Prozess

Illegales Autorennen: Zwei Männer (21) rasen mit mehr als 300 PS über die Münchner Straße

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Die Fahrer zweier PS-Boliden lieferten sich im Winter ein Rennen über die Münchner Straße in Karlsfeld. Dafür mussten sie sich jetzt vor Gericht verantworten.

Wegen eines illegalen Autorennens sind zwei 21 Jahre alte Männer vom Amtsgericht Dachau zu Geldstrafen verurteilt worden. Sie hatten sich mit ihren Boliden auf der Münchner Straße in Karlsfeld getroffen und dann „Speed gegeben“, wie ein Zeuge sagte.

Dachau – Was haben ein BMW M2 und ein Audi RS3 gemeinsam? Sie haben weit mehr als 300 PS, die jeweiligen Autobauer haben ihnen Soundchips implantiert, die den Motor extra laut machen, und sie verfügen über eine Übersetzung, die es den Boliden ermöglicht, wie Motorräder zu beschleunigen. Die sündhaft teuren Schlitten sind prädestiniert für Autorennen. Findet dieses auf der Münchner Straße in Karlsfeld statt, dann ist das laut eines 2017 ins Strafgesetzbuch eingefügten Paragrafen strafbar. Und deshalb mussten sich die Piloten des 370 PS starken BMW M2 und des 340 PS starken Audi RS3 vor dem Dachauer Amtsgericht verantworten.

Es war eine finstere Nacht Ende Januar 2018, als sich eine Schar junger Männer und Frauen auf dem Gelände einer Autowerkstatt in Karlsfeld verabredete. Ein Szenetreff für Liebhaber schneller Wagen. Unter ihnen ein Onlinehändler in seinem BMW M2 sowie ein Lagerist in einem gemieteten Audi RS3. Beide sind sie 21 Jahre alt und aus Karlsfeld. Gegen 1.45 Uhr sammelte der Onlinehändler noch schnell drei Freunde auf, der Lagerist zwei – und ab ging es auf die vierspurige Münchner Straße.

Was dann passierte, schilderte der einzige Autofahrer, der außer den Motorsportfreunden zu dieser Zeit unterwegs war. Er sei von der Arbeit kommend in Richtung Dachau gefahren, als er an der Kreuzung zur Bajuwarenstraße vor sich den BMW und den Audi habe stehen sehen, obwohl die Ampel ausgeschaltet gewesen sei, so der 56 Jahre alte Dachauer. „Dann haben sie ordentlich Speed gegeben“, so der Zeuge. Aber nur kurz, dann hätten sie ihre Schlitten abrupt zum Stillstand gebracht und wieder beschleunigt – mindestens viermal. Kurz darauf seien sie plötzlich in eine Tankstelle eingebogen, hätten gewendet und seien in Richtung München gefahren. „Sie haben gemerkt: Da hängt uns einer am Arsch“, so der Dachauer, der in einem handelsüblichen Alfa Romeo saß. Offensichtlich wollten die Raser unerkannt flüchten. Doch der Zeuge hatte, natürlich per Freisprechanlage, bereits die Polizei verständigt. „Die Polizei hat gesagt, wenn ich niemanden gefährde, kann ich hinterherfahren“, so der 56-Jährige.

Irgendwann wechselte der Audi in normalem Tempo auf die Spur des Alfa Romeo und wurde langsamer, während der BMW Gummi gab und in der Nacht verschwand. Noch eine Zeit lang sei er hinter dem Audi hergefahren, so der Dachauer, immer unter „Live-Berichterstattung“ für die Polizei, bis er irgendwann aufgegeben habe.

Gestern vor Gericht schwiegen die beiden Angeklagten zunächst zum Tatvorwurf. Ihr Pech: Der Kronzeuge machte bei seiner Befragung messerscharfe Angaben zum Tatgeschehen. Auf die Frage des Richters, warum er die beiden Karlsfelder angezeigt habe, antwortete der Kronzeuge: „Ich bin Berufskraftfahrer und fahre 120 000 bis 150 000 Kilometer im Jahr. Ich habe Sachen gesehen, die will keiner sehen“, so der 56-Jährige. Und er habe Bekannte im Straßenverkehr verloren.

Es folgte zunächst ein Rechtsgespräch zwischen den beiden Anwälten der Angeklagten, dem Staatsanwalt und Richter Tobias Bauer, dann ein umfassendes Geständnis der beiden Autonarren und schließlich das Urteil gegen sie: 1200 Euro Geldstrafe sowie ein dreimonatiges Fahrverbot für beide. Der Spruch fiel deshalb so milde aus, weil die Angeklagten keinerlei Vorstrafen haben und niemanden gefährdet hatten.

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