Ständiges Stop an Go

Gefährliches Bus-Chaos an Kreuzung - aber MVV lehnt Anliegen der Feldkirchner ab

+
Richtungswechsel: Feldkirchen will eine Umkehr der Einbahnstraßenregelung an der Bahnhof- und Sonnenstraße prüfen. 

Eine andere Route gibt‘s nicht  für die Busse 234 und 285 in Feldkirchen - trotz Lärm, Verkehrschaos und vibrierender Scheiben. Aber es gibt eine andere Lösung.

Feldkirchen – Wieder ist die Gemeinde Feldkirchen gescheitert: MVV und der Landkreis haben ihren Wunsch nach einer Änderung der Strecken für die Buslinien 234 und 285 zum Bahnhof erneut abgelehnt. 

Der Grund: „Ein Probebetrieb ist dem MVV zu aufwändig, eine Verlegung der Haltestellen zu teuer und eine Umstellung erst zum nächsten Fahrplanwechsel in mehreren Jahren möglich“, erläuterte Tom Seufert vom Büro Obermeyer Planen + Beraten dem Gemeinderat den Hintergrund. Ratsmitglied Michael Burger (SPD) konnte es nicht fassen: „Die führen in ihrem Ablehnungsschreiben Busse, Lkws, Haltestellen oder den Aufwand an – aber kein einziges Wort über betroffene Anwohner, Fußgänger und Radler. Das ist sehr enttäuschend.“

Gefahr für Fußgänger, Schulkinder und Radfahrer

Der Hintergrund von Feldkirchens Anliegen: Die Gemeinde möchte, dass die Busse die Kreuzung an der Emeran-/Sonnenstraße meiden. Dort kommt es regelmäßig zum Busstau, immer wieder fahren die Busse über den Gehsteig und gefährden Fußgänger, Schulkinder und Radfahrer erheblich.

Anfang 2016 führte der MVV eine Einbahnstraßenregelung ein, um dieses Problem zu lösen. Zum Bahnhof geht es durch die Sonnenstraße, am Bahnhofvorplatz steigen die Fahrgäste aus und ein, dann drehen die Busse und fahren durch die Bahnhofstraße zurück in Richtung Riem, Haar oder Aschheim.

Start der Boykott-Aktion „Fahr‘ scheinfrei“: So heftig reagiert die MVG (merkur.de)

Anwohner sammelten Unterschriften

Die Anwohner sammelten gegen diese Variante Unterschriften. Ihre Kritik: Es gäbe Tageszeiten, da kämen sie kaum in ihre Hauseinfahrten vor lauter Verkehr (merkur.de berichtete). Weil in der Emeranstraße beidseitig geparkt werden darf, müssen alle Busse, Lkw und Autos vom Rathaus bis zur Sonnenstraße immer wieder anhalten, einscheren und Gegenverkehr vorbeilassen. Ein ständiges Stop and Go.

Die Ampelschaltung an der Ecke Emeran-/Sonnenstraße fördert das Problem. „Die Ampel wechselt zwischen 6 und 20 Uhr ständig zwischen Rot und Grün, egal ob Fußgänger über die Straße wollen oder Fahrzeuge kommen“, erläuterte Planer Seufert. Durch das Anfahren schwerer Busse und Laster an der grünen Ampel wackeln die Fensterscheiben der Häuser drumherum. Besonders schlimm sei es in Messezeiten, sagte Anwohnerin Sabine Warm.

Pendler-Report für München und Region: Hier sind wir im „roten Bereich“ (merkur.de)

Mehrfach bat die Gemeinde den MVV und das Landratsamt daher, den Verkehr statt durch die Emeranstraße durch die Hohenlindner Straße bis zur Sonnenstraße zu führen – oder zumindest die Ampelschaltung zu ändern. Im August 2017 teilte Seufert den Gemeinderäten mit, dass letzteres nicht möglich sei, weil sie technisch zu alt wäre.

Veränderte Ampelschaltung plötzlich doch machbar

Plötzlich ist dies nun aber doch machbar: Eine Anfrage bei Ampelbauer Siemens habe jetzt ergeben, dass die Anlage sehr wohl innerhalb von vier Wochen und für lediglich 5000 Euro umprogrammiert werden könnte. Das soll nun geschehen. „Wir lassen die Ampel für die Emeranstraße aus, damit der Bus nicht ständig abbremsen und beschleunigen muss. Die Ampel für Fußgänger zeigt dauerhaft Rot“ und kann im Bedarfsfall per Knopfdruck aktiviert werden, erläuterte Seufert.

Die Gemeinderäte zeigten sich mit dieser Lösung zufrieden – und überrascht, dass die Umstellung nun doch möglich ist. Christian Wilhelm (SPD) unterstützt diese Idee, „aber nur, wenn es auch Poller gibt, die verhindern, dass die Busse weiterhin über den Gehweg fahren können“. Thomas Zimmermann (UWV) glaubt nicht an eine Entschärfung der Situation für Fußgänger, Radler und Anwohner allein durch eine neue Ampelschaltung. Er stellte daher den Antrag: „Umkehr der Einbahnstraßenregelungen.“ Und auch Franz Golibrzuch (UWV) versteht nicht, „warum das Landratsamt die gefährliche Kreuzung beibehalten möchte“.

Bürgermeister Werner van der Weck (SPD) und Seufert warnten vor einer Umkehr der Einbahnregelung. Sie halten die Idee für gefährlich, weil dann die Busse vor dem Bahnhof kreuzen müssten. Dennoch wurde Zimmermanns Antrag, diese Idee detailliert zu prüfen und simulieren, mit 15:5 Stimmen angenommen – und die neue Ampelschaltung mit 18:2 Stimmen beschlossen.

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Spaziergänger bemerkt Verwesungsgeruch - Polizei rückt an und macht Schock-Fund
Spaziergänger bemerkt Verwesungsgeruch - Polizei rückt an und macht Schock-Fund
Rettungsaktion endet tragisch: Zwei Tote in Pullinger Weiher - neue Details zu Opfern
Rettungsaktion endet tragisch: Zwei Tote in Pullinger Weiher - neue Details zu Opfern
Raseralarm! Autorennen mitten in Garmisch-Partenkirchen endet schrecklich
Raseralarm! Autorennen mitten in Garmisch-Partenkirchen endet schrecklich
Versuchte Vergewaltigung in Dachau: Aufmerksamer Zeuge führt Polizei zu mutmaßlichem Täter
Versuchte Vergewaltigung in Dachau: Aufmerksamer Zeuge führt Polizei zu mutmaßlichem Täter

Kommentare