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Über zwei Stunden anstatt 20 Minuten: Bahn empfiehlt Umweg über München – Fahrgast fassungslos

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Von: Sebastian Tauchnitz

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Im Loisachtal fährt seit Tagen kein Zug mehr. Die Deutsche Bahn kann nicht sagen, wann die Inspektionsarbeiten beendet sind. Es gibt große Probleme mit dem Schienenersatzverkehr. Unser Archivfoto entstand in Bichl.
Zwischen Kochel und Seeshaupt fährt seit Tagen kein Zug mehr. Die Deutsche Bahn kann nicht sagen, wann die Inspektionsarbeiten beendet sind. Unser Archivfoto entstand in Bichl. © Pröhl

Bahnkunden sind derzeit schwer genervt. Grund sind nicht unbedingt zahlreiche Streckensperrungen, sondern vor allem, wie die Bahn damit umgeht.

Tutzing – Andreas Bretting fühlt sich von der Bahn veralbert. Um 6.39 Uhr wurde ihm am Donnerstag (21. Juli) mitgeteilt, dass die Kochelseebahn nicht mehr nur zwischen Kochel und Seeshaupt nicht verkehrt, sondern die Züge ab sofort aus Richtung München bereits in Tutzing enden. „Damit sind 100 Prozent der Kochelseebahn außer Betrieb“, stellt er fest. Aber das sei nicht einmal das Schlimmste. Auch nicht, dass das wieder einmal ohne jede Ankündigung geschehe. Nein, die offizielle Ersatzverbindung, die die Bahn-App ironiefrei vorschlage, die „schlägt dem Fass den Boden aus“.

Von Tutzing nach Penzberg – normale Fahrzeit für die 22 Kilometer rund 20 Minuten – wird allen Ernstes vorgeschlagen, man solle doch in Tutzing wieder in den Zug steigen, nach München fahren, dort in die S-Bahn bis Wolfratshausen steigen und danach den Bus über Königsdorf nach Penzberg nehmen. Macht unterm Strich eine Fahrt von sage und schreibe 99 Kilometern, die 140 Minuten dauert.

Keine Busse, dafür viel zu wenige Taxis ohne Fahrplan

Unser Leser Jens Merker aus Iffeldorf weist in einer Mail darauf hin, dass die Bahn beim Ersatzverkehr ausschließlich auf Taxis setzt. „Dieser Ersatzverkehr findet aber ohne Fahrplan statt, das heißt, man weiß gar nicht, wann man ab den Zwischenstationen mit einer Beförderung rechnen kann“, so Merker. „Selbst die Postkutschen zu Goethes Zeiten fuhren nach in einem Coursbuch veröffentlichten, festen Fahrzeiten!“, merkt er an.

Lesen Sie auch unseren Kommentar zum Thema: „Ein Witz, aber nicht lustig“

Nun ist die Kochselseebahn nicht die einzige Strecke, auf der momentan nicht gefahren wird. Auch zwischen Peißenberg und Schongau sind die Reisenden seit Tagen darauf angewiesen, eines der raren Taxis zu ergattern. Hier zeichnet sich allerdings eine Lösung ab. Gestern sollen bereits Probezüge auf der Strecke unterwegs gewesen sein. Die BRB teilte daraufhin mit, dass die Züge auf der Strecke von Augsburg über Weilheim nach Schongau ab Freitag wieder befahren werde.

Die große Oberland-Rundfahrt: Statt 20 Minuten von Tutzing nach Penzberg würde man nach der offiziellen Empfehlung der Bahn 140 Minuten brauchen.
Die große Oberland-Rundfahrt: Statt 20 Minuten von Tutzing nach Penzberg würde man nach der offiziellen Empfehlung der Bahn 140 Minuten brauchen. © Screenshot: Bretting

Der erste Zug morgens um 5 Uhr soll noch ausfallen und auch danach werden die Reisenden viel Geduld aufbringen müssen. „Es wurden Langsamfahrstellen angeordnet, auf denen das Tempo auf bis zu 20 Kilometer pro Stunde gedrosselt werden muss, weshalb mit hohen Verspätungen zu rechnen ist“, heißt es in der Pressemitteilung.

Widersprüchliche Aussagen von Bahn-Mitarbeitern und Bahn-Pressestelle

Nach Informationen der Heimatzeitung aus Bahnkreisen wird angestrebt, dass auch die Kochelseebahn ab heute wieder fahren soll. Das Wetter spielte den Bahnmitarbeitern dabei wohl in die Karten. Denn es waren umfangreiche „Stopfarbeiten“ notwendig, um die Streckensicherheit wiederherzustellen. Dabei werden die Gleise minimal angehoben und mit Schotter unterfüttert, um für Stabilität zu sorgen.

Bei sehr hohen Temperaturen wie in den zurückliegenden Tagen ist das aber nicht möglich. Wenn am Donnerstag bei kühlerem Wetter alles geklappt hat, sollten auch hier ab sofort wieder Züge fahren. Allerdings würden auch auf der Kochelseestrecke Langsamfahrbereiche ausgewiesen, auf denen die Züge maximal 20 km/h schnell sein dürfen.

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Diese Informationen wollte die Bahn auf Anfrage allerdings nicht offiziell bestätigen. Ja, die Strecke zwischen Kochel und Seeshaupt sei wegen Instandhaltungsmaßnahmen gesperrt, zwischen Tutzing und Seeshaupt würden seit gestern Vormittag aber wieder Züge fahren: „Eine genaue Prognose, wann die Strecke durchgängig befahren werden kann, ist aktuell leider nicht möglich.“

Kein Wort zum Kommunikationschaos

Man arbeite zwar weiter „mit Hochdruck“ an der Bereitstellung weiterer Busse, aber „aufgrund von zahlreichen Baustellen mit Schienenersatzverkehr in ganz Bayern, allgemeinen Engpässen bei Buskapazitäten auf dem Markt sowie kurzfristig erhöhtem Krankenstand konnten wir trotz intensiver und bundesweiter Suche und Anfragen in Nachbarländern bislang nicht ausreichend Busse bereitstellen“. Zum Kommunikationschaos der Bahn verlor die Sprecherin derweil kein Wort.

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