Stadt wird per Zufall aufmerksam

Dachauer soll angebliche Schwarzbauten abreißen: Anwohner will „alle Register ziehen“

+
„1000 Reiterhöfe, aber für Kinder gibt es nix.“ Nikolaus Gamperl (l.) möchte seine „Ranch“ unbedingt weiter betreiben. 

Sogenannte baurechtswidrige Zustände hat das städtische Bauamt im Bereich der Gröbenrieder Straße am Stadtwald ausgemacht. Die Folge: Viele der Schwarzbauten müssen abgerissen werden. Ein Anlieger aber wehrt sich vehement.

Dachau – Nikolaus Gamperl geht es nicht ums Geld, um sich oder ums Rechtkriegen. „Mir geht’s nur um die Tiere und die Kinder!“ Der Dachauer hatte vor 25 Jahren ein leeres Grundstück am Römerweg gekauft, sein Ziel sei damals lediglich gewesen, darauf „Garten- und Landschaftspflege zu betreiben“. Doch dann, vor 15 Jahren, kaufte er ein Pony – „das Tier wäre sonst geschlachtet worden“ – und suchte per Annonce ein Beistellpferd, das seiner Neuerwerbung Gesellschaft leisten sollte. 

Besitzerin dieses zweiten Pferds war Nicole Reinwarth, die laut Gamperl „eine Ader für Kinder und Pferde“ hat – und die mittlerweile aus dieser Ader ein Geschäft macht. Mit ihrer Firma „Islandpferde am Stadtwald“ bietet sie Kindern Reitunterricht an; auf der „Ranch“ – so wird die Anlage im Internet beworben – gibt es zudem Ferienprogramm-Aktionen sowie Angebote für Kindergeburtstage. Zum ursprünglichen Pony und dem Beistellpferd gesellt sich laut Internetwerbung mittlerweile eine „kleine, bunt gemischte Herde“, die „in einem großzügigen Offenstall“ lebt. Und genau das ist das Problem: Gamperls Grundstück und damit seine Ranch befinden sich im sogenannten Außenbereich. Eine Bebauung ist dort nicht zulässig.

„Da stehen viele Dinge, für die es keine Genehmigung gab“

Die Stadt hatte von dem Treiben am Stadtwald jahrelang nichts mitbekommen. Laut Gamperl hatte das Veterinäramt seine Ranch zwar mehrfach besucht und deren Betrieb letztlich auch genehmigt – dass die Anlage aus baurechtlichen Gründen unter Umständen gar nicht genehmigungsfähig war, hatte die Tierbeauftragten jedoch nicht interessiert.

Erst per Zufall – eine Nachbarin von Nikolaus Gamperl hatte vor wenigen Wochen bei der Stadt beantragt, auf ihrem Besitz einen Schrebergarten einzurichten – schauten sich die verantwortlichen Beamten das Gebiet einmal aus der Nähe an. Und erst dabei, so bestätigt Ariane Jungwirth vom Stadtbauamt, seien die „baurechtswidrigen Zustände“ entdeckt worden. Oder einfacher formuliert: „Da stehen viele Dinge, für die es keine Genehmigung gab.“

Jungwirth zufolge habe die Stadt daher Kontakt mit den Anrainern und Pächtern aufgenommen und diesen die Gelegenheit zur Äußerung gegeben. Mit einigen habe man sich bereits auf eine fünfjährige Rückbaufrist geeinigt. In anderen Fällen würden noch Gespräche laufen. Im Hinblick auf das laufende Verfahren möchte Jungwirth nicht ins Detail gehen, betont aber, dass die Verfahren „noch nicht abgeschlossen“ seien.

Freiwillige Bußgeldzahlung angeboten

Für Nikolaus Gamperl aber ist die Sache schon heute klar: Ein Rückbau kommt für ihn nicht in Frage. „Ich geh’ da nicht weg! Die müssen mich schon mit der Polizei rausholen!“ Sollte die Stadt bei ihrer ablehnenden Haltung bleiben, überlegt er sogar, gemeinsam mit den Kindern und den Pferden vor dem Rathaus für den Erhalt seiner Ranch zu demonstrieren. Denn: „Bei uns in der Gegend gibt es 1000 Reiterhöfe, aber für Kinder gibt es nix.“ Um den Kleinen diesen Spaß zu erhalten, wolle er daher „alle Register ziehen“.

Klar, dass es nicht richtig gewesen sei, auf dem Grundstück ein Heuhaus, einen Stall und zuletzt noch eine Reithalle zu errichten, das sieht Gamperl ein. „Aber jetzt kommt ja nix mehr dazu“, verspricht er. Und räumt ein, auch freiwillig ein Bußgeld zu zahlen – im Gegenzug für eine Ausnahmegenehmigung.

Seine Nachbarn, sagt Gamperl, seien schon alle „beim Anwalt“; er selbst habe keine Rechtsschutzversicherung und könne sich damit auch keinen juristischen Beistand leisten. Er glaubt aber ohnehin fest daran, die Angelegenheit „mit gesundem Menschenverstand“ lösen zu können. Die Stadt, so sagt er, habe seit 20 Jahren auf seinem Grund eine Infotafel stehen. Bislang, so Gamperl, habe er dagegen nichts gesagt. Nun müsse er überlegen, „ob das auch weiterhin kostenlos bleibt“...

Lesen Sie auch: Bruchbude Viktualienmarkt: Neue Sorgen um die Zukunft für Standlbetreiber

Lesen Sie auch: “Für normal denkende Menschen nicht nachvollziehbar“: Vandalen wüten am Karlsfelder See

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Handgeschriebener Zettel an Gaststätte lässt Gerüchteküche brodeln - Das weiß der Bürgermeister
Handgeschriebener Zettel an Gaststätte lässt Gerüchteküche brodeln - Das weiß der Bürgermeister
Schüler beleidigt Lehrer per WhatsApp als „Hurensohn“ - Eltern murren über Gerichtsentscheidung
Schüler beleidigt Lehrer per WhatsApp als „Hurensohn“ - Eltern murren über Gerichtsentscheidung
Hier war mal ein legendärer Club - Jetzt öffnet das Lokal wieder seine Pforten
Hier war mal ein legendärer Club - Jetzt öffnet das Lokal wieder seine Pforten
Frau auf Heimweg von Disko vergewaltigt - Mutmaßlicher Täter festgenommen
Frau auf Heimweg von Disko vergewaltigt - Mutmaßlicher Täter festgenommen

Kommentare