Gehörloser vor Gericht

Eigene Partnerin vergewaltigt: „Ich hoffe, dass du dafür Verständnis hast“

Wegen Vergewaltigung und Körperverletzung ist ein 36-jähriger Gehörloser zu einer Haftstrafe auf Bewährung verurteilt worden.

Dachau – Dass der Mann nicht ins Gefängnis muss, hat er seinem Anwalt zu verdanken: Dieser hatte seinen Mandanten überzeugt, von seiner Version der Geschichte – nämlich dass der Geschlechtsverkehr ausschließlich einvernehmlich gewesen sei – abzurücken und ein Geständnis abzulegen.

Mit Faustschlägen zum Sex gezwungen

Konkret warf die Staatsanwaltschaft dem gebürtigen Kasachen vor, seine ebenfalls gehörlose Lebensgefährtin in zwei Fällen mit Gewalt in Form von Faustschlägen zum Sex gezwungen zu haben. In einem weiteren Fall schlug er der 40-Jährigen nach einem Streit mit der Faust ins Gesicht. Den Vorwurf, dass er ihr drohte, die gemeinsame vierjährige Tochter umzubringen, ließ die Staatsanwaltschaft am Ende fallen.

Der Grund, warum sich der Verteidiger so für ein Geständnis einsetzte, war klar: Hätte der 36-Jährige nicht gestanden, das Schöffengericht seine Schuld aber dennoch als erwiesen angesehen, wäre eine Gefängnisstrafe unumgänglich geworden. Nun, mit einem Geständnis sowie einer Einigung mit seiner als Nebenklägerin auftretenden Ex-Partnerin, lautete das Urteil des Schöffengerichts am Ende: ein Jahr und neun Monate Haft auf Bewährung. Damit kann der 36-Jährige seinem Beruf als CNC-Dreher weiter nachgehen und auch den Kontakt zur Tochter aufrecht erhalten.

Strenge Auflagen 

Doch die Bewährungsauflagen dafür sind streng: Die sogenannte Verständigung, der am Ende das Gericht, die Staatsanwaltschaft und die Nebenklage zustimmten, sieht zunächst eine Zahlung von 1200 Euro an die 40-Jährige vor. Zudem gilt drei Jahre ein strenges Kontaktverbot: Der 36-Jährige darf ihre Wohnung nicht mehr betreten beziehungsweise darf er der Wohnung überhaupt nicht näher als 30 Meter kommen. Auch die Kindertagesstätte der dreijährigen Tochter ist tabu. Sollte er seiner Ex-Partnerin auf der Straße begegnen, so Richter Lukas Neubeck, „dann haben Sie sich zu entfernen“. Ob das Kontaktverbot auch für Gehörlosen-Treffen gelte, wollte der Angeklagte wissen? „Ja“, so Neubeck: „Dann haben Sie die Verpflichtung zu gehen!“ Dass die Gehörlosenszene im Landkreis sehr klein sei, ließ den Richter ungerührt: „Das ist nun aber so.“ Sollte der Mann dagegen verstoßen, werde die Bewährung widerrufen und er müsse in Haft.

Neben dem Geständnis gab es aber auch noch andere Aspekte, die in den Augen des Gerichts eine Bewährungsstrafe ermöglichten: So war der 36-Jährige bis dato strafrechtlich noch nicht in Erscheinung getreten. Zudem, so erklärte es der Staatsanwalt, habe es sich bei den Vergewaltigungen um eine „Beziehungstat“ gehandelt: „Es fand ja auch einvernehmlicher Geschlechtsverkehr statt.“ Auch wenn es die Geschädigte war, die darauf hinwies, dass ihr Ex immer noch über Videos und Bildmaterial „sexuellen Inhalts“ aus der gemeinsamen Zeit verfüge und sich bisher geweigert hatte, diese zu vernichten, wurde auch sein letztliches Einverständnis zur Löschung der Sexvideos als positiv gewertet.

Kühle Entschuldigung 

Und schließlich gab es auch noch eine persönliche – und ebenfalls vom Verteidiger angeregte – Entschuldigung. Übersetzt vom Gebärdensprachendolmetscher sagte der Angeklagte seiner Ex-Partnerin kühl: „Ich möchte mich bei dir entschuldigen und hoffe, dass du für meine Taten Verständnis hast.“ Die Frau nahm es ausdruckslos zur Kenntnis.

Die gemeinsame Tochter, für die der CNC-Dreher bereits seit Monaten keinen Unterhalt mehr zahlt, darf er nun in regelmäßigen Abständen stundenweise in Begleitung eines Jugendamtsmitarbeiters sehen. Die ausstehenden Zahlungen werde er nachholen, versprach er. Auch was seinen Alkoholkonsum betreffe, wolle er sich in Zukunft „zurückhalten“.

Richter Neubeck sprach am Ende von einem „sehr guten, sachgerechten Ergebnis“. Die Geschädigte gab über Gebärden zu verstehen, dass sie einfach nur froh sei, die Angelegenheit hinter sich zu haben. 

Im Kreis Fürstenfeldbruck, in Mammensdorf, wurde ein mehrfacher Vergewaltiger (46) von der Polizei geschnappt, berichtet merkur.de

Rubriklistenbild: © pixabay.com/Counselling

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