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Personalnot erreicht Traditionswirtschaften: „10 halbe Bier für Hilfe in der Küche“

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Von: Christoph Peters

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Schäferwirt-Betreiber Stephan Kögl sucht mit einem ungewöhnlichen Angebot auf Facebook nach Mitarbeitern.
Schäferwirt-Betreiber Stephan Kögl sucht mit einem ungewöhnlichen Angebot auf Facebook nach Mitarbeitern. © Screenshot Facebook

Zusätzliche Ruhetage, weniger Tische, eingeschränkte Öffnungszeiten - die Gastronomie leidet massiv unter Personalnot. Dazu kommen die steigenden Kosten. Der Gast spürt das jetzt schon.

Landkreis – Wer den Aufruf liest, den Stephan Kögl im sozialen Netzwerk Facebook gestartet hat, dem kann leicht angst und bange werden um die Zukunft seines Schäferwirts in Schwabbruck. „Ich lad’ dich ein auf zehn Halbe Bier bei mir im Biergarten. Was du dafür tun musst? Ich brauche dringend Hilfe in der Küche, an der Spüle, beim Saubermachen und Servieren im Schäferwirt! Bring mir jemand und das Bier gehört Dir, Brotzeit inklusive“, lautet Kögls Angebot.

Auf Nachfrage kann der Wirt beruhigen. So groß, wie man es vielleicht vermuten könnte, seien die Personalsorgen nicht, versichert er. „Angst um den Schäferwirt muss man nicht haben.“ Doch auch im Schwabbrucker Familienbetrieb ist der Kreis an helfenden Händen in der Corona-Krise geschrumpft. „Wir arbeiten viel mit Minijobbern“, sagt Kögl. „Von denen haben sich natürlich einige in den vergangenen beiden Jahren umorientiert.“

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Gastro-Krise im Landkreis Weilheim-Schongau: Viel Organisationsarbeit gefragt

Um das zu kompensieren, war in den vergangenen Wochen viel Organisationsarbeit gefragt. Auch, weil das Geschäft nach dem Ende der Corona-Beschränkungen quasi von null auf hundert in kurzer Zeit wieder angelaufen sei, so Kögl. Darüber beschweren will sich der Schwabbrucker freilich nicht. Die Situation, was die Mitarbeiter betreffe, sei nicht einfach. Aber dieser Herausforderung müsse man sich eben stellen. Weil sich auf den Facebook-Aufruf bereits einige gemeldet haben, ist Kögl zuversichtlich, dass das Personalproblem bald der Vergangenheit angehört.

Das Gastronomiebetriebe sich schwer tun, offene Stellen zu besetzen, ist laut Katharina Haller kein neues Phänomen. Durch Corona habe sich die Situation allerdings verschärft, sagt die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands für die Kreisstelle Weilheim. Viele Gastronomen würden derzeit händeringend nach Personal suchen. Das gilt auch für Hallers eigenen Betrieb, das Gasthaus Sonne in Peißenberg. Man suche aktuell dringend nach einem Koch, sagt Haller. Dass Wirtschaften wegen der Situation einen zusätzlichen Ruhetag einführen, kann sie nachvollziehen. Doch das helfe nichts, um kurzfristige Spitzen im Service abzudecken, etwa wenn am Wochenende Biergarten und Gaststube voll seien.

Personalnot in der Gastronomie: Nur ein kleiner Stamm an Mitarbeitern nach Corona

Mehr Mitarbeiter, die bräuchten sie auch im Paterzeller Landgasthof „Zum Eibenwald“ dringend. Dort kann man sich im Moment vor Anfragen kaum retten. Viele Firmen würden ausgefallene Weihnachtsfeiern nun im Sommer nachholen, sagt Chefin Uschi Daisenberger. Doch auch hier hat man über die Coronazeit nur einen Stamm an Mitarbeitern halten können, viele Aushilfen hätten sich umorientiert und seien nicht mehr zurückgekommen, schildert Daisenberger das Dilemma. Das führt dazu, dass die Wirtsfamilie gerade im Catering so manchen Auftrag ablehnen muss. „Das Personal reicht gerade fürs Haus.“

Als wären die fehlenden Mitarbeiter nicht schon Problem genug, machen den Gastronomen nun auch noch die rasant steigenden Kosten etwa für Energie und Nahrungsmittel schwer zu schaffen. Früher habe man Anfang des Jahres von den Lieferanten eine Preisliste bekommen und danach kalkuliert, sagt Daisenberger. „Jetzt gelten Tagespreise, manchmal wissen wir bei der Bestellung noch nicht, was es am Ende kostet.“ Dazu kämen gestiegene Ausgaben für die Mitarbeiter, deren Lohn man erhöht habe, um sie im Betrieb zu halten.

Gestiegene Kosten müssen irgendwie weitergegeben werden

Die höheren Kosten schlagen sich auf der Karte nieder. Gerichte für über 20 Euro seien keine Ausnahme mehr. Gerade für Familien werde der Restaurantbesuch zur teuren Angelegenheit, weiß Daisenberger, die diese Entwicklung zutiefst bedauert. „Aber wir müssen das irgendwie weitergeben.“ An den kommenden Herbst mag die Wirtin noch gar nicht denken. Schon jetzt gebe es so gut wie keine Reservierungen, denn niemand wisse, wie es mit Corona weitergehe. Dazu kommt die Energiekrise. „Wir haben drei Blockheizkraftwerke im Keller, die mit Gas laufen. Ich weiß nicht, ob wir im Winter überhaupt noch heizen können.“

Ähnlich sorgenvoll blickt man im Penzberger Landhotel Hoisl-Bräu auf die kommenden Monate. Zusätzliche Mitarbeiter könnte man auch dort gut gebrauchen. Doch was, wenn nach dem Sommer die Gäste ausbleiben, weil sie sich einen Restaurantbesuch aufgrund der aktuellen Entwicklungen nicht mehr leisten können, fragt sich Inhaberin Maria Dehmelt. „Dann stehen wir, wenn wir jetzt einstellen, mit zu viel Personal da.“ Zumal niemand wisse, ob die auslaufende Kurzarbeitsregelung verlängert werde. So bleibt vorerst nur, das Beste zu hoffen: „Irgendwie geht’s immer weiter.“

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