Strafbefehl über 1200 Euro

Politesse fühlt sich von Aufkleber eines Dachauer Schülers beleidigt

Ein junger Dachauer musste sich nun vor Gericht verantworten. Es ging um einen Aufkleber auf seiner Windschutzscheibe. 

Dachau – Die Parksituation rund um den Dachauer Bahnhof ist bekanntlich katastrophal. Das verleitete einen 21-jährigen Schüler dazu, falsch zu parken. Der junge Mann stellte sein Auto ab, nahm die S-Bahn nach München, wo er ein Praktikum absolvierte, und dachte sich nichts dabei. Als er zurückkam, klemmte ein Knöllchen unter seinem Scheibenwischer. Auch das bereitete ihm wenig Sorgen. Angst und Bange wurde dem Dachauer erst, als ihm ein Strafbefehl ins Haus flatterte. 

„Fick Dich, Du Zettelpuppe“

Nicht weniger als 1200 Euro sollte er berappen, weil er eine Mitarbeiterin der kommunalen Verkehrsüberwachung mit den Worten „Fick Dich, Du Zettelpuppe“ beleidigt haben soll. So stand es zumindest in dem Urteil des vereinfachten Strafverfahrens. Der seiner jugendlichen Unbekümmertheit jäh beraubte Verurteilte nahm sich den ehemaligen Dachauer Oberbürgermeister Kurt Piller zum Anwalt und ließ durch diesen Einspruch einlegen. Am Mittwoch kam es zur Hauptverhandlung vor dem Dachauer Amtsgericht.

Der Aufkleber sei nicht von ihm

Vor Richter Lukas Neubeck beteuerte der 21-Jährige, er sei ein rechtschaffener Bürger, der sich „stets respektvoll“ benehme. Er könne sich nicht daran erinnern, jemals jemanden beleidigt zu haben – und schon gar keine Politesse! Auch der rüde Sprachgebrauch entspreche nicht seinem Wesen. Erst fünf Minuten vor Prozessbeginn habe er mitbekommen, dass es der Aufkleber auf seinem Wagen war, der ihn auf die Anklagebank gebracht hatte. „Ich dachte, mir wird vorgeworfen, ich hätte die Frau direkt beleidigt!“

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Und dann erzählte der junge Mann aus seiner Sicht, was es mit dem ominösen Aufkleber, der im Übrigen ziemlich groß ist, auf sich hat: Beim BMW-Händler seines Vertrauens habe er vor einem halben Jahr einen gebrauchten Opel erstanden. Wichtig sei ihm gewesen, dass der Corsa (Kaufpreis 15.000 Euro) über Sportsitze und einen Haufen PS verfüge. Auf Extras wie dümmliche Aufkleber habe er keinen Wert gelegt. Indes: Er habe beim Kauf sehr wohl erkannt, dass sich der Aufkleber auf der Windschutzscheibe unter dem Scheibenwischer befunden habe. Dessen Botschaft habe er als „eine gewisse Art von Humor“ empfunden.

Diese Ansicht teilte die Mitarbeiterin der kommunalen Verkehrsüberwachung, die den Strafzettel ausgeteilt und dabei die beleidigende Aufforderung auf dem Aufkleber gelesen hatte, nicht. Die Botschaft sei doch sehr auf ihre Zunft gemünzt, meinte die Zeugin. Und: „Weder bin ich eine Puppe, noch tue ich f...“

Version des Angeklagten schwer zu widerlegen

Richter Neubeck gab zu, dass die Ermittler es versäumt hätten, beim BMW-Händler nachzufragen, ob der Aufkleber bereits zum Zeitpunkt des Verkaufs an den Angeklagten auf der Windschutzscheibe geprangt habe. Somit sei die Geschichte des Angeklagten schwer zu widerlegen.

Schließlich stellte der Vorsitzende das Verfahren gegen eine Geldauflage in Höhe von 300 Euro zugunsten der Kreisverkehrswacht ein. Und ja: Der 21-Jährige habe auf der Stelle den Aufkleber zu entfernen. Diese Anweisung war notwendig, denn der 21-jährige fuhr bis gestern mit dem Aufkleber durch die Gegend.

Rubriklistenbild: © dpa

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