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3000 Euro Schmerzensgeld für zwei Steaks – Familienvater verklagt Supermarkt: „Ich war im Sterben gelegen“

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Von: Stefanie Zipfer

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Kämpferisch: Kläger Marcus Oberrenner. Jantz
Kämpferisch: Kläger Marcus Oberrenner. Jantz © SIGI JANTZ

„Ich war im Sterben gelegen“, berichtete ein 58-jähriger Vierkirchner vor dem Landgericht München II. Grund für seine Nahtoderfahrung: angeblich verdorbenes Rindfleisch von einem Supermarkt im Landkreis. Vom Marktbetreiber fordert er nun Schmerzensgeld.

Landkreis – Der Abend des 24. April 2021 sollte für die Vierkirchner Familie Oberrenner ein schöner werden. Der neue Grill stand einsatzbereit, der Sohn, ein gelernter Koch, sowie seine Mutter hatten in einem Supermarkt noch für Grillgut gesorgt: in Öl eingelegtes Putenfleisch sowie zwei Rindersteaks. Zum Fleisch gab es Kartoffelsalat, ohne Mayonnaise, sowie Tomaten-Mozzarella-Salat.

Doch für den heute 58-jährigen Familienvater Marcus Oberrenner endete der Abend im Krankenhaus. Nur wenige Stunden nach dem Grillabend bekam der stattliche Mann nämlich Magenschmerzen, Durchfall und Fieber.

Seine Frau fuhr ihn daraufhin ins Dachauer Krankenhaus. Seinen damaligen Zustand beschreibt der Vierkirchner heute so: „Wissen Sie, wie es ist, wenn ein Mensch im Sterben liegt? In Löffelchenstellung hab ich mich im Krankenhausbett vor Schmerzen gekrümmt!“ Das Pflegepersonal habe „alle Hände voll“ zu tun gehabt, sein Fieber zu senken.

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Verdorbenes Rindfleisch? Vierkirchner verklagt Supermarkt aus Landkreis Dachau auf Schadensersatz

Für ihn und den Rest der Familie ist daher klar: Seine Symptome sind Ausweis einer üblen Lebensmittelvergiftung, verursacht durch verdorbenes Rindfleisch, das Frau und Sohn im Supermarkt gekauft hatten.

Drei Wochen sei er nach der Vergiftung krankgeschrieben gewesen, er leide bis heute an Appetitlosigkeit und habe – als schlimmste Spätfolge – sogar seine Arbeit verloren. In Oberrenners Klage gegen den Markt-Betreiber fordert er daher 3000 Euro Schmerzensgeld sowie 863 Euro Verdienstausfall.

Gestern wurde diese Klage vor dem Landgericht München II verhandelt. Der Kläger kam mit seinem Sohn und seiner Anwältin. Der Supermarktbetreiber erschien nicht persönlich; stattdessen schickte er seine Anwältin sowie – als Zeugen – die Leiterin seiner Frische-Abteilung und den damaligen Azubi, der im April 2021 unter anderem an der Frischfleischtheke im Einsatz war.

Lebensmittelvergiftung wegen verdorbenem Rindfleisch? Supermarkt-Betreiber weist Vorwürfe von sich

Die Anwältin des Markts, Vicki Irene Commer, argumentierte, dass die Vergiftung ja nicht zwingend vom Grillfleisch kommen müsse, der Kläger könne ja auch andere Produkte gegessen haben. Möglich sei auch, dass das Fleisch nicht durchgegrillt war oder in der Küche der Familie einfach derart unhygienische Zustände geherrscht hätten, dass das Essen dort verunreinigt worden sei.

Zudem habe ein Arzt im Dachauer Krankenhaus dem 58-Jährigen einen „unklaren Infekt“ attestiert, Lebensmittelvergiftungen würden sich typischerweise nämlich erst zwei bis zehn Tage nach dem Verzehr des verdorbenen Essens einstellen. Und eine Produkthaftung für das Fleisch, so das letzte Argument von Anwältin Commer, komme schon gar nicht in Betracht, da der Supermarkt sein Fleisch von einem Fleisch-Großhändler beziehe. Diesen aber hatte der 58-Jährige nicht verklagt.

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Während die Markt-Mitarbeiter betonten, dass sich außer dem Kläger im April 2021 niemand über angeblich verdorbenes Rindfleisch beschwert habe und alle Hygienevorschriften im Geschäft eingehalten würden, stellten Vater und Sohn auf der Klägerseite die hygienischen Zustände dort ganz anders dar.

So habe die Mutter einmal abgepackten Schinken im Regal entdeckt, der abgelaufen gewesen sei. Einem anderen Familienmitglied seien für satte 32 Euro in Knoblauch-Öl eingelegte Eismeercocktailgarnelen verkauft worden, die „sauer“ geschmeckt hätten.

Dass außer dem Vater keine weiteren Familienmitglieder am 24. April 2021 ernsthaft krank geworden seien, liegt nach den Worten des Sohnes daran, dass nur der Vater vom Rindfleisch gegessen habe. Lediglich „einen Bissen“ habe er genommen, berichtete der Sohn. Aber schon diese winzige Menge habe gereicht, dass er „ein bisschen“ Durchfall bekommen habe.

Gerichtliche Entscheidung fällt im Januar

Die Vorsitzende Richterin Bettina Geißler mühte sich um eine gütliche Einigung. Am Ende war der Kläger auch bereit, sich mit einer Zahlung von 1000 Euro zufrieden zu geben. Markt-Anwältin Commer winkte jedoch ab. „Das wird jetzt mir zu viel“, meinte sie vor allem nach den ihrer Meinung nach allzu einstudierten Aussagen des Sohnes.

Richterin Geißler wird nun am 18. Januar eine Entscheidung verkünden. Sie selbst fühlte mit dem Kläger. Aus eigener Erfahrung wisse sie, dass eine Lebensmittelvergiftung durchaus schon nach drei bis vier Stunden auftreten könne. Und dann, so Geißler, „geht’s einem richtig schlecht“.

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