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Zu horrenden Preisen: Ehepaar verkauft gefälschte Impfpässe - Kripo kommt ihnen durch Zufall auf die Schliche

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Von: Hans Moritz

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Impfpass Corona
In Münchner Umland betrieb ein Ehepaar einen florierenden Handel mit gefälschten Impfpässen. (Symbolbild) © Stefan Puchner/dpa

Einem schwunghaften Handel mit gefälschten Impfpässen sind Fahnder der Kripo im Münchner Umland auf die Spur gekommen. Ein Ehepaar wurde festgenommen.

München/Erding - Einem schwunghaften Handel mit gefälschten Impfpässen sind Fahnder der Kripo Erding und der Staatsanwaltschaft Landshut auf die Spur gekommen. Mindestens 17 solcher Zertifikate sollen sie in Umlauf gebracht haben – jeweils zu einem dreistelligen Betrag. Ein Ehepaar aus Erding wurde festgenommen, der Mann befindet sich weiter in U-Haft. Ursprünglich war ihnen die Polizei wegen Drogenhandels auf den Fersen.

Corona in Bayern: Ehepaar verkauft gefälschte Impfpässe - Kripo ermittelt seit Monaten

Die Erdinger Kripo ermittelt schon seit Monaten in dem Fall. Im Visier stehen nach Angaben von Michael Graf, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord, ein 59 Jahre alter Italiener und seine 62-jährige Ehefrau, die in Erding leben. Bereits Ende Oktober, so Graf weiter, habe man sie wegen des Verdachts des unerlaubten Kokainhandels festgenommen.

„Im Zuge der Durchsuchung von deren Privat- und Geschäftsräumen konnte unter anderem Rauschgift, Kokain und Marihuana, eine Schreckschusspistole sowie ein Springmesser sichergestellt werden“, so Graf. Das Ehepaar wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft Landshut am 23. Oktober dem zuständigen Ermittlungsrichter beim Amtsgericht Landshut vorgeführt, der gegen die beiden Tatverdächtigen Haftbefehle erließ. Der gegen die Ehefrau wurde zwischenzeitlich gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt.

Als Abnehmer des Rauschgifts konnten nach Angaben Grafs zwei Personen aus Erding sowie je eine aus Hallbergmoos (Kreis Freising), Ismaning (Kreis München) und Landshut ermittelt werden.

Bei Drogenrazzia: Erdinger Ehepaar festgenommen - Gefälschte Impfpässe gefunden

Doch die Ermittlungen gingen weiter und führten die Kriminaler zu einem ganz neuen Deliktsfeld: „Es ergab sich der Verdacht, dass der 59-Jährige mit gefälschten Impfpässen gehandelt hat“, berichtet der Sprecher des Ingolstädter Präsidiums. Mindestens 17 solcher Impfpässe soll er von einem 44-jährigen Augsburger zum Stückpreis von 250 Euro gekauft und für 300 Euro gewinnbringend weiterveräußert haben.

Drei Fälschungen, mit denen die Käufer die Corona-Regeln ungeimpft umgehen wollen, waren im Zuge der Wohnungsdurchsuchung sichergestellt worden. Eine weitere Fälschung tauchte bei einem 37 Jahre alten Italiener auf, der im Zuge der Drogenermittlungen gegen das Erdinger Ehepaar in den Fokus gerückt war.

Corona-Regeln in Bayern: Gefälschte Impfpässe im Umlauf

Der Polizei gelang es, fünf weitere Impfpasskäufer zu ermitteln. Sie sind zwischen 19 und 74 Jahre alt und kommen aus Erding, Bockhorn, Finsing, Moosinning und Wörth. Deren Wohnungen durchsuchte die Kripo am 11. November. Mit Erfolg: Nicht nur vier falsche Impfpässe wurden sichergestellt, sondern zusätzlich auch ein Digitales Covid Zertifikat der EU, mit dem man die Impfbestätigung aufs Mobiltelefon laden kann. „Dieses hatte sich eine 40-Jährige unter Vorlage des gefälschten Passes bei einer Apotheke erschlichen“, berichtet Graf.

Von den Käufern und Nutzern der Fälschungen geht eine große Gesundheitsgefahr aus. Sie dürfen sich frei bewegen und an allen Veranstaltungen teilnehmen – freilich ohne tatsächlich gegen SarsCoV2 geimpft zu sein. Auch Polizeisprecher Graf wundert sich, 300 Euro für einen falschen Pass auszugeben, wo es die Spritze kostenlos gibt.

Corona: Fälschung von Impfpässen strafrechtlich noch nicht abgedeckt

Die Ermittlungen der Erdinger Kripo und der Staatsanwaltschaft dauern an. Sie vermutet, dass noch mehr Drogen und Impfpässe im Umlauf sein könnten.

Das Problem ist, dass die Fälschung von Impfpässen strafrechtlich noch nicht abgedeckt ist. Am Donnerstag soll ein Gesetzesentwurf in den Bundestag eingebracht werden, der Strafen von bis zu fünf Jahren Haft vorsieht. Von dieser Verschärfung wäre das Ehepaar aber noch nicht betroffen, weil es die Taten vorher begangen hat.

Diese Fälschungen beziehungsweise der Handel damit ist der erste Fall im Landkreis Erding, wenngleich ein großer. Noch vorige Woche hatte Gesundheitsamtsleiter Peter Stadick erklärt, man wisse nur von einer gefälschten Eintragung. Diesen Fall habe man auch angezeigt. ham

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