Nach Diebstahl

Dieser Kunstschmied fertigt das neue Dachauer KZ-Tor an

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„Arbeit macht frei“ – das ist die Inschrift auf der Tür, die Kunstschmied Michael Poitner rekonstruiert.

Röhrmoos - Kunstschmied Michael Poitner baut nach dem Diebstahl das berühmte Dachauer KZ-Tor nach. Für ihn ein ziemlich komisches Gefühl, da er ja immerhin einen Nazi-Spruch reproduzieren muss.

Michael Poitner aus Biberbach bei Röhrmoos (Landkreis Dachau) ist eigentlich Kunstschmied. Jetzt hat er einen diffizilen Auftrag angenommen: Für die KZ-Gedenkstätte Dachau baut er das gestohlene KZ-Tor mit der zynischen Inschrift „Arbeit macht frei“ nach.

Schmiedeeisen, 108 Kilo schwer, 93 Zentimeter breit und 1,87 Meter hoch, die Buchstaben zwölf Zentimeter groß – das sind die Fertigungsmaße der Tür. „Am Anfang hatte ich ein komisches Gefühl, da ich ja einen nationalsozialistischen Spruch reproduziere“, bekennt Poitner. Er ist in Dachau aufgewachsen, die Gedenkstätte war „vor der Haustür“, wie er sagt.

Das Tor sei ein Symbol für den Holocaust – eine Aufforderung für 800 000 Besucher im Jahr, sich über die NS-Zeit zu informieren. Den Beschluss, die Tür nach dem bis heute nicht aufgeklärten Diebstahl von Anfang November 2014 nachzubauen, hatte der Stiftungsrat der Bayerischen Gedenkstätten gefasst. „Es war eine klare Bitte der überlebenden Häftlinge“, sagt Stiftungsdirektor Karl Freller. Rechtzeitig zu den Befreiungsfeiern Ende April soll das Tor wieder eingefügt sein – daneben aber eine Schrifttafel mit Erläuterungen. Das Angebot von Dachaus italienischer Partnerstadt Fondi, ein Replikat zu stiften, wurde nicht angenommen. Aus Zeitgründen, wie Freller betont. Bei der Rekonstruktion behilft sich Poitner mit historischen Fotos. Die älteste Aufnahme stammt von 1936. Damals fehlten noch senkrechte Gitterstäbe, die wohl erst nachträglich eingearbeitet wurden. Das Tor war vernietet, der Schriftzug aber verlötet. So will es Poitner auch machen. Auch der Schriftzug ist Feinarbeit. Denn die Original-Buchstaben wurden nach dem Krieg ausgebaut. 1972 gab es eine Replik, die aber vom Original abwich – zum Beispiel waren das R und B verändert. Poitner wird die Version von 1972 nehmen. „Wir wollen keinen künstlichen Urzustand herstellen.“

Regina Peter/Dirk walter

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