Dachau: Weite Teile des Landkreises ohne Strom

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Die Helfer des THW versuchen das Dachauer Volksfest wieder zum Laufen zu bringen.

Dachau - Große Teile des Landkreises Dachau sind am frühen Sonntagabend ohne Strom: Wegen eines Schadens an einem Verteilerkasten steht unter anderem das Dachauer Volksfest still.

Es ist 17.17 Uhr, und auf einmal steht alles auf dem Dachauer Volksfest still. Ein Supergau. Der Strom ist weg. Reinhard Hörmann, Festwirt im großen Zelt, weiß gar nicht, wo er anfangen soll vor lauter Baustellen: „Probleme macht im Moment einfach alles, weil nichts mehr funktioniert.“ Ein Festbetrieb ohne Strom: undenkbar.

Es funktioniert keine Kasse, kein Herd, keine Kühlung. „Wir schenken gerade das letzte kühle Bier aus“, sagt Hörmann. „Und wir bringen noch die Essen weg, die schon zubereitet sind. Dann ist Schluss.“ Der Festwirt schaut auf die Uhr. Vier Stunden könne der Stromausfall dauern, hat man ihm gesagt. Ein Notstromaggregat vom THW ist auf dem Weg.

Der Grund für den Stromausfall im kompletten Landkreis Dachau gestern war ein durchgebrannter Isolator im Umspannwerk Dachau. Feuerwehr und Eon arbeiteten mit Hochdruck an der Problembehebung. Viele Fehlalarme gingen bei der Polizei ein: Alarmanlagen, die grundlos auslösten, Notstromaggregate, die Ruß absonderten.

Bilder: Stromausfall im Landkreis Dachau

Der Volksfestplatz bietet ein trauriges Bild. Es ist wie in einer Geisterstadt im Wilden Westen. Und genauso still. Gespenstisch still. Nur die Schausteller hängen aufgeregt zwischen den traurigen Kindern an ihren Handys und versuchen, die Situation zu klären.

Thorben Jost (36) steht vor seinem Riesenrad. Es steht still. Und ist leer. „Ein Stromausfall ist bei uns kein Problem“, erklärt der Schausteller. „Wir können die Gäste per Hand runterlassen.“ Eine Seite von Josts Riesenrad ist immer die Schwerste. Und wenn es keinen Strom mehr gibt, kann er per Hand die Bremse lösen und die Gäste nach und nach runterlassen.

Auch bei den anderen Fahrgeschäften gibt es keine Schwierigkeiten. Die Wildwasserbahn von Familie Bergmann-Dölle können die Gäste über Treppen an der Seite verlassen. Die kleine Giulia (drei Jahre) findet den Stromausfall in ihrem Fahrgeschäft gar nicht schlimm. Kurzum funktioniert sie mit ihrem Hund Buddy und ihrem Cousin Peter die Wildwasserbahn zum Pool um und planscht vergnüglich drauf los.

Für andere ist der Stromausfall keinesfalls so spaßig: Für Eisverkäuferin Karin Thomä zählt jede Minute: „Wenn’s in einer halben Stunde keinen Strom gibt, muss ich alles wegschmeißen.“ Da helfen auch die Campingtricks von ihrem Kollegen Fritz Loderer nichts. Er hat feuchte Geschirrtücher ausgelegt, um die Truhe kühl zu halten. Er betont: „Jetzt zählt jedes Grad.“ Auch Crèpes-Verkäuferin Stefanie Maliers kämpft um kühle Temperaturen. „Ich kann unseren Kühlschrank nicht mehr aufmachen. Sonst geht alles kaputt.“ Gegenüber bei der Pizzeria Roma geht zwar nichts kaputt, aber die Bäcker können auch nichts mehr verkaufen. Ein Blech noch, dann ist Schluss. „Aber egal, wie lang das heute dauert. Wir gehen hier nicht weg“, sagt Pizza-Bäcker Patrick.

Großer Gewinner des Stromausfalls ist Michael Kaiser mit seinem Ponyreiten. Als bei den anderen nichts mehr läuft, drehen seine Ponys fleißig Runde um Runde. Aber Kaiser ist nicht schadenfroh: „Mir wär’s viel lieber, wenn alle Strom hätten. Dann macht das Volksfest mehr Spaß.“ Eine volle Bude können auch die Schiffschaukeln verzeichnen. Und wen der große Hunger plagt, der greift auf Steckerlfisch vom Holzkohlegrill zurück.

Derweil rückt das THW mit vier Fahrzeugen an und versorgt das große Zelt und den Franziskanergarten mit Notstrom. Festwirt Hörmann: „Zuerst versorgen wir die Theken, dann schauen wir, dass wir ein bisschen Licht hier rein bringen“, schmunzelt er. Die Leute sind immer noch in Feierlaune „Zum Glück läuft die Musik weiter. Ist halt gute alte Blasmusik.“

Gegen 19 Uhr ist der Spuk vorbei. Nach einem Fehlstart läuft auch der Strom wieder.

Christiane Breitenberger

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