Klage vor Verwaltungsgericht

Mobbing? Bürgermeister kämpft um seinen Job

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Jörg Pötke will federführend bleiben: Am Eingang in den Gerichtssaal zeigt der suspendierte Bürgermeister von Taufkirchen einer Beamtin seinen Tascheninhalt.

München - Dieser Mann spaltet Taufkirchen. Ist Dr. Jörg Pötke einer, der einen Saustall in der Verwaltung aufräumte? Oder hat der Bürgermeister das Rathaus in eine Mobbing-Hölle verwandelt?

Der Freistaat will den 66-Jährigen aus dem Amt jagen, die Zahl der gegen ihn erhobenen Vorwürfe ist groß. Jetzt kämpft Pötke vor dem Verwaltungsgericht München wortgewaltig gegen seine Dienstenthebung. Das Interesse der Taufkirchener ist so groß, dass sich der Sitzungssaal 7 als viel zu klein erwies.

Zum Entsetzen der etablierten Parteien hatte der Zahnarzt 2008 mit der „Initiative lebenswertes Taufkirchen“ den Sprung ins Rathaus der 17 800-Einwohner Gemeinde geschafft. Bei der Verwaltung habe ein Schlendrian geherrscht, so Pötke: „Schritt für Schritt habe ich einen Missstand nach dem anderen abgestellt.“

Darüber redete er gerne in Interviews. Und das wird ihm nun zum Vorwurf gemacht. „Sie erweckten den Eindruck, die Verwaltung sei voller Halbkrimineller“, sagt Oberlandesanwältin Karin Siller. Pötke kontert: „Vieles war richtig kriminell.“ Die Richterin fährt ihm in die Parade: „Es geht nicht darum, ob die Vorwürfe wahr sind. Es geht darum, dass Sie die Verwaltung diffamieren.“ Pötke gelassen: „Ich habe niemanden diffamiert, ich habe Fakten mitgeteilt.“

Pötke hat Leute sogar gefeuert – was offenbar gar nicht in seiner Macht stand. Siller: „Hier hätte der Gemeinderat entscheiden müssen.“

In anderen Fällen wirft ihm die Landesanwältin eine Verletzung der Fürsorgepflicht gegenüber Mitarbeitern vor – auf Neudeutsch: Mobbing. Einer Beamtin ging es so schlecht, dass sie monatelang nicht arbeiten konnte. Hier gibt Pötke zu, „nicht ganz unschuldig“ daran zu sein.

Sein rüder Umgangston mit Worten wie „Hampelmann“ und „Affentheater“ tut ihm heute Leid: „Dazu habe ich mich hinreißen lassen.“

Am 5. Oktober verurteilte das Münchner Amtsgericht Jörg Pötke wegen Steuerhinterziehung zu zehn Monaten Haft auf Bewährung.

Nun reichte es der Aufsichtsbehörde: Pötke wurde des Dienstes enthoben, sein Gehalt von 5000 auf 2500 Euro monatlich gekürzt. Jetzt kommt der Hammer: Die 17 000 Euro Anwaltskosten wollte Pötke von der Gemeinde kassieren! Er selbst zeichnete die Rechnung als „sachlich richtig“ ab.

Ein Urteil lag bis Redaktionsschluss noch nicht vor.

Eberhard Unfried

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