Ärger im Vorzelt-Paradies

Camper sauer auf die Gemeinde Seeshaupt

Galgenfrist: Die Camper müssen das Gelände in Seeshaupt bis Ende März räumen.

Seeshaupt - Seeshaupts Dauercamper sind verärgert: Der Bürgermeister Michael Bernwieser erklärte ihnen überraschend, dass die knapp 60 Mietverträge nicht verlängert würden.

In den letzten Jahren verwilderte der Zeltplatz am Ufer des Starnberger Sees zunehmend, vor allem aber nahm das unkontrollierte Kommen und Gehen auf den frei verfügbaren Stellplätzen überhand. Die Schuld daran gibt die Gemeinde der Noch-Pächterin, ihr Vertrag läuft deswegen zum 31. März 2015 aus.

Auch die Dauercamper wissen, dass auf dem Gelände einiges im Argen liegt, aber mit einer solchen „Tabula rasa-Aktion“ hatten sie nicht gerechnet. Wer je eine solche Anlage gesehen hat, der weiß, wie viel Herzblut, Arbeit und nicht zuletzt Geld die Leute in ihr Fleckchen Erde investieren: Mit – nicht immer ganz vorschriftsmäßigen – Gärtchen, Hecken, Terrassen und wetterfesten Vorbauten schufen sie sich rund um die „Urzelle“, den Wohnwagen, ein zweites Zuhause. Im Lauf der Jahre ist hier eine eingeschworene Gemeinschaft entstanden. Einer der Dauercamper, Gerhard Frühwald aus Nürnberg erzählt, dass einige ihre Parzellen seit der Eröffnung 1983 gemietet haben.

Beim Info-Treffen kämpfen manche mit den Tränen

Dementsprechend emotional verlief ein Treffen im Gemeindesaal, manche der gut 80 Betroffenen kämpften mit den Tränen. Bürgermeister Bernwieser und die versammelten Gemeinderäten erlebten, wie sehr die Menschen an ihrem Standplatz hängen; ganz abgesehen davon, dass die sich nicht imstande sehen, in der kurzen Zeitspanne ihr Hab und Gut abzubauen und zwischenzulagern. Bernwieser sicherte ihnen zu, dass sie bei der Neuvergabe nach der Wiedereröffnung bevorzugt behandelt würden und auch – wenn es machbar sei – einen kostenlosen Lagerplatz für den Wohnwagen im Bereich der jetzigen Zeltplätze für Touristen bekämen.

Das zwei Hektar große Gelände hat die Gemeinde in den 1980-er Jahren erworben und zu einem Vorzeige-Zeltplatz ausgebaut. Das soll es nach der Sanierung und mit einem neuen Pächter wieder werden. Den hat man mit dem erfahrenen Matthäus Lederer schon gefunden. Bei einer Besichtigung habe er „uns Laien vom Gemeinderat zum ersten Mal die Augen geöffnet, was man aus unserem Zeltplatz alles machen könnte“, so Bürgermeister Bernwieser. Daraufhin, so Bernwieser weiter, habe man im September einen Fachplaner kommen lassen und feststellen müssen, dass der Aufwand für Sanierung, Modernisierung und Brandschutz-Auflagen weitaus höher und teurer als gedacht ist – und in einer Saison nur machbar, wenn der Bereich der „Dauercamper“ komplett leer ist.

Renate von Fraunberg

auch interessant

Meistgelesen

Dutzende Pendler sauer: Zugführer fährt ohne Fahrgäste los
Dutzende Pendler sauer: Zugführer fährt ohne Fahrgäste los
Ein Streich der Extraklasse: Sie bauten das Schneeauto - Video
Ein Streich der Extraklasse: Sie bauten das Schneeauto - Video
Spektakuläres Feuerwerk in Wolfratshausen: Rührender Grund
Spektakuläres Feuerwerk in Wolfratshausen: Rührender Grund
Heißer Kohleofen unbeaufsichtigt: Wohnmobil wird Raub der Flammen
Heißer Kohleofen unbeaufsichtigt: Wohnmobil wird Raub der Flammen

Kommentare