Nach 26 Jahren ist Schluss

Kult-Grieche macht für immer dicht - weil Betreiber bei Reise spontane Eingebung hat

Das Kipos stand Kopf, als Griechenland 2004 Fußball-Europameister wurde. Stehend: Georgios Dimitriadis.

Ein Kultlokal, das von einem Kult-Wirt betrieben wird, schließt zum Jahresende. Georgios Dimitriadis macht sein Kipos vor den Toren Dachaus dicht. 

Gröbenried – „Die Bonbons in der Tüte werden immer weniger. Es wird Zeit, diejenigen, die noch drin sind, mit Genuss zu lutschen“, sagt Georgios Dimitriadis (58). Mit dieser Metapher erklärt der griechische Wirt, warum er seine legendäre Taverna Kipos Ende des Jahres schließt. Nach gut 26 Jahren. Guten wie schlechten, wie Dimitriadis sagt, „wobei ich die schlechten vergessen und nur noch die guten im Kopf habe“. An die guten erinnern sich sicherlich viele seiner Gäste, die in dem Speiselokal, das versteckt hinter Bäumen in Gröbenried liegt, ihren Geburtstag, ihre Hochzeit oder den Sieg in einem Fußballspiel gefeiert haben. Wobei mancher beim Sirtaki oder wegen des Ouzos aus der Kurve geflogen ist. Denn im Kipos wurde gegessen, getrunken, getanzt, geflirtet..., was das Zeug hält. Doch damit ist bald Schluss.

Aber warum? Die Erkenntnis reifte bei Georgios Dimitriadis vergangenes Jahr, während er den Jakobsweg beschritt. Irgendwo auf den 800 Kilometern zwischen Jean Pied de Port bis Santiago de Compostela „ist mir eingefallen, dass ich viele, viele Gäste bedient habe, aber mein persönliches Leben ist dabei auf der Strecke geblieben“, so Dimitriadis, den die Dachauer nur „Schorsch“ nennen. Neben dem Kipos führte der Wirt von 1997 bis 2000 gleichzeitig die Gaststätte des ASV Dachau. „Sicher, du kannst 20 Hosen besitzen oder ein teures Auto, aber wenn die Bonbons ausgehen...“ Damit will er sagen: Das Geld hat bei seinem Entschluss keine Rolle gespielt.

Gröbenried: Kult-Grieche schließt für immer - Betreiber fasst Entschluss auf Jakobsweg

Nachdem Dimitriadis wieder daheim in seiner Wohnung in München war, „ist der Wunsch aufzuhören immer größer geworden“. Schließlich stand fest, dass er Schluss machen würde. Blieb nur noch die Frage: wie? Der 58-Jährige beschloss, es noch einmal drei Tage lang krachen zulassen. Von Freitag bis Sonntag, 27. bis 29. Dezember, jeweils ab 17 Uhr soll gefeiert werden. Essen und Trinken pauschal für 29 Euro. Der Freitag und der Samstag sind bereits ausgebucht. Für Sonntag können die Gäste noch reservieren (Telefon 0 81 31/8 70 30). Was aus der Taverne wird, weiß Dimitriadis noch nicht genau. Es könnte bereits im Februar mit einem anderen Pächter weiter gehen. „Ich hoffe, der neue Wirt behält den Namen Kipos bei“, sagt der 58-Jährige.

Bei der großen Abschiedsparty werden sicherlich noch einmal die alten Geschichten erzählt werden. Nur die guten, versteht sich. Etwa die von der Fußball-Europameisterschaft 2004, als die Griechen unter ihrem deutschen Trainer Otto Rehhagel mit einem 1:0 im Finale gegen Gastgeber Portugal völlig überraschend den Titel gewannen. Der Siegtreffer von Angelos Charisteas bedeutete gleichzeitig, dass ein hellenischer Wirt im 2400 Kilometer entfernten Gröbenried eine kostspielige Wette einlösen musste: Georgios Dimitriadis hatte seinen Gästen versprochen, dass, sollten Rehhakles und Co. gewinnen, er sämtliche Rechnungsgelder seiner Gäste, die während der EM anfielen, zurückbezahlen würde. Das kostete den fußballverrückten Wetter stolze 12.750 Euro.

„Wenn ich zurück bin, möchte ich den Jakobsweg von Dachau nach Santiago laufen“

Doch die Zeiten der wilden Feste wandeln sich nach dem 29. Dezember in Zeiten der Ruhe und Entspannung. Georgios Dimitriadis hat im neuen Jahr zunächst vor, zwei, drei Monate bei seiner Tochter Nina (30) und seinem Sohn Lambro (28) zu verbringen, die beide in Indien leben. „Wenn ich zurück bin, möchte ich den Jakobsweg von Dachau nach Santiago laufen“, so die weiteren Pläne des 58-Jährigen. „Und ich werde immer wieder griechische Inseln besuchen“, fügt er an. Und noch einen Gedanken trägt er mit sich herum. Dimitriadis ist im nordgriechischen Städtchen Grevena zur Welt gekommen. In seiner Gegend gebe es einen Ort, wo die Leute 100 Jahre alt würden, sagt er. 

„Sie treffen sich erst am Abend und feiern. Die möchte ich auch mal besuchen.“ Das erinnert an den griechischen Philosophen Epikur. Er siedelte sich 305 vor Christus mit seinen Freunden an einem wunderbar gelegenen Ort an, um in Frieden und ohne Angst das Leben zu genießen. Der Ort wurde von jedermann Garten genannt. Garten heißt auf griechisch: Kipos.

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