Familie Piller aus Unterschleißheim 

Chaos am Münchner Flughafen brachte diese Familie um drei Wochen Brasilien-Urlaub 

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Statt Traumurlaub in Brasilien: Uli Piller und seine Frau Odette sitzen mit Sohn Korbinian in Lissabon fest.

Nach der Sicherheitspanne am Münchner Flughafen machen sich die Nachwirkungen auch fünf Tage später bemerkbar. Zum Beispiel bei einer Familie aus Unterschleißheim. Für Uli und Odette Piller ist der Brasilien-Urlaub ausgefallen.

Unterschleißheim – Drei Wochen in drei brasilianischen Städten. Das war der Reiseplan von Familie Piller, als sie am vergangenen Sonntag mit gepackten Koffern voller Vorfreude zum Flughafen fuhr. Doch der Urlaub ist ins Wasser gefallen, schuld ist die vermeintlich kleinen Panne am Flughafen München: Eine 40-jährige Frau hatte am Samstagmorgen unabsichtlich das Chaos ausgelöst, als sie im Terminal 2 unkontrolliert in den Sicherheitsbereich geschlüpft und verschwunden war. Als der Fehler auffiel, wurden zwei Abfertigungshallen geräumt und ein Terminal über Stunden gesperrt. Mehr als 300 Flüge wurden gestrichen. 30 000 Passagiere waren betroffen. 20 000 Koffer gingen vorübergehend verloren. Darunter das Gepäck der Pillers.

Uli (39) und Odette Piller (34) hatten mit Sohn Korbinian (4) für Sonntagabend einen Flug nach Lissabon gebucht. Von dort wollten sie am Dienstag weiter in die brasilianische Hafenstadt Recife fliegen. Nach dem chaotischen Wochenende am Münchner Flughafen suchte TAP Air Portugal – die größte portugiesische Fluggesellschaft – dann aber für Passagiere, die wegen der Panne hängen geblieben waren, Flugplätze nach Lissabon.

Flughafen-Chaos in München: „Wir wussten ja nicht, dass wir uns ins Unglück stürzen“

„Wir wurden gefragt, ob wir freiwillig erst am Montag fliegen würden“, erzählt Uli Piller. „Wir dachten, da sitzen so viele Passagiere in der Wartezone, wir helfen Leuten, die es eilig haben, nach Portugal zu kommen und bessern gleichzeitig mit der Entschädigung unsere Urlaubskasse auf.“ Die Pillers entschieden sich, den Zwischenstopp in Lissabon auf einen Tag zu verkürzen und die angebotene Entschädigung von 400 Euro pro Person anzunehmen. Sie fuhren nach Unterschleißheim zurück. Die Bordkarten für den Flug am Montag hatten sie erhalten.

„Wir wussten ja nicht, dass wir uns damit selbst ins Unglück stürzen.“ Auf die Frage, was mit dem Gepäck passieren würde, hatte Piller die Zusage erhalten, es würde umgeladen und käme am Montag mit nach Lissabon.

„Kam es aber nicht“, sagt Piller. „Seit Montag telefonieren wir uns in Lissabon die Finger wund. Niemand konnte uns in München sagen, wo überhaupt unsere Koffer sind.“ Am Abend erfuhr er, dass die Koffer verloren seien, falls sie die Reise, wie geplant, fortsetzen würden. Ein TAP-Angestellter wurde deutlich: „Wenn wir nur zwei Tage in Recife blieben und dann nach Rio flögen, sehe er keine Chance, dass das Gepäck ankommt.“

Nach dem Chaos in München: Keine Koffer - keine Reise

Drei Wochen unterwegs sein, ohne Kleider, ohne Wechselschuhe und Spielsachen? Das konnten sich die Pillers nicht vorstellen. Die Idee, ein paar T-Shirts und Hosen neu zu kaufen, verwarfen sie: „Mit zwei Plastiktüten und einem vierjährigen Kind eine Rundreise antreten? Das ging nicht ohne die ganzen Kindersachen.“

Am Dienstag stornierte er die Flüge. „Der lang ersehnten Urlaub in Brasilien ist ausgefallen.“ Die Pillers bleiben auf mehreren Hundert Euro Hotel- und Flugkosten sitzen. „Wir hoffen, dass uns TAP Portugal wenigstens die 3000 Euro für die Flüge nach Brasilien ersetzt.“

Flughafenchef Michael Kerkloh hatte in den vergangenen Tagen Vorwürfe zurückgewiesen, dass Passagiere schlecht informiert worden seien. Er sagte, die Situation sei unübersichtlich gewesen, die Lufthansa habe eine grandiose Leistung gezeigt. Uli Piller ist wütend über das Krisenmanagement. Frustriert wartet er mit Frau und Sohn in Lissabon weiter auf die Koffer. Die drei Unterschleißheimer ziehen von Unterkunft zu Unterkunft, weil in der Hochsaison Übernachtungen schwer zu bekommen sind: „Der Urlaub ist im Eimer, Korbinian ist traurig, wir sind verärgert und bleiben erst einmal in Protugal, vorerst ganz ohne Gepäck.“

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