Nur der Hofknicks bereitet noch Sorgen

Die Royals kommen: So bereitet sich Glonner Ökobetrieb auf Besuch von Charles und Camilla vor

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Begrüßt heute „Your Royal Highness“: Sophie Schweisfurth von den Herrmannsdorfer Landwerkstätten.

Die Herrmannsdorfer Landwerkstätten in Glonn (Kreis Ebersberg) bekommen an diesem Freitag royalen Besuch. Prinz Charles und Lady Camilla schauen bei dem Ökobetrieb vorbei. Die Stippvisite hatte einen immensen Vorlauf.

Glonn - An Auswahl fehlte es dem königlichen Landwirt Prinz Charles eigentlich nicht: Mit rund 9900 Ökobetrieben nimmt Bayern bundesweit den Spitzenplatz ein. Aber er hat die Landwerkstätten in Glonn ausgesucht. Im Detail kennt Sophie Schweisfurth (32), Enkelin von Betriebsgründer Karl Ludwig Schweisfurth, die Hintergründe nicht, doch sie ahnt etwas. Seit 2018 leitet sie Herrmannsdorf als Geschäftsführerin. „2013 lernte mein Großvater bei einem Englandbesuch Prinz Charles auf dessen Duchy Home Farm kennen. Die beiden führten gute Gespräche - Prinz Charles ist seit 34 Jahren Biobauer, mein Großvater seit 32 Jahren“, sagt sie.

Lesen Sie dazu: Karl Ludwig Schweisfurth ist tot. Der Gründer der Herrmannsdorfer Landwerkstätten ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Sein Einsatz für Nachhaltigkeit und Tierwohl war bedeutend.

Der Kontakt hielt über die letzten Jahre an. „Im Februar dieses Jahres buchte überraschend ein Team des Britischen Konsulates einen Event in unserer Handwerkstatt, die Teilnehmer stellten mit großer Begeisterung Brezen und Weißwürste selbst her.“ Kurz danach kamen dann Mitarbeiter des Londoner Königshauses vorbei, die den Betrieb für einen möglichen Besuch des Prinzen prüften. „Auch der britische Konsul war mehrfach hier. Sieben bis acht Mal gab es noch Tests und Sicherheitsbegehungen, fest vereinbart wurde der Besuch vor zwei bis drei Wochen.“

Hoher Besuch in München: Prinz Charles und seine Camilla sind derzeit in Bayern unterwegs.

Charles und Camilla sollen selbst Brezen backen

Sophie Schweisfurth nimmt einen Schlüsselbund vom Haken, klappert damit, wirkt jetzt etwas aufgeregter. „Die Hoheiten werden selbst Brezen backen in der Ostscheune unseres Hofes, ich zeige Ihnen den Raum.“ Sie quert den Hof, mit ihren roten Haaren, den grünen Augen und den Sommersprossen könnte sie Britin sein. Auch ihr Englisch ist first class, die Betriebswirtin studierte European Business in Oxford. Im Anschluss lernte sie alle Herrmannsdorfer Abteilungen während eines Praktikums kennen.

Sie sperrt die Tür zur Handwerkstatt auf. Eine offene Küche, schwere Holztische, rustikale Stühle, ein Backofen, rund 70 Besucher finden hier Platz zum Kochen und Backen. Herzklopfen habe sie nicht, sagt die 32-Jährige, „eher war Freude in meinem Herzen, das hält bis heute an“. Sie wird ernster: „Auf den fachlichen Austausch mit Prinz Charles freue ich mich sehr, ich glaube, er ist auf der selben Wellenlänge wie wir hier in Herrmannsdorf.“

Alltag bei den Landwerkstätten: Schwäbisch-Hällische Schweine werden auf die nahe gelegene Weide getrieben.

Hofknicks wird mit Youtube-Videos eingeübt

Der Hofknicks ist das Einzige, was der jungen Frau noch ein bisschen Sorge bereitet. Sie will demonstrieren, wie so ein Knicks funktioniert. Knickt die Beine leicht ein, beugt sich nach vorne - und lacht schallend. „Oh nein, das war jetzt wie beim Ballett.“ Sie werde es sich noch mal auf Youtube anschauen. Es gab bereits ein Briefing für alle, die Kontakt mit den Hoheiten haben. „Auch der Prinz erhält ein Briefing, mir wurde mitgeteilt, er nimmt das sehr genau.“ Ihren Besuch aus England wird Sophie mit dem Titel „Your Royal Highness ansprechen.

Freitag, früher Morgen in Herrmannsdorf. Läuft alles nach Plan, fährt Prinz Charles an diesem Freitagvormittag im Innenhof ein, vorbei am Hofladen, an den Hofständen und der Käserei in Richtung Felder. Den britischen Ökobauern interessiert vor allem der Ackerbau. Wird es ein Fußmarsch in die Ländereien, stehen die königlichen Gummistiefel schon bereit. Lady Camilla wird etwas später erwartet. Zusammen mit Sophie Schweisfurth, Ehemann Mathias Stinglwagner, Tochter Maja und Kindern des Herrmannsdorfer Betriebskindergartens will die Herzogin in der Handwerk-statt Brezen backen und verkosten.

Gastgeber rechnen mit 4000 Schaulustigen

Der Bereich des Hofes, in dem sich Prinz Charles und Camilla bewegen, ist für die Öffentlichkeit gesperrt. Für die Sicherheit der Gäste aus England sorgen Polizeieinsatzkräfte aus Ebersberg und München - und Scotland Yard. 4000 Schaulustige werden erwartet.

Hubert Stadler wartet darauf, dass Prinz Charles in letzter Minute vom Protokoll abweicht und auch die Rohmilch-Käserei besichtigt. „Der Prinz ist ja manchmal sehr spontan“, hofft der Käsemeister.

Hofft auf Abstecher von Charles: Käsermeister Hubert Stadler.

In unserem News-Ticker begleiten wir den Deutschland-Besuch von Prinz Charles und seiner Frau Camilla ausführlich. Auch zur Geburt des ersten Kindes von Prinz Harry uns seiner Frau Meghan bieten wie einen News-Ticker an. Meghan und die Queen sollen sich lautstark um Schmuckstücke gestritten haben.

Susann Niedermaier

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