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Impf-Debatte in Bayern: Geimpfter Pfarrer verkleidet sich als Nikolaus - und wettert in Video gegen Erwachsene

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Von: Katrin Kleinschmidt

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Pfarrer Josef Fegg rief als Nikolaus in einem Video zum vernünftigen Miteinander auf.
Pfarrer Josef Fegg rief als Nikolaus in einem Video zum vernünftigen Miteinander auf. © Screenshot

Pfarrer Josef Fegg ist geimpft. Dass das Thema die Gesellschaft spaltet, beobachtet der Geistliche mit Sorge. Seine mahnenden Worte dazu sind nicht nur in Rottenbuch - sondern auch im Internet zu hören.

Rottenbuch – Es war ein gemütlicher Abend mit einem guten Freund. So einer, an dem man über alles Mögliche reden kann. Und Josef Fegg und sein Kumpel kamen – wie so viele Menschen derzeit – auf das Impfen. Sprachen darüber, dass der Rottenbucher Pfarrer geimpft ist, sein Gegenüber nicht.

Corona-Impfung: Pfarrer stellt Video online - „Sinnloses Aufeinander-Einhacken bringt niemandem was“

In so mancher Familie, in manchen Freundeskreisen führt diese Diskussion derzeit zu Streit. Fegg und sein Freund aber kamen schnell überein. Beim Thema „Impfen“ sind sie sich uneins, doch beim Zwischenmenschlichen sind sie sich einig: „Ein sinnloses Aufeinander-Einhacken bringt niemandem etwas.“ Mit Sorge beobachtet der Pfarrer die Entwicklung. Und greift sie auch in Predigten auf.

Bei der Eröffnung der Echelsbacher Brücke betonte Fegg, auch die Menschen müssten zwischen sich wieder „Brücken bauen, Gräben überwinden“. Komplett den Fokus auf den Streit um Geimpfte und Ungeimpfte legte er zudem am Nikolaustag. Da stellte der Pfarrverband Rottenbuch ein Video online, in dem Fegg den Erwachsenen die Leviten liest.

Debatte um Corona-Impfung: Pfarrer liest Erwachsenen in Youtube-Video die Leviten

Die Idee dafür kam Fegg kurz nach besagtem Abend mit seinem guten Freund. „Das war eine sehr spontane Aktion“, sagt der Pfarrer, der am nächsten Morgen das Gedicht in kurzer Zeit runtergeschrieben hatte. „Die Reimform ist eine gute Form“, findet Fegg, der Gedichte auch gern in seine Predigten einbaut.

Die harmonisch aufeinander abgestimmten Worte in dem Video täuschen nicht über die starke Nachricht hinweg: Der Rottenbucher Pfarrer mahnt den Streit, die Suche nach Schuldigen in der Corona-Pandemie – und fordert einen vernünftigen Umgang miteinander. Fegg erwähnt in dem Video, dass er geimpft ist. Wissen ohnehin viele, er hatte sich im Sommer an der Kampagne des Landkreises beteiligt, unter anderem mit seinem Foto wurde für den Pieks geworben. „Ich erachte das Impfen als sinnvoll“, sagt er.

Corona in Bayern: Pfarrer ist offen für bedenken Nicht-Geimpfter

Und ist trotzdem offen für die Bedenken Nicht-Geimpfter. „Ich habe mit Leuten zu tun, die haben echt Angst vor der Impfung und sind verunsichert“, schildert Fegg. „Das Wegzuschubsen und zu sagen: ,Ihr seid Verrückte‘, das ist keine Lösung.“ In beide Richtungen nicht. Der Pfarrer möchte, dass sich die Menschen wieder ernst nehmen, auch wenn sie uneins sind.

Das bedeutet aber nicht, dass Fegg für jeden Verständnis aufbringt. Kommt ihm jemand mit Theorien über eingepflanzte Mikrochips, mögliche Gefangenenlager für Nicht-Geimpfte oder mit der Aussage, die Mutter Gottes hätte eine Impfung nicht gewollt – ja, er hat das alles schon gehört –, kann Fegg nur den Kopf schütteln. Der Schutz vor einer möglichen Covid-19-Erkrankung „ist eine medizinische und keine Glaubens-Frage“. Zum Glück sei der Großteil der Menschen aber „verantwortungsvoll und achtsam“, betont der Pfarrer. „Das gilt es zu stärken.“

Impf-Video von bayerischem Pfarrer: Nach zehn Tagen rund 800 Klicks

Feggs Video hatte nach zehn Tagen bereits rund 800 Klicks. Damit hat das Team des Pfarrverbands sein erstes Ziel erreicht: „Wir wollen die Medien nutzen, um noch mehr Menschen zu erreichen. Es ist auch ein Instrument der Verkündigung.“ Denn die Kirchenbesucher werden weniger. Diese Entwicklung habe die Corona-Pandemie noch verstärkt. Die Hygiene-Vorschriften als weitere Hürden hätten so manchen vom Gang in die Kirche abgehalten.

Trotzdem seien die Predigten in Rottenbuch „noch gut besucht“. Fegg ließ zusätzliche Bänke und Stühle aufstellen, um möglichst viel Platz zu schaffen. 150 Menschen dürfen derzeit rein. „Im Münchner Dom ist weniger Platz.“ Allerdings sind Abstand und Masken Pflicht, dafür verzichtet der Pfarrverband auf die 3G-Regel. „Im Gotteshaus soll jeder willkommen sein.“

Dass alles so gut klappt, verdankt Fegg auch freiwilligen Helfern, seinen sogenannten „Willkommen-Teams“. Sie stehen bei jeder Messe am Eingang, zeigen Besuchern freie Plätze, erklären die geltenden Regeln. „Sie haben die Gottesdienste ermöglicht. Das ist ein Segen, sie sind ein Lichtblick.“

Corona-Video von Pfarrer: Weiterer Clip zu Weihnachten geplant

Und die Garantie dafür, dass in den Kirchen des Pfarrverbands auch Weihnachten „relativ gut“ begangen werden kann. Welches Thema seine Predigten dann haben werden, weiß Fegg noch nicht. „Ich muss schauen, wie sich bis dahin alles entwickelt, was aktuell ist, was die Leute brauchen.“ Das muss nicht Corona sein. Auch ein Video wird es wohl wieder geben – Genaueres sagt er dazu noch nicht.

Bisher dreht ja ohnehin noch sein Nikolaus-Auftritt im Internet seine Runden. Vor allem das letzte Bild dürfte so manchem Betrachter im Kopf bleiben. Fegg steht da vor einem Geweih und bringt seinen ernsten Beitrag zu einem humorvollen Abschluss. Denn, wie er sagt: „Die beste Medizin ist immer noch Lachen.“.

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