Hier liegt der Angeklagte vor Gericht

Todesschütze Rudolf U.: Bizarres Eiskalt-Geständnis

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Todesschütze Rudolf U. muss zum Prozess erscheinen - das verfügte das Gericht.

München/Dachau - Im Prozess um die tödlichen Schüsse auf einen Staatsanwalt in Dachau hat der kranke Angeklagte am Dienstag ein eiskaltes Geständnis abgelegt.

Er liegt da wie ein Gespenst. Weiße, wirre Haare, blasse Haut, ein weißes Krankenleiberl, die dunklen Augen starr. Als es um seine Verteidigung geht, ist Rudolf U. (55) aber hellwach. Er brüllt, gestikuliert und schockiert. Seine lapidare Antwort auf die Frage, warum er gemordet habe? „Was wollen's denn sonst machen?“

Es war ein bizarrer Auftritt des Angeklagten am zweiten Prozesstag im Mordfall um den Staatsanwalt Tilman T. (†31) im Münchner Landgericht. Rudolf U. hat die Tat gestanden. „Ich hab’ auf den Staatsanwalt geschossen, das ist richtig.“ Auch den Richter im Dachauer Amtsgericht habe er erschießen wollen – „bin aber nicht mehr dazu gekommen“. Seine Aussagen wirken wie ein makaberes Theaterstück.

Vor Beginn der Verhandlung fahren drei Sanitäter die Trage mit U. zum Gerichtssaal. Drinnen hieven sie ihn in das bereitgestellte Krankenbett neben dem Richterpult. Der schwer Kranke ist auf Anordnung der Kammer hergebracht worden. Am ersten Tag hatte er wegen einer Operation gefehlt (tz berichtete). Eine dünne, blaue Decke verdeckt seinen Unterkörper. Darunter zeichnet sich ab, dass er nur noch Stumpen hat. Ihm wurden beide Unterschenkel amputiert.

Zuerst starrt U. an die Decke, dann lässt er seinen durchdringenden Blick schweifen. Sobald der Angeklagte reden darf, wettert er drauf los. Rudolf U. ist wegen Mordes und dreifachen versuchten Mordes angeklagt. Er habe den anwesenden Protokollführer und seine damalige Anwältin aber nicht töten wollen – und fuchtelt mit der rechten Hand herum.

Der insolvente Transportunternehmer hatte nach den Todesschüssen am 11. Januar als Motiv angegeben: Hass auf die Justiz wegen zurückliegender verlorener Verfahren. Laut Anklage sei U. in denProzessen uneinsichtig, forsch und egozentrisch aufgetreten. Dasselbe Gesicht zeigte er auch am Dienstag.

Er habe 150 000 Euro gezahlt im Laufe der Jahre. „Aber ich habe nichts gemacht.“ Er jammert und schimpft: „Sie haben zwei Instanzen, und wenn Sie die verlieren, was machen Sie denn dann?“ Und fügt – als wäre das eine Erklärung für die Tat – hinzu: „Irgendwann reicht’s halt einfach.“ Kein Zeichen von Reue. Die Mutter des ermordeten Staatsanwaltes schüttelt ungläubig den Kopf, Bekannten des Opfers im Zuschauerraum rinnen Tränen aus den Augen.

Nina Bautz

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