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Amtsgericht

„Das Dämlichste, was mir passiert ist“

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Ein Heilbrunner (18) wurde mit 35 Gramm Marihuana erwischt. Der Richter verhängt 64 Stunden Sozialdienst und ein Drogenkonsumverbot.

Bad Heilbrunn/Wolfratshausen– Der junge Mann machte nicht lange rum. „Ich bekenne mich schuldig und werde mir so was nicht mehr leisten“, erklärte der angehende Verkäufer (18) entschlossen, als der Richter ihm zum letzten Mal das Wort erteilt hatte.

Aber Leugnen und Lamentieren hätte auch nichts genutzt. 35 Gramm Marihuana-Dolden trug der Heilbrunner in einer Kunststoffbox bei sich, als er am 7. Juni dieses Jahres auf dem Bahnsteig in Penzberg kontrolliert wurde. Zudem fand die Polizei bei ihm einen Crusher und eine Feinwaage, was den Verdacht nahelegte, dass das Rauschgift nicht nur für den eigenen Konsum bestimmt war. Deshalb musste sich der 18-Jährige jetzt wegen „unerlaubtem Handelns mit Betäubungsmitteln“ vor dem Jugendgericht verantworten.

Doch damit war der Beschuldigte nicht einverstanden. Schon als die Staatsanwältin aus der Anklageschrift zitierte, er habe beabsichtigt einen Teil des Marihuanas zu verkaufen, hatte er mit dem Kopf geschüttelt. „Ich habe nie Handel betrieben“, beteuerte er. „Das Marihuana sollte zwischen mir und zwei sehr guten Freunden aufgeteilt werden.“ Jeder habe ein Drittel zum Kaufpreis von insgesamt 300 Euro beigesteuert. Die Tatsache, dass er 15 Gramm beansprucht habe und seine Freunde nur jeweils zehn Gramm erhalten sollten, begründete der Angeklagte damit, er trage schließlich „das Risiko, entdeckt zu werden“. Das geschah kurz bevor er in den Zug nach Kochel, wo seine Freunde warteten, einsteigen konnte.

Das Gericht glaubte die Version des Angeklagten, der sich im vorigen Jahr zum ersten Mal vor dem Jugendrichter verantworten musste. Damals war er wegen Diebstahls mit einer richterlichen Weisung davon gekommen. Ziemlich alkoholisiert war er mit einem Freund ins Schulgebäude eingestiegen, hatte zwei Schreibtische aufgebrochen und Geld gestohlen. „Das war zusammen mit der Geschichte von heute so ziemlich das Dämlichste, was mir bisher passiert ist“, erklärte der junge Bursche, der mit Jeans, Sakko und Krawatte bekleidet zur Verhandlung erschienen war.

Eine schwierige Phase sei das damals gewesen, ziel- und planlos, sagte die Jugendgerichtshelferin. Inzwischen habe er sein Leben verändert und das „berufliche Umherirren“ in Form einer demnächst beginnenden Ausbildung beendet.

Richter Urs Wäckerlin folgte dem Vorschlag der Jugendgerichtshelferin. Er verurteilte den 18-Jährigen wegen unerlaubtem Erwerb und Besitz von Betäubungsmitteln zu 64 Stunden sozialen Diensten. Zudem muss er drei Beratungsgespräche mit der Caritas-Suchtberatung führen. Er darf sechs Monate keine Drogen konsumieren und muss seine Abstinenz durch Drogenscreenings nachweisen.

„Ihr Versprechen ist bei mir angekommen“, erinnerte der Richter den 18-Jährigen an die eingangs zitierte Beteuerung. „Die nehme ich ernst – und hoffe, dass wir uns hier nicht wiedersehen.“

Rudi Stallein

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