zu Hause ist. Doch die Wahlwerbung macht ihr jetzt einen Strich durch die Rechnung.

Schon bei der Landratsstichwahl bediente sich der jetzt amtierende Landrat Robert Niedergesäß sogenannter Türanhänger. Das sind kleiner Flyer, die außen an den Haustüren angebracht wurden. „Spaziergänge durch die Siedlung zeigten, dass diese an etlichen Türen noch Tage später hingen“, berichtet Schaefer und empfindet dies als deutliche Einladung an ungebetene Gäste. Im aktuellen Bürgermeisterwahlkampf in Vaterstetten nun das gleiche Spiel: Diesmal fand Schaefer einen Türanhänger von CSU-Kandidatin Brigitte Littke vor und ärgert sich „über so viel Gedankenlosigkeit“.

Die Bürgermeisterkandidaten sind sich der Problematik durchaus bewusst: „Einige wenige Türanhänger habe ich an Haustüren angebracht, aber das mache ich jetzt nicht mehr“, versichert Littke. In der Regel hänge sie die Anhänger an die Innenseite des Gartentores, wo sie von der Straße aus nicht sichtbar seien, und sie achtet eigener Auskunft nach auf Anzeichen, ob die Bewohner verreist sein könnten. „Seit Beginn der Ferienzeit verwende ich die Türanhänger bei Häusern mit geschlossenen Fenstern gar nicht mehr. Und oftmals frage ich auch bei Nachbarn nach, ob die Bewohner im Urlaub sind.“

Auch SPD-Kandidatin Heike Tischler ist bei den Türanhängern nicht ganz wohl. „Mein Problem ist: Wenn ich die Leute zuhause nicht antreffe, und auf dem Briefkasten steht: „Keine Werbung“, dann frage ich mich immer, ob ich meine Prospekte trotzdem einwerfen soll oder nicht. Ist das nun Werbung oder eine wichtige Bürgerinformation?“ Der Türanhänger sei da ein Kompromiss, aber: „Ich gehe am nächsten Tag extra nochmal zu den Häusern, an denen ich Türanhänger angebracht habe. Hängen sie immer noch da, stecke ich sie in den Briefkasten.“

Solche Probleme hat Georg Reitsberger (Freie Wähler) nicht, denn er macht gar keinen Haustürwahlkampf: „Die Leute werden eh schon mit Werbung zugeschüttet“, findet er und ergänzt: „Von mir ist da nichts zu befürchten!“.

Aber nicht nur Wahlprospekte, sondern auch ganz normale Werbung oder Anzeigenblätter, die aus dem Briefkasten herausragen, können ein deutliches Signal dafür sein, dass niemand zu Hause ist. Helmut Hintereder, erster Polizeihauptkommissar und Leiter der Polizeiinspektion Poing, rät daher: „Beauftragen Sie bei Abwesenheit immer jemanden, der Ihren Briefkasten leert!“ Das Motto müsse lauten: „Wachsamer Nachbar“. Aus polizeilicher Sicht sei Wahlwerbung ebenso wie jeder andere Prospekt im Briefkasten immer besser aufgehoben als am Türknauf oder am Gartenzaun: „Das ist kein gutes Zeichen und kann schon als Einladung für Einbrecher angesehen werden“, so Hintereder.

Susanne Edelmann

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