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Böses Erwachen beim Zirkus-Besuch in München: Tölzer beklagt schlechte Erfahrungen mit Viagogo

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Von: Andreas Steppan

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Manegenzauber: Ein Tölzer wollte seiner Familie unbeschwerte Stunden im Circus Krone in München bescheren. Am Ende stand aber der Ärger, dass er teures Geld für billige Plätze bezahlt hatte.
Manegenzauber: Ein Tölzer wollte seiner Familie unbeschwerte Stunden im Circus Krone in München bescheren. Am Ende stand aber der Ärger, dass er teures Geld für billige Plätze bezahlt hatte. © Dpa/Archiv

Eine Familie aus Tölz wollte auf schönen Sitzplätzen vergnügliche Stunden beim Circus Krone erleben. Doch dann kam alles ganz anders. Die Plattform Viagogo weist jede Schuld von sich. Auch der Circus Krone warnt vor dieser Ticketbörse.

Bad Tölz – Er wollte seinen Enkelkindern eine Freude machen. Als Weihnachtsgeschenk erstand der Tölzer Horst Egenberger fünf Eintrittskarten für den Circus Krone in München. Im Nachhinein bleibt allerdings ein bitterer Nachgeschmack. Der 87-Jährige beklagt, dass er nicht die Karten bekommen habe, die er wollte – beziehungsweise für das, was er bekam, deutlich zu viel bezahlt habe. Egenberger spricht von einer „Masche“, auf die er „hereingefallen“ sei. Eingekauft hat er beim Ticket-Zwischenhändler Viagogo. Über ihn gebe es „immer wieder Beschwerden“, sagt Tatjana Halm, Referatsleiterin Recht und Digitales bei der Verbraucherzentrale Bayern. Rechtlich beizukommen sei dem Unternehmen aber kaum.

Gegenüber dem Tölzer Kurier schildert Egenberger seinen Fall: „Ich hatte im November 2022 übers Internet fünf zusammenhängende Tickets für den Circus Krone als Weihnachtsgeschenk auf den Namen meiner Familie gebucht.“ Von der Internetseite des Circus Krone sei er über einen Link direkt beim Anbieter Viagogo „gelandet“.

Zirkus-Tickets über Viagogo gekauft: Familienmitglieder saßen einzeln verstreut

Dort bestellte Egenberger nach seiner Darstellung „gute Plätze in der Nähe der Manege“ zu je 44 Euro. Tatsächlich erhielt er bald darauf per E-Mail Eintrittskarten – „aber nicht die, die ich bestellt habe, sondern die billigsten, die der Circus Krone anzubieten hat“, beklagt er. „Die Plätze waren unnummeriert und lagen im hinteren Teil. So musste meine Familie einzeln verstreut ihre Plätze suchen. Das war natürlich nicht im Sinne des Erfinders.“ Wie auf den Eintrittskarten nachzulesen war, hatten diese einen Wert von lediglich 19 Euro. Insgesamt hatte Egenberger also 220 Euro für Karten bezahlt, die nur 95 Euro wert waren. Egenberger fühlte sich hinters Licht geführt und wandte sich an die Polizei. Die Beamten hätten ihm gegenüber aber von einem „grauen Markt“ gesprochen, „den man kaum unterbinden kann“.

Rechtsanwältin: Viagogo keine offizielle Verkaufsstelle sondern nur Ticketbörse

Dazu muss man wissen: „Bei Viagogo handelt es sich um eine Ticketbörse, nicht um eine offizielle Verkaufsstelle“, wie Rechtsanwältin Halm klarstellt. „Das heißt, hier verkaufen andere, die die Karten vorher schon erworben hatten, ihre Karten weiter.“ Daher könne es auch dazu kommen, „dass der Preis höher ist als von offizieller Seite“.

Bis hierher geht das Unternehmen selbst d’accord: „Viagogo ist ein regulierter Marktplatz, der Ticketkäufer und -verkäufer weltweit verbindet“, erklärt ein Viagogo-Pressesprecher. Die Plattform stelle sicher, „dass sich Verbraucher nicht an den Schwarzmarkt oder unregulierte Social-Media-Plattformen wenden müssen“. Viagogo kaufe oder verkaufe keine Tickets und lege folglich auch nicht die Preise für die über die Plattform angebotenen Tickets fest. „Wie auf der Viagogo-Webseite dargestellt, werden die Preise von den Verkäufern festgelegt und können höher oder niedriger sein als der ursprünglich für das Ticket bezahlte Preis.“

