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Bußgeld für Landwirt wegen Kuhfladen: Vorfall schlägt hohe Wellen - „Glaube, dass das ein Eigentor war“

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Von: Katrin Kleinschmidt

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Kühe sehen Verbraucher und Politiker am liebsten auf der Weide. Da müssen die Tiere aber im Zweifelsfall erst einmal hinkommen. (Symbolbild) © picture alliance / Oliver Berg/dpa | Oliver Berg

Der Bußgeldbescheid, den ein Landwirt in Pähl wegen Kuh-Kots erhalten hat, schlägt Wellen. Gemeinderäte und Bauernverband beobachten das Geschehen mit Sorge.

Pähl – Der Bußgeldbescheid, den Landwirt Georg Schweiger erhalten hat, wird von vielen diskutiert. Dass der Pähler 128,50 Euro zahlen soll, weil seine Kühe Kot auf Straßen im Dorf hinterlassen hatten, hat Schlagzeilen gemacht. Medien in ganz Deutschland griffen den Bericht der Heimatzeitung auf. Auch in Pähl selbst wird diskutiert.

So sprach Helmut Mayr den Kuh-Kot-Streit am Donnerstag im Gemeinderat an. „Ich glaube, dass das ein Eigentor war“, sagte Mayr über den Bußgeldbescheid. Einerseits werde von Verbrauchern gefordert, dass die Kühe auf die Weide gebracht werden müssten, andererseits bestrafe man einen Landwirt, der dieser Forderung nachkomme. Dass beim Austreiben die Straße verschmutzt werde, sei unvermeidlich, befand er.

Wegen Kuhfladen auf der Straße: Bürgermeister verteidigt Strafe gegen Landwirt

Bürgermeister Werner Grünbauer, dessen Verwaltung den Bescheid ausgestellt hatte, sagte, dass er handeln musste, da die Anzeige vom Landratsamt an die Gemeinde weitergeleitet worden sei. Er dürfe in seiner Funktion als Bürgermeister den Fall nicht ignorieren. Mayr und andere Gemeinderäte sehen die Gefahr, dass die Anzeige andere Bürger motivieren könnte, gegen weitere Eigenheiten des dörflichen Lebens – wie das Krähen von Hähnen oder das Läuten von Kirchenglocken – vorzugehen.

Auch außerhalb Pähls blickt mancher mit Sorge auf den Vorgang. Wie Wolfgang Scholz, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands im Landkreis. Er kenne die genaue Situation vor Ort nicht, „aber grundsätzlich finde ich es schlimm, dass sowas passiert. Ich sehe nicht ein, dass eine jahrhundertealte Tradition weichen muss“.

Strafe für Kuhfladen: Bauernverband sieht Gefahr für kleine Betriebe

Er stimmt Landwirt Schweiger zu, der in dem Bußgeld eine Gefahr für andere Bauern sieht. Denn diejenigen, die mit ihren Kühen regelmäßig durch die Dörfer gehen, seien zumeist Landwirte mit kleinen Betrieben, die nicht den Luxus einer im Außenbereich gelegenen Hofstelle oder eines großen Laufstalls hätten.

Wenn diese nicht mehr austreiben könnten, würde ihnen die Möglichkeit genommen, ihre Landwirtschaft fortzuführen. Es gehe ohnehin in die Richtung, dass immer mehr kleine Landwirtschaften verschwinden, sagt Scholz, „diese Entwicklung muss man nicht noch beschleunigen“.

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Er wirbt daher um Verständnis, wenn Kuh-Kot mal liegen bleibt. „So kleine Betriebe sind oft personell nicht gut aufgestellt.“ Austreiben und sofort wegputzen, „geht oft nicht“. Eine Lösung für das Problem könnte es sein, Warnhinweise aufzustellen, die auf den Viehaustrieb hinweisen. Dann könnten sich die Verkehrsteilnehmer darauf einstellen. Denn ungefährlich ist der dünnflüssige Kot beispielsweise für Rad- und Motorradfahrer nicht, sie können darauf ausrutschen. Ob die Schilder aufgestellt werden dürfen, sollten Landwirte aber vorab mit der Gemeinde klären.

Kuhfladen auf der Straße: „Früher war das mal ganz normal“

Wie Scholz beschreibt, betreffe das ohnehin nur noch wenige Bauern. Die wenigstens laufen noch mit ihren Tieren durchs Dorf. „Früher war das mal ganz normal“, sagt Scholz. Er hat seinen Hof in Sachsenried. Vor 30 Jahren habe es dort noch acht, neun Bauern gegeben, die ausgetrieben hätten. Auch er selbst. 1997 hörte Scholz damit auf. Wie die meisten anderen auch. Nur ein Landwirt ist im Ort noch regelmäßig mit seinen Kühen unterwegs. „Ich sehe das gern.“

Andere anscheinend auch, denn Konflikte wegen Kuh-Kots gebe es im Landkreis kaum, sagt der Kreisobmann. Er hofft, dass der Fall in Pähl eine Ausnahme bleibt. Zumal es von Verbrauchern, der Wirtschaft und der Politik ja auch gefordert werde, dass Rinder auf die Weide gehen. Ganzjährige Anbindehaltung „wird gar nicht mehr toleriert“, sagt Scholz. Dann müsse man den Bauern – auch den kleinen – die Möglichkeit geben, ihre Kühe zu saftigen Wiesen zu bringen.

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