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„Corona-Tiere“ plötzlich unerwünscht: Tierheim kann nicht alle aufnehmen - Auffälligkeit bei Hunden

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Von: Magdalena Höcherl

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Als Lockdown-Gefährte ausgedient: Das Tierheim Freising wird pro Woche wegen bis zu zehn Hunden angefragt. Löb/dpa
Als Lockdown-Gefährte ausgedient: Das Tierheim Freising wird pro Woche wegen bis zu zehn Hunden angefragt. Löb/dpa © Daniel Löb

Der Alltag nach Corona ist zurück – und in dem haben Hunde und Co. oft keinen Platz mehr. Im Freisinger Tierheim ist das deutlich zu merken.

Landkreis – Joseph Popp hat es vorhergesagt. Schon im Januar 2021, mitten im Corona-Lockdown, sagte der Leiter des Tierheims im Landkreis Freising: „Wenn wir den Lockdown beziehungsweise Pandemie irgendwann einmal überwunden haben, ist zu befürchten, dass zahlreiche Tiere zu uns kommen.“ Diese Weissagung bewahrheite sich leider seit ein paar Wochen, erklärt Popp nun im FT-Gespräch. Sehr zum Leidwesen der Tiere – und des Tierheims, das dem Andrang kaum noch Herr werden kann.

Aufnahmestopp in Tierheim: „Pro Woche werden wir locker wegen fünf bis zehn Hunden gefragt“

„Theoretisch könnten wir momentan Tiere ohne Ende aufnehmen“, sagt Popp. „Pro Woche werden wir locker wegen fünf bis zehn Hunden gefragt.“ Praktisch findet allerdings momentan gar kein Hund Zuflucht: Wegen Baumaßnahmen wurde ein Aufnahmestopp verhängt.

Auf dem Tierheim-Areal in Mintraching entstehen neben den fünf bestehenden Hundezwingern gerade vier neue Auslaufbereiche für die Vierbeiner. Dazu wird eine Quarantänestation errichtet, in der Tiere untergebracht werden, die ungeimpft sind oder deren Impfpass gefälscht ist. Denn mit Tollwut zum Beispiel sei nicht zu spaßen, sagt Popp. In etwa vier Wochen sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. „Und danach werden wir auch ruckzuck wieder voll sein“, mutmaßt der Tierheim-Chef.

Ob alle Tiere, die derzeit abgegeben werden sollen, tatsächlich „Corona-Anschaffungen“ sind, die mittlerweile nicht mehr in den Alltag passen, weiß Popp freilich nicht genau. Die wenigsten Leute würden das so sagen. „Viele geben zwar zu, wenn ihnen ein Tier über den Kopf wächst“, sagt Popp.

„Oft gibt es aber ein Baby in der Familie, der Vermieter macht Probleme oder es kommt zu Schwierigkeiten mit einem anderen Haustier.“ Die Gründe seien vielfältig und für das Tierheim letztlich auch egal. „Entscheidend ist, dass viele Leute inzwischen massive Probleme mit ihren Tieren haben“, sagt Popp. Das betreffe nicht nur Hunde, sondern auch Katzen oder Vögel. „Während der Lockdowns wurden die verschiedensten Tiere geholt.“

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Bei den Hunden, die im Tierheim untergebracht werden sollen, sei allerdings auffällig, dass sie alle zwischen einem halben und eineinhalb Jahren alt sind. „Die hat man als Welpe geholt, den man schön auf dem Arm knuddeln konnte. Jetzt, wo sie in die Pubertät kommen, wachsen sie dem Herrchen über den Kopf.“

Tierheim überfüllt - Illegaler Tierhandel boomt

Oftmals hätten es die Besitzer versäumt, den Hund zu erziehen. „Noch dazu hatten auch die Hundeschulen lange zu.“ Das bedeutet für das Tierheim noch mehr Arbeit: „Die Tiere müssen erst mal ein paar Monate trainiert werden, bis man sie überhaupt vermitteln kann.“

Dass sich die Situation in den Tierheimen auf absehbare Zeit wieder verbessert, glaubt Joseph Popp nicht. „Die Leute kaufen immer mehr Tiere, seit zehn, 15 Jahren merkt man das.“ Neben dem legalen Handel, der enorme Umsätze einfahre, boome leider auch der illegale Handel mit den Vierbeinern. „Und ich sehe nicht, dass sich das so schnell ändert.“

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