Brüder sterben auf Motorrädern

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Die vier Geschwister in glücklichen Zeiten (v. l.): Xaver, Michael, Rita und Rudolf. Bei dem tragischen Unfall starben Xaver und Michael.

Denklingen - Der kleine Ort Denklingen im Kreis Landsberg steht unter Schock: Die beiden Motorradfahrer (76 und 73), die am Dienstag im Allgäu ums Leben gekommen sind, waren zwei Brüder aus dem Ort. Ein dritter Bruder (64) blieb unverletzt.

Fassungslosigkeit herrscht in Denklingen (Kreis Landsberg): Zwei Brüder sind am Dienstagnachmittag in Seeg/Allgäu auf ihren Motorrädern tödlich verunglückt (wir berichteten kurz), ein dritter Bruder musste die Tragödie miterleben.

Die Geschwister waren fit für ihr Alter, und das ist kein Wunder: Fußball, Eishockey, Schießen – überall waren sie dabei. Der älteste, Xaver K., ist Ehrenmitglied im örtlichen Sportverein, ebenso Rudolf, der jüngste. Und Michael, der mittlere, war bis zuletzt im Schützenverein aktiv. Ihre Söhne sind tragende Säulen der Denklinger Eishockeymannschaft, Xaver war im Winter stets mit dem Loipenspurgerät unterwegs. Und schon immer sind die drei Brüder, die nach dem frühen Tod ihrer Eltern ein sehr enges Verhältnis hatten und sich bestens verstanden, auf Motorradtouren gegangen. Meistens Tagesausflüge, aber auch mal länger, erzählt Gabi K., die Frau von Rudolf, dem Überlebenden.t

Auch dieses Jahr waren sie schon unterwegs. „Am Montag haben sie gesagt: Es wird schönes Wetter, da fahren wir wieder los“, erinnert sie sich. Es sollte für Xaver und Michael eine Fahrt ohne Wiederkehr werden. Laut Polizei fuhren die Brüder im Ostallgäu auf einer Landstraße nahe Seeg, als ein vorausfahrendes Auto auf Höhe Schwallenweiher links abbiegen wollte. Der Autofahrer bremste ab, weil ein Fahrzeug entgegenkam, auch ein nachfolgendes Auto stoppte rechtzeitig. „Nach derzeitigem Ermittlungsstand schätzte die Gruppe der Motorradfahrer die Situation falsch ein“, sagte ein Polizeisprecher. Das Trio wollte die haltenden Fahrzeuge überholen, was aber nur noch dem vorausfahrenden Rudolf gelang – er konnte einen Zusammenstoß mit dem entgegenkommenden Auto gerade noch vermeiden.

Xaver und Michael dagegen prallten frontal gegen den entgegenkommenden Wagen beziehungsweise in das vor ihnen anhaltende Auto. „Trotz sofortiger Erster Hilfe starben beide noch an der Unfallstelle“, sagte der Polizeisprecher – und das fast direkt nebeneinander. So als ob die beiden Brüder auch im Tod eng beieinander bleiben wollen.

Xaver und Michael waren im Ort äußerst aktiv und stark in das Dorfgeschehen eingebunden. „Die beiden waren allseits bekannt und beliebt“, sagt Denklingens Bürgermeisterin Viktoria Horber erschüttert – „das ganze Dorf fühlt jetzt mit den Familien mit“. „Ich kann es immer noch nicht fassen, mir schnürt es den Hals ab“, sagt Peter Brich: Der verunglückte Michael K. war sein „bester Spezl“, mit ihm und seinen Brüdern war Brich oft mit dem Motorrad unterwegs. Erst vor 14 Tagen war er noch mit seinem verstorbenen Freund mit dem Motorrad auf Sardinien. „Die K.’s waren immer schon Motorradfahrer“, erzählt Brich, der die Brüder aber immer besonnen erlebt hat: „Das waren keine wilden Fahrer“, betont der Freund, der sich nicht erklären kann, wie es zu dem Unfall kommen konnte.

Die übrigen Unfallbeteiligten erlitten leichte Verletzungen oder einen Schock. „Mein Mann ist fix und fertig“, sagt Gabi K.. Michael K., dessen Frau schon vor langer Zeit an Krebs gestorben war, hinterlässt zwei Kinder, Xaver sogar vier. Das Jubiläum des Frauenbundes, das am Samstag gefeiert werden sollte, wurde abgesagt. Ein großes Fest war geplant – doch feiern mag im Dorf jetzt keiner.

Boris Forstner und Manuela Schmid

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