7198 Euro: Der Luxus-Schreibtisch von Anzing

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Stolz an seinem neuen Schreibtisch: Anzings Bürgermeister Franz Finauer (Unabhängige Bürgergemeinschaft Anzing).

Anzing - Das neue Anzinger Rathaus hat einschließlich der Außenanlage 3,8 Millionen Euro gekostet. So steht’s im Gemeindeblatt. 7198 Euro netto sind da „Peanuts“. 7198 Euro für einen Schreibtisch. Den des Bürgermeisters. Die ganze Geschichte:

Ein Dienstzimmer eines Ersten Bürgermeisters Finauer (Unabhängige Bürgergemeinschaft Anzing) dient repräsentativen Zwecken. Sagt Kathrin Große, Projektleiterin und tätig für das Münchner Architektenbüro „Goergens und Miklautz.“ Deshalb, sagt Frau Große, sollte auch die Möblierung in einem solchen Zimmer „entsprechend hochwertig“ sein.

Angemessen. Wie praktisch, wenn der Hauptnutzer des Zimmers vom Fach ist, sich als ehemaliger Berufsschullehrer mit Möbelbau bestens auskennt und einen angemessenen Tisch selbst zeichnen kann. Tat Franz Finauer auch. Und zur Umsetzung des Gezeichneten stand sein Bruder Martin, Betreiber einer Anzinger Möbelschreinerei und Fachmann für edles Gehölz, gleich parat. Heraus kam ein Tisch mit Rundbogen aus Räucher-Eiche sowie einem vom Bürgermeister selbst ausgesuchten Edelstahlbogen. Ein edles Holz in dunkler Färbung, wie der Finauer Franz sagt. Bei so viel Glanz in der Bude kommt schon mal Neid auf. Und zwangsläufig mit ihm, dem Neid, die für manchen brennende Frage, was das ganze repräsentative Ensemble im ersten Rathaus-Geschoss gekostet haben könnte.

Am Dienstag gab es die Antwort: 7198 Euro netto. Plus 1536 Euro für einen zweiten Tisch im Besprechungsbereich. Auch netto. Dazu gab’s noch ein Sideboard, ebenfalls Räucher-Eiche. Und eine Garderobe – alles aus der brüderlichen Werkstatt. Da kommt schnell ein namhafter fünfstelliger Betrag zusammen.

Finauer sieht kein Problem in dieser Praxis: Dadurch, dass er als Bürgermeister seinen Bogentisch selbst geplant hat, seien sogar „Planungskosten“ entfallen. Die müsse man branchenüblich mit immerhin acht bis zehn Prozent ansetzen. Macht über den Daumen gepeilt rund 700 Euro Ersparnis – so die Rechnung des UBA-Politikers.

„Die hochwertige Ausstattung ist angemessen“, sagt Frau Große, die Projektleiterin. Schließlich habe man bei der Auswahl der anderen Möbel im neuen Rathaus auf ein gutes Preis-Leistungsverhältnis geachtet, so dass in der Summe die Möblierung der Verwaltungsräume preislich verhältnismäßig sei.

An der Möblierung der Verwaltung war der Gemeinderat übrigens nicht direkt beteiligt. Es wurde ein Gesamtpaket von 201 000 Euro geschnürt. Für alles. Inklusive Repräsentationszimmer. Apropos Repräsentieren: Auch Finauers Vorgänger, Richard Hollerith, hatte die Gemeinde bis 2008 nach außen vertreten. An einem Tisch zum Nulltarif, geschenkt aus dem nicht mehr gebrauchten Fundus der Gemeinde Feldkirchen. Das gute Stück steht jetzt bei ihm daheim. Geschenkt.

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