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Aus für kostenlose Bürgertests: So gehen Apotheken und Testzentren mit den neuen Auflagen um

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Von: Laura Forster

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„Würde mir wünschen, dass wir ein bisschen früher Bescheid bekommen“: Daniel Kocman, der die Teststation am Bahnhof in Aying betreibt, hat wenig Verständnis für das Vorgehen des Bundesgesundheitsministerium.
„Würde mir wünschen, dass wir ein bisschen früher Bescheid bekommen“: Daniel Kocman, der die Teststation am Bahnhof in Aying betreibt, hat wenig Verständnis für das Vorgehen des Bundesgesundheitsministerium. © lf

Corona-Schnelltests sind nicht mehr für alle Bürger kostenlos – trotz steigender Infektionszahlen. Wie gehen Testzentren und Apotheken im Landkreis damit um?

Landkreis – Das große Chaos, das noch Ende vergangener Woche wegen der neuen Regelung für die Corona-Schnelltests geherrscht hat, ist zwar mittlerweile etwas abgeklungen. Doch der Aufwand bleibt. Seit die Tests für einen Teil der Bürger wieder kostenpflichtig sind, haben Stress und Belastung in den Apotheken und Testzentren im Landkreis wieder zugenommen.

„Statt eineinhalb Minuten brauchen wir jetzt rund vier Minuten für einen Test. Neben der Anmeldungen kommen noch eine Selbstauskunft und der Geldverkehr dazu“, sagt eine Mitarbeiterin des Coronaschnelltestzentrums Ottobrunn-Neubiberg. Rund 80 Bürger kommen täglich an die Alte Landstraße in Ottobrunn. Die Nachfrage ist wieder gestiegen, nachdem in den vergangenen Tagen und Wochen einige Testzentren in der Umgebung geschlossen haben. „Der Aufwand ist wirklich extrem hoch“, sagt die Mitarbeiterin. „Wir suchen auch wieder neues Personal.“

Schnelltests nicht mehr kostenlos: Wer zahlt was?

Kostenlos ist der Schnelltest seit 30. Juli nur noch für Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können, zum Beispiel Frauen im ersten Drittel der Schwangerschaft, pflegende Angehörige und Menschen mit Behinderung sowie deren Betreuer, Haushaltsangehörige von Infizierten, Kinder bis fünf Jahre und Bewohner und Besucher von Pflegeheimen, Einrichtungen für Menschen mit Behinderung und Kliniken, Bürger, die sich nach einer Corona-Infektion freitesten wollen, chronisch Kranke und Teilnehmer von Corona-Impfstoffstudien.

Andere müssen nun drei Euro für einen Test zahlen: Besucher von Familienfeiern, Konzerten oder einer anderen Veranstaltung in einem Innenraum, Bürger, deren Corona-Warn-App ein erhöhtes Risiko anzeigt, oder Personen, die vorhaben, andere Menschen ab 60 Jahren oder mit Vorerkrankung zu treffen. Der Rest der sich Testenden muss selbst zahlen. Kostenpunkt: zwischen zehn und 20 Euro.

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„Wir können nur hoffen, dass die Kunden die Wahrheit sagen“

„Wir können nur hoffen, dass die Kunden die Wahrheit sagen“, sagt Apotheker Dr. Peter Aurnhammer aus Ismaning. „Jede Selbstauskunft zu überprüfen, ist einfach nicht machbar.“ Auch Aurnhammers Mitarbeiter sind seit Donnerstag deutlich länger mit den rund 50 Tests pro Tag beschäftigt. „Wir mussten uns erst mit den neuen Regeln auseinandersetzen, aber mittlerweile können wir die Kunden gut informieren“, so Aurnhammer.

Angemeckert von verärgerten Bürger wurde das Team in Ismaning bisher noch nicht. „Die meisten wissen, dass nicht wir für die neue Verordnung verantwortlich sind.“ Aurnhammer könne die Entscheidung der Regierung nachvollziehen. „Es gab leider ein paar Testzentrumsbetreiber, die die Situation ausgenutzt haben. Aber überall gibt es schwarze Schafe. Die Politik hätte sich im Vorhinein etwas ausdenken sollen, damit ein Betrug nicht so einfach ist“, sagt der Apotheker.

Apotheker hat wenig Verständnis für das Gesundheitsministerium

Weniger Verständnis hat Aurnhammer für das Vorgehen des Bundesgesundheitsministerium. „Vier Stunden nach Inkrafttreten der neuen Regeln haben wir die offizielle Info bekommen. Das ist extrem nervig und lästig.“ Ähnlich sieht es Daniel Kocman, der seit Januar die Teststation am Bahnhof in Aying betreibt. „Ich würde mir wünschen, dass wir ein bisschen früher Bescheid bekommen, um genug Zeit für die Vorbereitungen zu haben.“

Trotz Mehraufwand und weniger Vergütung will Kocman sein Testzentrum aufrechterhalten. „Das hat weniger einen kaufmännischen Zweck, sondern ist eher eine Verantwortung gegenüber den Bürgern.“ Die meisten seiner Kunden sind Senioren aus den umliegenden Dörfern, die Verwandte oder Bekannte im Alten- und Pflegeheim oder Krankenhaus besuchen wollen.

„Die Leute brauchen einen Test und das Angebot im Umkreis ist sehr ausgedünnt.“ Auch die Betreiber des Coronaschnelltestzentrums Ottobrunn-Neubiberg denken nicht an eine Schließung. „Wir haben 90 Prozent Stammkunden, die auf uns angewiesen sind“, sagt eine Mitarbeiterin.

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