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Corona-Zahlen in bayerischer Touristen-Region explodieren: Hotspot nennt jetzt sieben Gründe dafür

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Von: Katharina Haase

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Bei Touristen sind Schliersee und Tegernsee äußerst beliebt. Aber: Die Corona-Zahlen im Landkreis explodieren. In einer Pressemitteilung werden sieben Gründe präsentiert.

Miesbach - Die Corona-Inzidenzen sorgen wieder für Gesprächsstoff in Deutschland. Und Bayern steht ganz schön im Fokus. Am Mittwoch (27. Oktober) wies das Robert-Koch-Institut (RKI) eine Inzidenz von 191,3 für den Freistaat aus. Im Bundesvergleich belegt Bayern damit Rang drei. Aktuell liegen acht der zehn am stärksten betroffenen Landkreise und Städte im Hoheitsgebiet von Ministerpräsident Markus Söder.

Spitzenreiter ist und bleibt der Landkreis Mühldorf am Inn. Der einzige Landkreis in Deutschland, der auf dem Dashboard mit der Farbe Pink gekennzeichnet ist - was eine Inzidenz über 500 bedeutet. Diese liegt dort aktuell bei 592,4. Mit Abstand folgt auf dem zweiten Platz der Landkreis Traunstein (498,6). Auf den Plätzen drei bis fünf sind die Landkreise Berchtesgadener Land (489,1), Straubing-Bogen (454,1) und Miesbach (443,2).

Corona-Inzidenz im Landkreis Miesbach explodiert: Hotspot-Region präsentiert sieben Gründe

Der Landkreis Miesbach, zu dem auch die bei Touristen beliebten Regionen Tegernsee und Schliersee gehören, gibt nun in einer Pressemitteilung erstmals mögliche Gründe für die Zahlenexplosion bekannt. Konkret werden sieben Punkte genannt, auf die der Inzidenz-Anstieg demzufolge zurückzuführen ist.

1. Corona-positive Reiserückkehrer

In Bayern enden die Sommerferien traditionell spät in Deutschland. Von Anfang August bis Mitte September war schulfrei - während die Bundesländer schon wieder kurz vor den Herbstferien standen. Der Schwung an positiven Reiserückkehrern sei also erst spät gekommen – und es hätte „keine Erholungsphase“ vor dem Herbst mit seinem nasskalten Grippewetter gegeben, schreibt das Landratsamt.

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2. Infektionen unter Schülern im Privaten

Aus den Daten des Gesundheitsamts gehe hervor, dass die vielen Schüler, die derzeit mit Corona infiziert sind, sich nahezu ausschließlich bei privaten Treffen ansteckten. Somit seien die Schulen - anders als befürchtet –, keine Pandemietreiber. Erst vor wenigen Tagen hatte Miesbachs Pandemie-Koordinator Dr. Florian Meier in einem Interview von sogenannten „Corona-Partys“ erzählt, die bei den Jugendlichen derzeit hoch im Kurs stünden.

3. Ein Infizierter steckt ganze Familien an

Ein Infizierter stecke mittlerweile häufig die ganze Familie an. Das sei in der Vergangenheit anders gewesen, schreibt das Gesundheitsamt. Bei ungeimpften Familien betrage die Quote mittlerweile meist 100 Prozent. Zu Beginn der Pandemie seien es nur rund zwei Drittel aller Familienmitglieder - also 60 bis 70 Prozent - gewesen.

Gefährlicher Trugschluss: Freigetestete können Virus noch in sich tragen

4. Zu kurze Quarantänezeiten für Kontaktpersonen

Die Quarantänezeit für asymptomatische Kontaktpersonen wurde verkürzt. Bereits nach dem fünften Tag kann man sich aus der Isolation freitesten. Doch häufig trügt der Schein: Viele „Freigetestete“ trügen das Virus doch noch in sich und verbreiteten es später unwissentlich weiter, heißt es in der Pressemitteilung.

5. Falsche Einschätzung von Krankheitsanzeichen

Da eine Infektion mit dem Coronavirus und die Krankheit Covid-19 ähnliche Symptome aufweisen wie eine Grippeinfektion, würden die Anzeichen häufig zunächst ignoriert oder falsch interpretiert, führt Miesbach weiter an. So könnten Infizierte Sars-CoV-2 weiter verbreiten, ohne es überhaupt zu wissen. Lesen Sie hier die wichtigsten Anzeichen für eine Infektion mit dem Coronavirus.

Treiben Infektionen aus Nachbarlandkreisen Zahlen in die Höhe?

6. Missachtung der Schutzmaßnahmen

Die zunehmende Sorglosigkeit vieler Bürger beim Befolgen der Corona-Maßnahmen, bereitet den Mitarbeitern des Landratsamts Miesbach zudem Kopfzerbrechen. Viele hielten sich „ ...mutwillig oder aus Nachlässigkeit nicht mehr an die Schutzmaßnahmen wie das Tragen einer Maske und Abstandsregeln“. Zudem sei nicht auszuschließen, dass Infektionen aus stark betroffenen Nachbarlandkreisen - wie beispielsweise Bad Tölz - auch die Zahlen in Miesbach nach oben trieben.

7. Impfquote noch nicht hoch genug

Insgesamt wurden im Landkreis Miesbach laut Angaben des Landratsamts 63.000 Menschen bis dato vollständig geimpft. Somit sei die Quote höher als in den direkten Nachbarlandkreisen. Dennoch ist sie keineswegs ausreichend. Die gesamte Quote der Menschen in Bayern, die vollständig gegen das Virus geimpft sind, liegt aktuell bei 64 Prozent. Im bundesweiten Vergleich liegt Bayern damit lediglich auf Platz zwölf. Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) hatte bereits in vergangenen Presseansprachen wiederholt von einer zu erreichenden Impfquote von 85 Prozent gesprochen.

Laut Landrat Olf von Löwis (CSU) ist die Lage im Krankenhaus Miesbach in Agatharied bereits angespannt - auch, wenn die Krankenhaus-Ampel in Gesamt-Bayern derzeit noch auf „grün“ steht. Obwohl dies weitere Schutzmaßnahmen rechtlich möglich mache, bevorzuge er aber überregionale Lösungen. Einzelbeschränkungen seien schwer vermittelbar. Von Löwis appellierte deshalb in der Mitteilung noch einmal eindringlich an alle Bürger, sich an die gegebenen Maßnahmen zu halten und sich bei auftretender Symptomatik umgehend testen zu lassen. (kah)

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