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Ende einer Ära beim Dachauer Volksfest: Brauerei wird gewechselt - doch Bierpreis steigt saftig

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Von: Stefanie Zipfer

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Augustiner statt Spaten: Das Bier wird auch beim nächsten Volksfest fließen, aber nicht mehr so billig sein. Im Jahr 2019, als der OB mit zwei Schlägen anzapfte (Foto), kostete die Mass 6,30 Euro.
Augustiner statt Spaten: Das Bier wird auch beim nächsten Volksfest fließen, aber nicht mehr so billig sein. Im Jahr 2019, als der OB mit zwei Schlägen anzapfte (Foto), kostete die Mass 6,30 Euro. © hab

Auf dem Dachauer Volksfests wird es heuer erstmals kein Spaten-Bier mehr geben. Dafür steigt der Bierpreis gewaltig. Festwirt Ewald Zechner begründet hier seine Entscheidung.

Dachau – Auch wenn noch absolut unklar ist, ob und wenn ja in welcher Form das Dachauer Volksfest in diesem Jahr stattfinden kann, hat der Kulturausschuss des Stadtrats im nichtöffentlichen Teil seiner jüngsten Sitzung am Dienstag Wesentliches beschlossen: Erstens wird es statt Spaten-Festbier in diesem Jahr im großen Festzelt Augustiner-Bier geben; den Brauereiwechsel hatte Festwirt Ewald Zechner beantragt. Und zweitens wird „die inhaltliche Verknüpfung des Dachauer Volksfestes mit einem besonders niedrigen Bierpreis aufgegeben“, wie es im Beschluss des Ausschusses heißt; mit anderen Worten: Der Bierpreis steigt deutlich, auf 8,60 Euro pro Mass.

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Volksfest Dachau: Spaten ist Geschichte - Festwirt begründet Entscheidung mit Beliebtheit

Zechner begründet den Abschied von Spaten mit der großen Beliebtheit des Augustiner-Biers, das er im vorigen Jahr schon auf dem „Sommer auf der Thomawiese“ ausgeschenkt hatte. Die Resonanz der Besucher sei „extrem positiv“ gewesen, das Feedback sei „wahnsinnig gut“ gewesen, Augustiner habe „den Leuten hervorragend geschmeckt“, schwärmt er.

Denjenigen, die das Dachauer Thomabier vermissen werden, verspricht er, sich mit Spaten auf eine Sonderlieferung des nach Dachauer Rezept gebrauten Biers einigen zu wollen. „Geplant ist, dass wir Thomabier in 0,5-Liter-Flaschen verkaufen.“ Grundsätzlich aber ist er auch realistisch: „Das Dachauer Bier ist doch sowieso in München gebraut worden.“

Neues Bier beim Volksfest Dachau: Augustiner kommt aus dem Holzfass

Was er an Augustiner besonders schätzt: „Dass es in Holzfassln kommt.“ Deshalb werde er sich in den kommenden Wochen auch zu ersten Gesprächen mit den neuen Bierlieferanten treffen müssen: „Die Logistik von Augustiner ist ganz anders. Die Holzfässer müssen ja ganz anders gelagert und gekühlt werden als die Biertanks von Spaten. Auch die Schänke werden wir umbauen müssen.“

Was das Festzelt im weiteren Sinn betrifft, kündigt Zechner ebenfalls Änderungen an: „Die Deko wird bissl anders werden. Logischerweise will Augustiner natürlich seine Logos sehen.“ Während das Front- und Giebelbild des Festzelts der Stadt gehören und damit fix sind, werde die übrige Bebilderung nun gemeinsam ausgearbeitet.

Volksreferent Robert Gasteiger gibt zu, den Brauereiwechsel „leidenschaftslos“ zu sehen. Ein in Dachau gebrautes „Dachaurer Bier“ gebe es ja seit Jahren schon nicht mehr, und Augustiner sei „wenigstens ein bayerisches Bier, das noch aus Holzfässern ausgeschenkt wird“. Insofern sei das neue Bier nun einen Versuch wert, „und für die Jahre 2023 und 2024 schreiben wir für das große Festzelt eh wieder neu aus“.

Dachaus Kulturamtsleiter Tobias Schneider und damit Zuständiger von Verwaltungsseite für das Volksfest betont, dass der Brauereiwechsel in erster Linie von Festwirt Zechner ausgegangen sei. Gleichwohl sei es auch im Rathaus angekommen, dass das Augustiner-Bier im vergangenen „Sommer auf der Thomawiese“ ein „sehr, sehr, sehr gutes Feedback“ bekommen habe. „Augustiner sei „einfach beliebt“.

Dachauer Volksfest: Bierpreis steigt gewaltig - wegen Inflation

Den deutlichen Anstieg des Bierpreises begründet Schneider mit der allgemeinen Teuerung der vergangenen Monate. Klar, gibt er zu, sei die nun beschlossene Preissteigerung des Volksfestbiers nicht unerheblich; im Jahr 2017 etwa kostete die Mass Bier noch 5,80 Euro, ein Jahr später 6,10 Euro, im Jahr 2019 waren 6,30 Euro. Aber trotz des Sprungs auf 8,60 Euro will er doch betont wissen: „Wir haben hier in Dachau immer noch einen Bierpreis, der sehr angenehm ist!“

Die wichtigste Frage in den Zusammenhang aber dürfte ohnehin sein: Findet in diesem Jahr überhaupt ein Volksfest statt? Schneider ist vorsichtig optimistisch: „Mein Bauchgefühl sagt mir, dass mehr gehen wird als in den beiden Jahren zuvor.“ Klar, die „eine oder andere Einschränkung wird es schon noch geben. Aber wir werden ein normaleres Volksfest haben als letztes Jahr“. Im Frühjahr, spätestens im Mai, „wissen wir mehr“.

Einzigartiges Preissystem steht auf der Kippe

Dass das Volksfestbier in Dachau einzigartig günstig war, lag an einem von Oberbürgermeister Lorenz Reitmeier im Jahr 1970 eingeführten System: So stellt die Stadt das große Festzelt und vergibt die Bewirtung an einen Dachauer Gastronom, früher für ein Jahr, mittlerweile für zwei. Und zwar an denjenigen, der sich mit dem niedrigsten Bierpreis bewirbt und der Stadt pro ausgeschenktem Hektoliter am meisten abgibt.

So stieg der Bierpreis zwar auch in Dachau stetig, aber in kleineren Schritten als anderswo. Und OB Reitmeier nutzte das günstige Gerstenwasser auch gleich, um für seine Stadt zu werben. 1985, die Mass kostete 3,75 Mark, sprach er erstmals vom „billigsten Bier der Welt“, 1988 immerhin noch vom „billigsten Bierpreis Europas“. Ob dieses System nun auch in Zukunft beziehungsweise bei der Ausschreibung 2023/24 beibehalten wird, wird laut Kulturamtsleiter Tobias Schneider „ergebnisoffen diskutiert“.

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