Vier Tage vor Anschlag: Attentäter flog von Düsseldorf nach Manchester

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Rudolf U. erschoss Staatsanwalt

Dachauer Todesschütze im Knast gestorben

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Wird ­anonym ­bestattet: ­Rudolf U. (56†)

Dachau - Rudolf U., der im Januar vergangenen Jahres im Amtsgericht Dachau den jungen Münchner Staatsanwalt Tilman T. (31) erschossen hatte, ist tot.

Dass dieser schwerkranke Mann das Gefängnis nie wieder lebend verlassen würde, war schon während des Prozesses klar. Dennoch kam die Nachricht von seinem Tod nun doch überraschend: Bereits in der Nacht zu Sonntag ist der Todesschütze von Dachau, Rudolf U., im Alter von 56 Jahren auf der Krankenstation der JVA Stadelheim gestorben. Er litt seit Jahren unter einer schweren Diabetes-Erkrankung. In der U-Haft trat er in den Hungerstreik, noch vor Prozessbeginn wurden ihm beide Beine amputiert.

Am 11. Januar 2012 hatte der damals 54-Jährige im Dachauer Amtsgericht den Staatsanwalt Tilman T. (31) erschossen. Wegen Sozialversicherungsbetrugs stand der insolvente Spediteur damals vor dem Amtsgericht. Kurz nach der Urteilsverkündung sprang Rudolf U. plötzlich auf, zog eine Waffe aus dem Hosenbund und schoss fünf Mal. Tilman T. wurde von drei Projektilen getroffen und starb kurz darauf im Krankenhaus.

Reue oder eine Entschuldigung kamen U. nie über die Lippen. Wohl jedoch zeigte er Empathie, als Angehörige des ermordeten Staatsanwaltes unter Tränen vor Gericht ihre unermessliche Trauer schilderten. U. wurde wegen Mordes und dreifachen versuchten Mordes zu lebenslanger Haft mit besonderer Schwere der Schuld verurteilt. Das Urteil war noch nicht rechtskräftig.

Nach Angaben seines Anwalts Maximilian Kaiser aus Landshut verschlechterte sich U.’s Gesundheitszustand bereits ab Donnerstag nach dem letzten Besuch seiner Mutter. Der 56-Jährige lehnte mit Hinweis auf seine zwei Patientenverfügungen alle Therapien und auch jede Nahrung ab, wollte nicht in eine Klinik verlegt werden und akzeptierte nur noch Schmerzmittel. Er wies seinen Anwalt an, keine weiteren juristischen Schritte mehr zu unternehmen. Kurz vor seinem Tod um 0.55 Uhr war noch ein Mitarbeiter des katholischen Dienstes bei ihm. Als Todesursache gilt Multiorganversagen. U. möchte anonym bestattet werden.

Um Gerüchten um U.’s Tod vorzubeugen ordnete die Staatsanwaltschaft München I eine Obduktion an. Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch: „Alles deutet auf einen natürlichen Tod hin.“ Das Ergebnis des toxikologischen Gutachtens wird in einigen Wochen vorliegen.

Dorita Plange

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