„Viagogo ist nicht transparent genug“

Tatjana Halm hat dennoch einige Kritikpunkte an Viagogo: „Eigentlich ist die Plattform inzwischen dazu angehalten, für die Anzeige des Originalpreises zu sorgen“, sagt sie. „Dies wird aber unseres Erachtens auf Viagogo nicht transparent genug gemacht.“

Dass man andere Karten bekomme als bestellt, liege oft daran, „dass die eigentlich gekauften Karten dann doch nicht zur Verfügung standen“, so Halm. „Hier beruft sich Viagogo auf eine Garantie, laut der sie nach ihrem Ermessen auch andere Tickets liefern kann.“ Das Ganze bewege sich „sehr in einer Grauzone“, meint die Juristin. „Für den Käufer ist es dann aber meist zu spät, wenn er feststellt, dass etwas nicht stimmt.“

Zirkus-Tickets gekauft: So schildert Viagogo den Vorgang

Im Fall von Horst Egenberger stellt der Viagogo-Pressesprecher die Sache jedoch anders dar: „Nach unseren Informationen hat der Kunde Karten für den Rang gekauft.“ Und die seien beim Circus Krone nun einmal unnummeriert. Auch in der schriftlichen Bestellbestätigung, die Egenberger dem Tölzer Kurier vorlegt, sind die Karten mit „Block Rang“ bezeichnet. Der Tölzer selbst verweist dagegen auf den Preis, den er bezahlt habe: 44 Euro, ungefähr so viel kosten bei offiziellen Vorverkaufsstellen, die guten „Ringplätze“, die der 87-Jährige eigentlich haben wollte.

Rechtliche Schritte hält Tatjana Halm von der Verbraucherzentrale so oder so für wenig erfolgversprechend. Bei den Verkäufern der Tickets handle es sich um Privatverkäufer, gegenüber denen man kaum Rechte habe. „Zudem kommt man meist nicht an die Daten ran, sodass man auch nicht weiß, an wen man sich wenden kann.“ Und Viagogo sitze in der Schweiz, wodurch sich „eine Rechtsverfolgung meist aufwendig gestaltet“. Die Tickets, die Egenberger bekam, waren auf die Namen von Personen mit Münchner Adressen ausgestellt. Die Polizei, so berichtet der Tölzer, habe diese Meldeadressen nicht verifizieren können. Egenberger geht daher von „Fantasienamen“ aus.

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Das rät die Verbraucherzentrale

Was rät die Verbraucherzentrale, damit man nicht in so eine Situation kommt? „Es ist unheimlich wichtig, genau zu prüfen, auf welcher Bestellseite man sich befindet“, antwortet Tatjana Halm. „Viele landen auf der Suche nach Tickets auf Ticketbörsen wie Viagogo. Leider ist die Gestaltung zunächst so, dass man von einer offiziellen Verkaufsseite ausgehen könnte.“ Die entsprechenden Hinweise seien „kaum zu sehen“. Auch für Egenberger war nicht ersichtlich, dass das erste Ergebnis, das ihm die Suchmaschine Google unter „Circus Krone Karten“ anzeigte, nicht die Homepage des Zirkus’ war, sondern eine von Viagogo.

Die fiesen Tricks der Ticket-Abzocker

Circus Krone warnt vor Viagogo

Auf der tatsächlichen Internetseite www.circus-krone.de wäre er auf einen großen, mit vielen Ausrufezeichen versehenen Hinweis gestoßen. Hier wird gewarnt: „Wir bitten alle Besucher, ihre Tickets nur über die offiziellen Vorverkaufsstellen (Münchenticket und die Circuskasse) zu beziehen und somit unseriösen Ticketanbietern wie Viagogo keine Chance zu geben.“ Circus-Krone-Sprecher Frank Keller berichtet, dass sein Unternehmen ebenso wie viele andere Konzertveranstalter seit Jahren Probleme mit „Viagogo“ habe.

In der Vergangenheit habe „Viagogo“ sogar manche Zirkus-Vorstellungen als ausverkauft bezeichnet, „obwohl wir an er Abendkasse noch jede Menge Karten hatten“, sagt Keller. Das sei „absolut geschäftsschädigend“ gewesen. Per Unterlassungsklage habe der Circus Krone immerhin erreicht, dass so etwas unterbleibt. Doch noch immer falle der Ärger von Zirkusbesuchern über schlechte Plätze, für die sie eine zu hohen Preis bezahlt haben, regelmäßig zunächst einmal ungerechtfertigt auf den Zirkus zurück. „Wenn wir die Zusammenhänge erklären, hat der größte Teil Verständnis“, sagt Keller. „Aber wir wollen ja, dass unsere Kunden sich gut aufgehoben fühlen.“

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