Mehrere Autoreifen zerstochen - Zufall?

Nach Rottweiler-Attacke: Behörden beschlagnahmen zweiten Hund - Anwohner in Angst vor den Besitzern

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Bei dem zweiten beschlagnahmten Hund soll es sich auch um einen Kampfhund der Kategorie 1 handeln - dazu zählen auch Pitbulls (Symbolfoto).

Nach der Rottweiler-Attacke in Dachau haben die Behörden nun einen zweiten Hund der Besitzer beschlagnahmt. Die Situation in der Wohnsiedlung, in der die Besitzer der Tiere leben, eskalierte daraufhin komplett.

Dachau – Der Zugriff am späten Donnerstagnachmittag war laut Augenzeugen schnell und konsequent. „Die kamen, waren sehr gut vorbereitet und haben nicht lang diskutiert. Das ging nur: rein und raus.“

Was die Anwohnerin der Wohnsiedlung am Kräutergarten in Dachau-Ost hier beschreibt, war die Beschlagnahme des zweiten Hundes einer Familie, über deren Hunde sich die Nachbarn seit Wochen bei der Stadt beschwert hatten und deren Rottweiler nach einer schweren Beißattacke auf ein Mädchen bereits am Montag konfisziert worden war. Bei dem zweiten Hund soll es sich um einen Kampfhund der in Bayern verbotenen Kategorie 1 handeln.

Nach Rottweiler-Beschlagnahmung: Autoreifen zerstochen

Alle vier Reifen hat ein Unbekannter in der Nacht zum Freitag an diesem VW zerstochen. Dessen Besitzerin hatte sich zuvor bei der Stadt über ihre Nachbarn beschwert. 

Allein: Ruhe ist mit der Wegnahme des zweiten gefährlichen Hundes dennoch nicht eingezogen in die ansonsten ruhige Gegend. Im Gegenteil: In der Nacht zum Freitag wurden an drei Autos die Reifen zerstochen. Alle drei Autos gehörten Anwohnern, die sich zuvor für die Wegnahme der Hunde eingesetzt hatten.

Polizeisprecher Günther Findl bestätigt, dass zwischen der Wegnahme der Hunde und der Reifenstecherei „ein Zusammenhang bestehen könnte“; dieser Zusammenhang werde „polizeilich aber nicht bestätigt“. Vielmehr ermittle die Polizei „in alle Richtungen“. Die Autoreifen seien mithilfe eines spitzen Gegenstands beschädigt worden; an einem Auto seien gleich alle vier Reifen, an den beiden anderen Fahrzeugen nur zwei Reifen zerstochen worden. Schaden: immerhin 600 Euro.

Rottweiler-Streit eskaliert: Nachbarn haben Angst

Die Stimmung in der Nachbarschaft ist laut Anwohnerin Jessica Kolinger entsprechend schlecht: „Die einen sind unheimlich wütend und empfinden es als Krieg. Die anderen haben Angst und fragen sich: Was kommt als Nächstes? Wir alle miteinander sind nur noch hilflos.“

Die Familie, an deren Hundehaltung sich der Nachbarschaftskrieg entzündete, weist jedoch jede Schuld an der Eskalation von sich: Es bestehe keinerlei Zusammenhang zwischen der Wegnahme der Hunde und der Sachbeschädigung an den Autos. Aber, so betont die Halterin des am Donnerstag beschlagnahmten Hundes: „Wir werden um unsere Hunde kämpfen, die gehören uns!“ Die Familie habe hierfür bereits einen Anwalt eingeschaltet. Überhaupt sei ihre Familie genauso von der Reifenstecherei betroffen gewesen, Unbekannte seien sogar in ihre Wohnung eingebrochen! Die Polizei allerdings bestätigt auf Nachfrage diese Behauptung nicht.

Nach Rottweiler-Attacke: Zweiter Hund nicht im Tierheim untergebracht - aus Angst

Der zweite beschlagnahmte Hund wurde übrigens – im Gegensatz zum Rottweiler – nicht im Dachauer Tierheim untergebracht. Laut Silvia Gruber vom Tierschutzverein habe dies jedoch „nicht am Hund gelegen, sondern an dessen Umfeld“. Die Polizei hatte den Hund, der entgegen der ursprünglichen Aussagen der Besitzerin Gruber zufolge definitiv ein Kampfhund der in Bayern verbotenen Kategorie 1 sei, zwar nach der Beschlagnahmung direkt ins Dachauer Tierheim gefahren. Aber, so Gruber, „weil die Situation in der Nacht so eskaliert ist, haben wir uns mittlerweile entschieden, den Hund nicht bei uns unterzubringen“. Die Mitarbeiter hätten schlicht „Angst, dass sich der Hass irgendwann gegen uns richtet“.

Ob die Siedlung nun in absehbarer Zeit zu einem friedlichen Zusammenleben zurückfinden kann, ist fraglich. Die Nachbarn jedenfalls bemühen sich laut Jessica Kolinger um Abstand – in jeder Beziehung. Sie selbst zum Beispiel parkt ihr Auto in der Nacht nur noch ganz weit weg von ihrer Wohnung am Kräutergarten.

Lesen Sie auch: Kommentar zur Beiß-Attacke des Rottweilers in Dachau: Stadt handelte fahrlässig

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