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„Völlig perverser“ Corona-Trend bei jungen Bayern? Bizarre Gerüchte kursieren im Oberland

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Von: Christiane Mühlbauer

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Besucher tanzen in einer Diskothek
Stecken sich Ungeimpfte bei sogenannten „Leberkäspartys“ bewusst an? © Markus Scholz/dpa (Symbolbild)

Beweise gibt es keine, aber Bürger berichten immer wieder davon: In Bayern sollen sich junge Erwachsene bei Corona-Partys absichtlich infizieren.

Bad Tölz/München - Die Corona-Zahlen schießen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen in die Höhe. Besonders hoch ist die Inzidenz bei jungen Erwachsenen. Gerüchten zufolge sollen sich einige der Ungeimpften immer wieder auf privaten Feiern, sogenannten „Leberkäspartys“, bewusst anstecken, um nach Ablauf der Quarantäne-Zeit den Status als Genesener zu haben.

Miesbachs Landrat Olaf von Löwis hat vor Kurzem in einem Interview mit der Abendzeitung von deartigen Partys berichtet – zwar habe er keine Beweise, dafür eine „glaubhafte Quelle“, so der Landrat. Miesbach hat derzeit eine der höchsten Inzidenzen bundesweit.

Corona-Partys, um sich absichtlich zu infizieren? Berichte über bizarren Trend

Vermutlich gibt es solche Partys auch im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. In den Redaktionen von Tölzer Kurier und Isar-Loisachbote haben sich in den vergangenen Tagen mehrere Bürger gemeldet und von solchen Feiern, die ihnen zu Ohren gekommen sind, berichtet. Konkret geht es um Feiern bei Ellbach, Lenggries, Sachsenkam und Dietramszell. Stets einher geht damit die Frage, warum Polizei und Behörden nicht einschreiten.

Die Tölzer Polizei weiß von einer nicht angemeldeten Stadlparty Anfang Oktober nahe Ellbach. „Wir haben im Nachhinein davon erfahren“, sagt der Tölzer Polizeichef Johannes Kufner. „Die Ermittlungen hierzu laufen.“ Werden Verstöße gegen die Anmeldeverpflichtung festgestellt, werde man diese ahnden.

Genesenenstatus nach Infektion bei Corona-Party: „Veranstalter hängen es ja nicht an die große Glocke“

Im Polizeipräsidium Oberbayern Süd in Rosenheim wird die Corona-Entwicklung im ganzen Einzugsgebiet beobachtet. Pressesprecher Stefan Sonntag zweifelt nicht daran, dass solche Partys stattfinden. Einsätze habe es deshalb im Landkreis aber noch nicht gegeben. Die Polizei erfahre erst im Nachgang davon. „Die Veranstalter hängen es ja nicht an die große Glocke. Es passiert im privaten Bereich.“

Der Trend zu solchen Partys sei vor einiger Zeit aus den USA nach Deutschland geschwappt, weiß Dr. Jörg Lohse, Ärztlicher Koordinator im Landkreis. Er bezeichnet solche Feste als „völlig pervers“. In den USA hätte sogar diejenige Person, die nach der Party als Erste Corona-positiv war, einen Preis bekommen. „Mit dem Ganzen war aber schlagartig Schluss, als sich jemand geoutet hat, der kurze Zeit später an Corona gestorben ist“, sagt Lohse.

Gerüchte über „Leberkäsfestl“: Vize-Landrat appelliert an junge Erwachsene

Der Münsinger Hausarzt ist gut vernetzt und hat auch von solchen Festen gehört. Der Landkreis habe damit seiner Einschätzung nach „kein Flächenproblem“, aber es gebe „punktuelle Spitzen“. Lohse will junge Erwachsene nicht unter Generalverdacht gestellt sehen. „Als junger Mensch ist man halt risikofreudiger“, sagt der Arzt. „Man macht Dinge, über die man Jahre später sagt: ,Da hab’ ich damals aber Glück gehabt.‘“ Statistisch gesehen, würden nach einer Corona-Party zehn Prozent der Infizierten einen schwereren Verlauf haben, und ein bis zwei Prozent würden schwerstkrank.

Auch Lohse hat von den Gerüchten über ein „Leberkäsfestl“ bei Ellbach gehört. Er spricht von einer „Dummheitsparty“ und zieht einen Unterschied zur provokanten „Spritzenparty“ des Münsinger Burschenvereins Ende Oktober. Der Name bezieht sich auf den Ausschank, es wurde Schnaps in Spritzen serviert. Dieses Fest, sagt Lohse, wurde genehmigt, es fand im Freien statt, es gab Kontrollen und letztlich einen Einlassstopp wegen zu vieler Besucher. Die Gäste waren bis aus dem Allgäu gekommen. „Im Nachgang betrachtet, war es aber kein Corona-Hotspot“, sagt Lohse.

Vize-Landrat Thomas Holz, der derzeit die Geschäfte im Landratsamt führt, appelliert an junge Erwachsene, Vernunft walten zu lassen. Man trage nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere Verantwortung. Auch Holz hat von solchen Partys gehört. „Wir erfahren aber, wenn überhaupt, erst im Nachgang davon.“ Die Polizei könne nicht jeden Stadl kontrollieren, sagt der Vize-Landrat.

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