Mutter empört

Busfahrerin ändert Route: Schüler müssen heimlaufen

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Drei Kilometer zu Fuß unterwegs war Isabell (r.), die Tochter von Lydia Rücker-Mannhardt.

Ein Lkw blockierte den Weg - deshalb setzte eine Busfahrerin vier Schüler und eine ältere Frau kurzerhand vor die Bustür. Eine Mutter ist nun wütend, doch auch die Fahrerin hat sich zu Wort gemeldet.

Wolfratshausen – Jeden Tag fährt Isabell Rücker-Mannhardt mit dem RVO-Bus 373 von der Schule in Wolfratshausen nach Degerndorf (Gemeinde Münsing). Um 16.02 Uhr steigt die Zwölfjährige ein, gute 15 Minuten später ist sie zu Hause.

Nicht so am 16. Januar: An diesem Tag endete die Fahrt kurz vor dem Ortsausgang Münsing. Weil ein liegen gebliebener Lkw im Weg war, ließ die Busfahrerin Isabell, drei andere Schulkinder sowie eine ältere Frau auf offener Strecke aussteigen und die gut drei Kilometer nach Degerndorf laufen. Sie selbst setzte ihre Fahrt auf einer anderen Straße fort. So hat Isabell den Vorfall gegenüber ihrer Mama geschildert.

Lydia Rücker-Mannhardt ist empört: „Das ist verantwortungslos. Es hat schon gedämmert, die Straße ist nicht beleuchtet, außerdem lag zu dieser Zeit noch ordentlich Schnee.“ Normalerweise taucht ihre Tochter gegen 16.30 Uhr daheim auf. Wenn es mal ein paar Minuten später wird, macht sich ihre Mutter noch keine Sorgen. „Aber als es 17 Uhr wurde und Isabell immer noch nicht da war, wurde es mir schon ein bisschen komisch zumute.“

Fahrerin entschuldigt sich

Ausgerechnet an dem Tag hatte die Tochter kein Handy dabei. Umso größer war die Freude, als Isabell endlich an der Tür klingelte. „Sie war völlig aufgeregt und ganz durcheinander“, erinnert sich die Mutter. Am Tag danach, als die Familie beim Frühstück saß, sagte Isabell: „Mama, jetzt habe ich Angst, Bus zu fahren.“ Diese Angst hat sich inzwischen gelegt, sagt die Mutter. Verärgert ist sie dennoch – vor allem, weil das Busunternehmen auf ihre Beschwerde hin der Sache nachgehen wollte. „Ich habe aber drei Wochen lang nichts gehört.“ Ähnlich erging es Frank Schwesig, Leiter der Mittelschule, wo Isabell die fünfte Klasse besucht. Auch er hatte um Aufklärung gebeten – bislang vergeblich. Was aus ihren Beschwerden geworden ist, lässt sich nur schwer klären. Fest steht: Im Großen und Ganzen hat sich das Geschehen so zugetragen. Das bestätigt Johann Kunz, der im Tölzer Landratsamt für den Fachbereich ÖPNV zuständig ist und sich für RVO und MVV um diesen Vorfall kümmert. „Die Fahrerin bittet ihr Fehlverhalten zu entschuldigen“, teilt Kunz mit. Sie lege aber Wert darauf, dass sie niemanden aus dem Bus geschmissen habe. Vielmehr hätte die alte Dame von sich aus gesagt, dass sie zu Fuß gehen wolle. Nachdem die Fahrerin – laut Kunz eine sehr höfliche und kundenfreundliche Mitarbeiterin – ihr die Tür geöffnet hätte, seien auch die Jugendlichen ausgestiegen.

Genau das dürfe natürlich nicht passieren. „Unsere Fahrer dürfen niemals Fahrgäste an nicht genehmigten Haltestellen aussteigen lassen, selbst wenn es deren ausdrücklicher Wunsch ist“, so Kunz. „Darauf haben wir die Fahrerin hingewiesen.“ Sie hätte die Passagiere an der nächsten regulären Haltestelle aussteigen lassen müssen.

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