Nachruf

Jürgen Zarusky ist tot: Er prägte die Dachauer Vergangenheitspolitik 

Der Historiker Jürgen Zarusky starb nach schwerer Krankheit. 
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Der Historiker Jürgen Zarusky starb nach schwerer Krankheit. 

Jürgen Zarusky ist tot. Der in Dachau lebende Historiker starb am vergangenen Montag im Alter von 60 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit.

Dachau – Jürgen Zarusky war wissenschaftlicher Mitarbeiter des Münchner Instituts für Zeitgeschichte (IfZ), Experte für das Dritte Reich und die Geschichte des Konzentrationslagers Dachau. Geboren wurde Jürgen Zarusky in Miesbach. Er studierte Geschichte, Germanistik und Sozialkunde in München, währenddessen lebte er schon in Dachau.

Zarusky absolvierte 1987 das erste Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien. Er lernte in einem Intensivkurs Russisch und schloss 1988 ein Promotionsstudium in Neuerer und Neuester Geschichte, mittelalterliche Geschichte und Politikwissenschaften an. Er wurde mit einer Arbeit über „Die deutschen Sozialdemokraten und das sowjetische Modell 1917-1933“ promoviert. Seit 1990 gehörte er dem wissenschaftlichen Institut für Zeitgeschichte in München an, seine Forschungsschwerpunkte bilden die Geschichte des Nationalsozialismus und Stalinismus.

Jürgen Zarusky kämpfte für die Dachauer Jugendbegegnungsstätte

Zudem war er Chefredakteur der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, eine wichtige zeitgeschichtliche Fachzeitschrift in Deutschland, und Mitglied der deutsch-russischen Historikerkommission.

In Dachau gehörte Jürgen Zarusky Anfang der 80er Jahre zu den Kämpfern für eine internationale Jugendbegegnungsstätte, über deren Errichtung damals gestritten wurde. Zarusky wurde Mitglied im Förderverein und engagierte sich im Vorstand. Er setzte sich dafür ein, Dachau zu einem Gedenk- und Erinnerungsort zu machen. Die Dachauer kennen Jürgen Zarusky auch als Mitglied der Band „Vacilon“, in der er unter anderem zusammen mit seinem Freund Hermann Ehrlich Stücke aus dem lateinamerikanischen Kulturkreis spielte. Oft gaben sie Benefizkonzerte für den Förderverein für Internationale Jugendbegegnung.

Nachdem Hermann Ehrlich im Juni 2011 gestorben war, riefen Kai Kühnel und Jürgen Zarusky den Hermann-Ehrlich-Preis ins Leben. Diesen Preis verleiht das Bündnis für Dachau seither alle zwei Jahre, zuletzt im November 2018. Jürgen Zarusky moderierte auf der Preisverleihung eine Podiumsdiskussion zum Thema „Humane Pflege“.

Nun starb er wie sein Freund Hermann Ehrlich vor acht Jahren auf der Palliativstation der Barmherzigen Brüder in München.

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