Alle Berechtigten schon geimpft

Impf-Chaos: Hausärzte erhalten endlich Vakzin - aber finden keine Patienten mehr

Nach langem Warten haben die Hausärzte im Landkreis München jetzt endlich Corona-Impfstoff. Doch es sind kaum Impf-Berechtigte übrig. Eine kuriose Suche beginnt.

München - Das Impfchaos geht weiter. Zumindest für die Hausärzte im Landkreis München*. Denn die Mediziner sollen zuerst die Priorisierungsgruppe 1 impfen. Das sind vor allem Bürger, die 80 Jahre alt sind und älter. Kommende Woche schon kommt der erste Impfstoff, doch die Mediziner haben jetzt große Probleme, ungeimpfte Menschen aus der Gruppe 1 zu finden. So wie der Arzt Fritz-Gerrit Kropp aus Oberschleißheim.

Oberschleißheim: Hausärzte im Landkreis München finden keine Impf-Patienten - Wo sind die Berechtigten?

„Vermutlich gibt es noch genügend Ungeimpfte über 80-Jährige“, glaubt Arzt Kropp zwar. Doch die Mitarbeiter in der Gemeinschaftspraxis wissen nicht wo. „Wir müssen unsere Kartei durchforsten und alle über 80-Jährigen anrufen.“ Kropp hat sogar Bekannte auf der Straße angesprochen. Meist kommt die Antwort: „Ich wurde schon geimpft.“

Die Suche nach ungeimpften über 80-Jährigen ist deshalb so aufwendig, weil Hausärzte keinen Zugriff auf das System BayIMCO haben. BayIMCO (Bayerisches Impfmanagement gegen Corona*) ist das Registrierungsportal des Freistaats, ein Algorithmus entscheidet dabei über die Dringlichkeit der Impfung.

„Ein Riesenaufwand“: Ärzte suchen händeringend nach Ungeimpften über 80

Friedrich Kiener, Hausarzt und Leiter des Impfzentrums in Unterschleißheim, berichtet von ähnlichen Problemen. „Die Suche nach über 80-Jährigen ist ein Riesenaufwand.“ In seiner Praxis habe er mit zwei Mitarbeitern drei Stunden lang Impfberechtigte durchgerufen. Die Sondierung sei „mehr Aufwand als die ganze Impferei“.

Für ihn macht die strenge Priorisierung nach Geburtsdatum wenig Sinn: Lieber impft er einen erkrankten 75-Jährigen als einen aktiven 81-Jährigen. Ende April, dann seien alle über 80-Jährigen geimpft, schätzt Kiener. Danach ist Gruppe 2 dran: Zu ihr gehören etwa 70 bis 80-Jährige, Menschen mit Trisomie 21 und Demenzkranke.

Impf-Priorisierung: Wie akribisch Hausärzte suchen müssen, ist nicht festgelegt

Hausärzte könnten es sich nun leicht machen, und einfach unter 80-Jährige impfen. Sie sind aber strikt angehalten, erst Menschen der Gruppe 1 zu impfen. „Auch bei den Ärzten gilt die Priorisierung nach der Coronavirus-Impfverordnung als Grundlage weiter“, schreibt das bayerische Gesundheitsministerium auf Anfrage. Hat der Arzt aber alle Patienten durchtelefoniert, dürfe er auch die Gruppe 2 impfen, teilt eine Sprecherin des Landratsamts München mit. Wie akribisch Hausärzte dabei suchen müssen, ist nicht festgelegt.

Viele Menschen können Kropp und seine Kollegen kommende Woche ohnehin nicht impfen. In der ersten Woche bekommt die Praxis nur 20 Impfdosen.

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Rubriklistenbild: © Peter Kneffel/dpa

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