Täter schlägt gezielt an bestimmten Tagen zu

Bürgermeistergrab dreimal verwüstet: Im Dorf gibt es einen schlimmen Verdacht

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Hermine Reitmayr vor ihrem Familiengrab, das dreimal verwüstet wurde.

Drei Mal hat ein Unbekannter die Ruhestätte des früheren 2. Bürgermeisters Hermann Reitmayr verwüstet – immer in der Nacht vor hohen kirchlichen Feiertagen. Im Dorf ist man sich über eine Sache sicher.

Germerswang – Seit Generationen ist das Grab auf dem kleinen Friedhof an der Kirche St. Michael im Besitz der Familie Reitmayr. Die Urgroßeltern, der Großvater und seit zehn Jahren auch der Vater von Hermine Reitmayr sind dort begraben. Für die 47-Jährige ist es ein wichtiger Ort zum Innehalten und Gedenken. Liebevoll pflegt sie zusammen mit ihrer Mutter die Ruhestätte. Doch seit etwas mehr als einem Jahr kommt die Beamtin stets mit einem komischen Gefühl auf den Friedhof.

Die herausgerissenen Pflanzen hat der Friedhofs-Vandale stets korrekt im Kompost entsorgt

Begonnen hat alles an Allerheiligen 2016. In der Nacht vor dem Feiertag hat ein Unbekannter zum ersten Mal das Grab verwüstet. Erika sowie Tag- und Nachtschatten, die Hermine Reitmayr L-förmig auf dem Grab angepflanzt hatte, waren herausgerissen. Der nächste Schock dann am 1. Weihnachtsfeiertag 2016. Wieder hatte der Grabschänder zugeschlagen – diesmal in der Heiligen Nacht. Dann war über ein Jahr Ruhe. Doch als Hermine Reitmayr an Heilig-Drei-König am vergangenen Wochenende zum Friedhof kam, war die Ruhestätte wieder verwüstet. Die 47-Jährige kann es nicht fassen. Ihr fehlen die Worte. „Wer macht denn so etwas?“, fragt sie sich. „Das ist so was von geschmacklos.“

Eines ist für die Beamtin und den Rest des Dorfes klar: Der Täter will, dass sein „Werk“ schnell zur Kenntnis genommen wird. Deshalb schlage er stets vor hohen kirchlichen Feiertagen zu, an denen Kirche und Friedhof gut besucht sind. Und der Täter muss sich auf dem Friedhof auskennen. Die Pflanzen, die er herausgerissen hat, wurden nämlich vorschriftsmäßig im Kompost des Friedhofs entsorgt. Und der liegt versteckt hinter einem großen Baum.

„Unterste Schublade“

Warum aber ausgerechnet immer das Familiengrab der Reitmayrs angegangen wird, darauf kann sich Hermine Reitmayr keinen Reim machen. Dass es mit dem politischen Wirken ihres Vaters zusammenhängt – er war ab 1966 Mitglied des Gemeinderats und von 1990 bis 2002 Vize-Bürgermeister der Gemeinde Maisach – kann sie sich nicht vorstellen. Die „Rache“ käme auch ein wenig spät – schließlich ist Hermann Reitmayr bereits 2008 gestorben.

Ähnlich sieht das auch Maisachs Bürgermeister Hans Seidl. „Er hat gute Arbeit geleistet“, sagt der Rathauschef über Hermann Reitmayr. Die Attacken auf das Grab bezeichnet der CSU-Politiker als „unterste Schublade“. Seine Hoffnung: Ist das Thema erst einmal öffentlich, wird der Täter hoffentlich abgeschreckt.

Darauf will man sich im Pfarrverband Maisacher Land, zu dem die Pfarrei gehört, nicht verlassen. „Es heißt doch ,Ruhe in Frieden’“ sagt Pfarrer Terance Palliparambil. Doch die Totenruhe werde massiv gestört. In seiner 19-jährigen Tätigkeit als Priester habe er so etwas noch nicht erlebt. Der Seelsorger will das Thema in einem Gottesdienst zur Sprache bringen und die Gläubigen direkt ansprechen. „Vielleicht ist derjenige ja unter ihnen.“ Rein säkular will die für Maisach zuständige Olchinger Polizei den Fall lösen. Auf die Hilfe der Gläubigen sind die Ermittler aber trotzdem angewiesen. Der Grabschänder müsse auf frischer Tat ertappt werden, erklärt Vize-Inspektionsleiter Hartwig Lang. „Wir hoffen deshalb auf aufmerksame Bürger.“

Wer Hinweise hat soll sich bei der Polizei in Olching unter Telefon (0 81 42) 29 30 melden.

Tobias Gehre

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