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„80 Prozent weniger Buchungen“: 2G verhagelt Wirten das Weihnachtsgeschäft - Kunden bleiben weg

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Von: Peter Loder

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Antonio di Gorga vom Brunello in Bruck ist fest entschlossen, den Kopf oben zu behalten. „Wir sind fleißig und passen uns der Situation an. Ich hoffe, die neue Regierung bewegt etwas.“ 	foto: peter weber
Antonio di Gorga vom Brunello in Bruck ist fest entschlossen, den Kopf oben zu behalten. „Wir sind fleißig und passen uns der Situation an. Ich hoffe, die neue Regierung bewegt etwas.“ foto: peter weber © Weber

Weniger Gäste, keine Weihnachtsfeiern: Zum Wirt geht’s nur noch mit Impfbestätigung oder Genesenen-Nachweis. Gastronomen haben mit 2G schwer zu kämpfen. Aufgeben aber will keiner.

Landkreis – „Wir halten durch, sind fleißig und passen uns der Situation an“, erklärt Antonio di Gorga vom Italienischen Restaurant Brunello. Er hat gerade erst kräftig investiert. Sein Lokal wurde umgebaut und hat einen neuen Pizza-Ofen quasi als Show-Küche mittendrin. Auch ihm bleiben zwar wegen 2G viele Kunden weg. Doch der CSU-affine di Gorga sagt: „Ich bin positiv gestimmt und hoffe, dass die neue Regierung etwas bewegt.“

2G in der Gastronomie: Massenweise Stornierungen - „Das ist eine echte Hausnummer“

Der Dezember gehört in der Gastro-Szene normalerweise zu den umsatzstärksten Monaten im Jahr. „Das ist eine echte Hausnummer“, so Harry Faul vom Maisacher Bräustüberl. Das liegt auch an den Weihnachtsfeiern. Doch die brachen und brechen heuer fast komplett weg. „28 Weihnachtsfeiern waren angemeldet, 27 wurden storniert.“ Der Wirt kann den Abwärtstrend am Kalender einordnen: „Bis 5. November konnte man mit guter Arbeit noch Geld verdienen. Am 6. November wurde die 2G-Regel beschlossen. Noch am gleichen Tag hagelte es massenweise Stornierungen.“

Thomas Breitenfellner, der in Eichenau das „Flori“ und Gröbenzells „Alte Schule“ betreibt, hat seine empfindlichen Umsatzeinbußen in drei Wellen erlebt: „Nach den jeweiligen Verschärfungen zum 29. August, 11. Oktober und 7. November.“

2G in Bayern: Wieder Abhol- und Lieferservice - „80 Prozent weniger Buchungen“

50 000 Euro fehlen Peter Helfer vom Olchinger Daxer-Wirt heuer in der Kasse. „Wir haben 80 Prozent weniger Buchungen.“ Goran Jokic vom Alten Wirt in Emmering hat inzwischen wegen Corona Sonntagabend, Montag und Dienstag geschlossen. Wie einige andere Gastronomen versucht er nun Abhol- und Lieferservice wieder zu verstärken. Beides hat im Corona-Lockdown gut funktioniert. Der Haken daran: So richtig verdient wird in Wirtschaften meist mit Getränken und die sind beim to-go-Geschäft nicht so gefragt.

Robert Groß, der erst vor wenigen Monaten das Vereinsheim des SV Puch übernommen hat, hat deshalb ein anderes Konzept. Familien und Firmen, die nicht mit anderen zusammen feiern wollen, bietet er die Wirtschaft zur exklusiven Nutzung als geschlossene Gesellschaften ab zehn Personen an. Brunello-Wirt di Gorga schöpft immerhin etwas Optimismus aus Kontakten mit Kollegen in seiner Heimat: „In Italien läuft es normal. Alles ist gut.“

Corona in Bayern: Staatliche Unterstützung für Wirte - „Bis die ausbezahlt ist, kann es Mai werden“

Noch südlicher und in noch wärmeren Regionen residiert Peter Schreck. In der Nähe der spanischen Touristenhochburg Benidorm betreibt der aus Bruck stammende Gastronom das bayerische Schmankerl-Lokal „Perro Loco“. Bislang gibt es für seine 30-Plätze-Wirtschaft keine behördlichen Einschränkungen.

Die greifen erst ab 50 Gästen. Doch auch in Spanien steigen die Infektionszahlen wieder deutlich an. Weshalb er die Entwicklung in seiner bayerischen Heimat mit Sorge verfolgt. Für die Situation in Spanien macht Schreck („Das Geschäft geht noch einigermaßen“) vor allem impfunwillige, vor der Pandemie in der Heimat geflüchtete Camping-Touristen vornehmlich aus den Niederlanden und England verantwortlich.

In Bayern können Wirte in der Krise zwar weiterhin staatliche Unterstützung beantragen. Doch das ist ein sehr schwacher Trost, so Faul vom Maisacher Bräustüberl: „Bis die ausbezahlt wird, kann es Mai werden“. Weshalb für ihn klar ist: „Jeder Wirt muss Geld mitbringen, um zu überleben.“ Zumal die Durststrecke im Januar und Februar mit den traditionell umsatzschwächsten Monaten noch bevorsteht. Auf die Politik sind er und seine Kollegen jedenfalls derzeit nicht besonders gut zu sprechen.

2G-Regel in der Gastronomie: Wirt berichtet - „Überwiegend geht‘s gesittet zu“

Keine Probleme haben die Wirte offenbar damit, dass sie kontrollieren müssen, ob ihre Gäste geimpft oder genesen sind. „Fast alle haben ihr Handy schon gezückt und zeigen ihren digitalen Impfpass, wenn sie zur Tür reinkommen“, erklären sie unisono. „Es gibt zwar immer mal Leute, die maulen“, so Olchings Daxer-Wirt Peter Helfer. „Doch überwiegend geht’s gesittet zu“, wie sein Gröbenzeller Kollege Thomas Breitenfellner erklärt. Er habe von seinen Gästen sogar viel Rückendeckung bekommen. „Und sogar Dankbarkeit, weil wir bei den Corona-Kontrollen so streng sind.“

Kontrolliert werden aber auch die Betriebe. Zumindest sollten sie es laut Innenministerium. Doch bislang sind in den meisten der vom Tagblatt befragten Wirtschaften weder Ordnungsamt noch Polizei aufgetaucht. Breitenfellner vermeldete in seinem Eichenauer Lokal „Flori“ allerdings einen „unangemeldeten Behördenbesuch am vergangenen Donnerstag“. Auch bei „Beros-Pizzeria“-Chef Roger Sommer in Neu-Esting kreuzte am Freitag um 22.15 Uhr die Polizei in fünfköpfiger Besetzung auf.

Die Beamten seien verständigt worden, weil nach der vor einer Viertelstunde abgelaufenen Sperrstunde noch viel los gewesen sei und Licht im Laden gebrannt habe. Roger Sommer: „Dass wir einen bis 23 Uhr erlaubten Lieferservice haben, hatten die Beschwerdeführer aber nicht auf dem Radar.“

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