Ist Löschschaum vom Flughafen der Grund?

Chemie-Alarm im Stoibermühlsee

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Der Stoibermühlsee im Kreis Freising ist bei kleinen und großen Wasserratten sehr beliebt.

Freising - Mehrere bayerische Gewässer und ihre Bewohner sind mit Industriechemikalien verseucht. Das geht aus einer Studie des Fraunhofer-Instituts hervor. Auch ein See im Kreis Freising ist betroffen:

Der Stoibermühlsee ist ein beliebtes Naherholungsgebiet. Nördlich des Flughafens München gelegen, wenige Kilometer vom Freisinger Stadtrand entfernt, zieht er nicht nur Familien an. Warmes Wasser, ein flacher Einstieg, riesige Liegewiesen - ein kleines Paradies. Auch für Angler: Viele Arten sind in einem guten Bestand im See zuhause.

Das könnte sich jetzt ändern: Im Stoibermühlsee haben vom Bayerischen Rundfunk beauftragte Untersuchungen - ebenso wie im Lindacher See, nördlich des Flughafens Manching bei Ingolstadt - erhöhte Werte für Perfluoroctansulfonat PFOS nachgewiesen.

Badevergnügen gibt es aber trotz Tensiden: Der Stoibermühl-Weiher muss  nicht gesperrt werden. Analytiker Martin Schlummer vom Fraunhofer-Institut für Verpackungstechnik (IVV) in Freising, der die Unterschungen am Stoibermühl-Weiher leitete, gibt Entwarnung: „Die ermittelten Stoffe wären nur in hohen Dosierungen konsumiert für den Menschen gesundheitsschädlich“.

Eines sei trotzdem klar: Das „Perfluoroctansulfat“ (PFOS), das zur PFT-Gruppe gehört und in den Stoibermühl-Wasserproben sowie einem dort abgefischten Karpfen festgestellt wurde, „liegt über den zulässigen Grenzwerten des Tensids“. So wurde der für Wasser vorgeschriebene Wert von 0,3 Mykrogramm pro Liter „deutlich überschritten“: Er lag bei 1,0. Im Karpfen, der in Zusammenarbeit mit dem Kreisfischereiverein aus der Stoibermühle geholt worden war, lag der Wert im Fleisch statt erlaubten 20 Mikrogramm pro Gramm Fleisch bei bis zu 22 Mikrogramm. In der Leber des Fischs wurde gar eine Konzentration von 200 Mykrogramm ermittelt.

Das aber sei erklärbar, weil in diesem Organ ja die Schadstoffe eingelagert und dann abgebaut werden. Schlummer relativiert: „Man müsste täglich zwei Liter Wasser aus dem Badesee und 300 Gramm Stoibermühl-Fisch essen, wolle man sich ernsthaft gesundheitlich schädigen“. Trotzdem: „Es geht jetzt darum, dass schnellstmöglich die Quelle für die Verunreinigung ermittelt wird.“

Zu den Tensiden:

Bisher waren in Bayern drei Gewässer mit deutlich erhöhten PFT-Werten bekannt: die Alz bei Gendorf im Landkreis Altötting, mehrere Fischweiher nahe der Bayernoil-Raffinerie bei Neustadt im Landkreis Kelheim und das Grundwasser am Nürnberger Flughafen.

Wie in Nürnberg und Neustadt könnte die Belastung auch in den neu entdeckten Fällen durch den Einsatz PFT-haltiger Löschschäume verursacht worden sein, die über das Grundwasser womöglich in die Seen gelangt sind.

Die fett- und wasserabweisenden Stoffe reichern sich im menschlichen Körper an. Einige Stoffe aus der Gruppe der PFT stehen im Verdacht Krebs zu erregen und beeinflussen unter anderem den Fettstoffwechsel.

Perfluoroctansulfonat, kurz: PFOS darf inzwischen zwar nicht mehr in Feuerlöschschäumen verwendet werden, hält sich aber extrem lang in der Umwelt.

mm

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