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21-Jähriger von Zug tödlich erfasst - Familie in tiefer Trauer: „Er hat mein Herz mitgenommen“

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Von: Nikola Obermeier

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Jonny Blümel starb im Alter von 21 Jahren.
Jonny Blümel starb im Alter von 21 Jahren. © privat

Jonny Blümel ist bei einem tragischen Unfall ums Leben gekommen. Der 21-jährige Dachauer wurde vor rund einer Woche von einem Zug erfasst. Jonny hinterlässt eine Familie in tiefer Trauer – Mutter, Vater, seine große sowie kleine Schwester und sein kleiner Bruder stehen unter Schock.

Dachau – „Er hat mein Herz mitgenommen.“ Susanne Blümel, 24 Jahre alt, trauert um ihren Bruder Jonny. Der 21-Jährige wurde mitten aus dem Leben gerissen, von einem Zug erfasst. Was genau in den frühen Morgenstunden des 11. September passiert ist, wird wohl nie geklärt werden.

Für Susanne Blümel, Jonnys Mutter und Vater sowie seine beiden jüngeren Geschwister bleiben viele Fragen offen. „Wir werden nie erfahren, wie er da hoch gekommen ist.“ „Da hoch“: Damit meint Susanne Blümel die Böschung, die zu den Bahngleisen bei Prittlbach führt. Dort starb Jonny. Er befand sich auf dem Heimweg von Hebertshausen nach Dachau. Gemeinsam mit Freunden, darunter auch Susanne Blümel, war er auf der „Woidparty“.

Dachau: 21-Jähriger kommt bei tragischem Zugunfall ums Leben

„Irgendwann war er plötzlich weg“, erzählt Susanne Blümel. „Wir haben ihn gesucht, nach ihm gerufen, auch schon in Richtung Bahnhof, er konnte da noch nicht weit sein“, sagt die Schwester. Das Handy hatte der 21-jährige Dachauer zu Hause gelassen. Die Freunde suchten auch den Weg an der Straße entlang nach Dachau ab – nichts. Sie gingen dann selbst heim. „Jonny wusste eigentlich, wie es von Hebertshausen nach Dachau geht.“ Susanne fügt hinzu: „Er ist immer nach Hause gekommen.“

In dieser Nacht nicht. Die Schwester und Freunde suchten am nächsten Morgen weiter, die Mutter meldete den vermissten Sohn bei der Polizei. Am Nachmittag rief die Polizei an und bat Susanne Blümel und deren Mutter, auf die Wache zu kommen. „Da standen in einem Raum acht Leute, vom BRK und von der Kripo“, berichtet Susanne.

Die Polizeibeamten sagten, dass vieles darauf hin deutet, dass Jonny bei einem Unfall an den Bahngleisen ums Leben gekommen sei. Er konnte nicht über seinen Personalausweis identifiziert werden, er trug nichts bei sich. „Aber Jonny hatte ein Tattoo am Arm, sie haben uns ein Foto davon gezeigt.“ Da wurde die große Angst zur Gewissheit. Jonny war tot.

„Keiner weiß, was genau passiert ist. Aber die Polizei erklärte uns, dass Jonny nicht direkt auf den Gleisen gegangen ist.“ Es kann sein, dass er durch den Sog gegen einen vorbeifahrenden Zug geschleudert wurde. „Die Polizei sagte, dass ein Suizid anders ausgesehen hätte.“ Wie berichtet, teilte die Polizei am Montag mit, dass es ein folgenschwerer Unfall war, bei dem der 21-Jährige ums Leben gekommen ist. Laut Polizei wurde er vom Zug erfasst und tödlich verletzt.

Jonny hinterlässt Familie in tiefer Trauer

In tiefer Trauer: Mutter, Vater und die Geschwister von Jonny nahe der Unfallstelle, an der Bahnunterführung bei Prittlbach. Zahlreiche Kerzen, Bilder, Blumen wurden hier für den verstorbenen Jonny aufgestellt.
In tiefer Trauer: Mutter, Vater und die Geschwister von Jonny nahe der Unfallstelle, an der Bahnunterführung bei Prittlbach. Zahlreiche Kerzen, Bilder, Blumen wurden hier für den verstorbenen Jonny aufgestellt. © NORBERT HABSCHIED

Für Susanne Blümel, deren 13 und 15 Jahre alten Geschwister und natürlich für die Eltern ist der Schmerz riesengroß. „Jonny war ein Familienmensch, er war immer für seine Geschwister da, hat sich um seine Eltern gekümmert, für sie Einkäufe erledigt“, erzählt Susanne. Die Eltern sind getrennt, Jonny lebte bei seinem Papa, „gleich um die Ecke von uns im Himmelreichweg“. Er war hilfsbereit und fröhlich. „Jonny und ich haben immer gesagt, dass wir beste Freunde sind.“

Der junge Dachauer träumte davon, ein Haus für die Familie zu kaufen. Er hat viel gearbeitet, er war Lackierer bei Krauss-Maffei, hat Überstunden gemacht, damit er mehr Geld verdient. „Und sein Auto, einen BMW, hat er geliebt, das war sein Baby“, erzählt Susanne. „Er wollte, dass ich irgendwann sein Auto bekomme – und wollte sich dann ein neues kaufen.“

Am Donnerstag ist Susanne Blümel in Jonnys Auto gesessen, zum ersten Mal nach Jonnys Tod. Mit einem Kumpel ist sie eine Runde gefahren. „Ich dachte, da sitzt Jonny neben mir. Ich bin wie in einem Film, ich denke die ganze Zeit, er kommt wieder.“ Jonnys Mutter und Vater sind jetzt jeden Tag zusammen, viele Freunde kommen vorbei.

An der Unfallstelle sind zahlreiche Kerzen aufgestellt, letzte Grußworte, Bilder mit Sprüchen. „Um mich am Rücken zu kratzen, dafür ist mein Bizeps zu groß“, steht auf einem Bild. Diesen Spruch hat er immer gesagt, Fitness war ihm wichtig.

Schöne Abschiedsfeier und Beerdigung für Jonny

Am Dienstag bemalen seine Eltern und Geschwister zusammen mit seinem besten Freund den Sarg, in dem Jonny bestattet wird. Die Familie will Jonny eine schöne Abschiedsfeier und Beerdigung ermöglichen. Allerdings ist sie in finanzieller Not. Jonnys Vater war wegen Corona lange ohne Arbeit, seine Mutter ist alleinerziehend, muss für die zwei jüngeren Geschwister sorgen.

Die Spendenaktion Kette der helfenden Hände der Dachauer Nachrichten leistet einen finanziellen Beitrag zu den Bestattungskosten, um der Familie in dieser schweren Zeit eine Sorge zu nehmen. Die Familie ist dankbar für jede Hilfe.

Seine Schwester Susanne will ihr Auto hergeben, damit sie Jonnys Auto weiterfahren kann. Auf diese Art fühlt sich die 24-Jährige ihm ein bisschen näher – und sein Wunsch wird erfüllt, dass Susanne seinen BMW bekommt.

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